Custom Creations: der Hulkules-Ponyroller
Wenn man einen harmlosen Hercules-Roller richtig wütend macht, kommt manchmal ein echtes Monstrum dabei heraus. Genau so ein Gerät hat Jesco auf der MOTOR BIKE EXPO in Verona entdeckt – beziehungsweise wiedergetroffen. Denn der Mann hinter diesem wilden Umbau ist kein Unbekannter: Dave aus Nürnberg, den viele bereits von seinem spektakulären Roller kennen, den er passend zu einem Mazda-Rennwagen gestaltet hat. Diesmal steht allerdings etwas ganz anderes vor der Kamera: ein KTM-Ponyroller, der als Hercules-Lizenzbau unterwegs war und von Dave kurzerhand zum „Hulkules“ verwandelt wurde.
Der Name ist Programm. Aus Hercules und dem unglaublichen Hulk wurde „Hulkules“. Und wer vor diesem Roller steht, begreift sofort warum. Die Basis war ursprünglich ein KTM Pony 2, in der Hercules-Version als NHW 50 bekannt. Was davon geblieben ist? Optisch noch genug, um die Herkunft zu erkennen. Technisch aber ist der Roller längst in einer anderen Welt unterwegs.
KTM-Power statt Hercules-Motor
Denn im Hulkules arbeitet kein kleiner 50-ccm-Motor mehr, sondern ein Aggregat aus einer KTM LC4 550 EXC von 1991. Und nicht irgendeine Version, sondern das Wettbewerbsmodell mit Magnesiumdeckeln und Sintermetallkupplung. Rund 45 PS sollen hier anliegen – in einem Fahrzeug, das ursprünglich einmal als kleiner Roller gedacht war.
Dass diese Kombination nicht nur auf dem Papier brutal klingt, zeigt ein gespeicherter Wert im Tacho: von 0 auf 100 km/h in unter fünf Sekunden. Für einen Roller ist das nicht nur schnell, sondern ziemlich absurd. Genau diese Absurdität macht den Reiz des Projekts aus.
In der Garage auf Farbdosen ausgerichtet
Der Umbau entstand nicht in einer High-End-Werkstatt, sondern ganz klassisch in der Garage. Dave erzählt, dass er den Roller unten abgeschnitten und das Heck entfernt hat. Von der KTM wurde ebenfalls der vordere Bereich abgetrennt. Danach wurde beides auf Farbdosen ausgerichtet und zusammengeschweißt. Mehr Custom-Garage-Spirit geht kaum.
Gebaut hat Dave das Fahrzeug vor über 20 Jahren, damals noch während seiner Ausbildung. Eine große Strategie steckte zunächst nicht dahinter. Der Rahmen kam von einem Kumpel, war ohnehin nicht mehr in bestem Zustand, und die Idee lautete sinngemäß: „Da machen wir irgendeinen Quatsch damit.“ Aus diesem Quatsch wurde ein Beschleunigungsmonster.
Der Hinterbau stammt im Grunde von der KTM. Das sieht man dem Fahrzeug auch an: Stellt man sich davor, wirkt der Hulkules fast mehr wie ein Motorrad als wie ein Roller. Trotzdem bleibt die Roller-DNA sichtbar und genau diese Mischung macht das Teil so eigenständig.
VW-Lupo-Felge und Druckluftschaltung
Auch bei den Details zeigt sich, wie viel Eigenbau in dem Projekt steckt. Die Felge stammt beispielsweise von einem VW Lupo. Naben, Halter und diverse technische Lösungen hat Dave selbst gebaut. Besonders spektakulär ist aber die Schaltung: Der Hulkules wird per Druckluft geschaltet.
Das System funktioniert denkbar einfach, aber ziemlich beeindruckend. Die Druckluftschaltung kann separat eingeschaltet werden. Beim Start fährt Dave normal los. Sobald der Schaltblitz aufleuchtet, drückt er nur noch einen Knopf. Dann wird die Zündung kurz unterbrochen, und das Druckluftsystem legt den nächsten Gang ein. Kupplung ziehen, Fußarbeit, sauber den Gang treffen? Nicht nötig. Licht an, Knopf drücken, weiter.
Genau dafür wurde der Roller gebaut: für Beschleunigungsrennen. Allerdings passt er mit seinem Motorradmotor im Rollerrahmen in keine richtige Klasse. Mit einer hochgezüchteten Vespa vergleichbare Zeiten zu fahren, wäre fahrerisch eine ganz andere Aufgabe. Beim Hulkules ist das Konzept anders: draufsetzen, Gas geben, Schaltblitz abwarten, Knopf drücken.
Form follows Function – mit Monster-Garage-Vibe
Beim Design ging es Dave weniger um feine Linien als um Funktion. „Form follows Function“ passt hier ziemlich gut. Für ein Rennfahrzeug ist das absolut legitim. Gleichzeitig ist der Hulkules aber auch ein Kind seiner Zeit. Die Idee entstand in den 2000er-Jahren, als „Monster Garage“ mit Jesse James lief und im Fernsehen ständig völlig irrwitzige Fahrzeuge gebaut wurden. Genau dieser Geist steckt in dem Roller: Man nimmt, was da ist, schneidet, schweißt, kombiniert und am Ende steht etwas da, das eigentlich keinen Sinn ergibt, aber unglaublich viel Spaß macht.
Der Roller steigt durch seine Länge praktisch nicht. Dave kann am Gas bleiben, mit Vollgas in die Kurve fahren und beim grünen Licht die Kupplung schnalzen lassen. Die Schwinge kann die Kraft ab, das Getriebe passt zum Konzept, und die Konstruktion ist klar auf Beschleunigung ausgelegt.
Ein Roller, der in keine Schublade passt
Der Hulkules ist kein klassischer Custom-Scooter, kein reines Rennmotorrad und auch kein nostalgischer Hercules-Umbau. Er ist ein wildes Experiment, ein Garagenprojekt mit viel Humor und noch mehr Leistung. Genau deshalb passt er perfekt in unsere Serie „Custom Creations“.
Jesco bringt es am Ende auf den Punkt: Das Ding macht einfach Spaß beim Anschauen. Und eigentlich will man nur noch eines wissen: Wie klingt und fährt dieses Monster, wenn es wirklich losgelassen wird?