Alles über die Vespa Wideframe
Der englische Scooterist und Autor Martin „Sticky“ Round hat der Vespa einen weiteren Stein in das Brett der Verkehrsgeschichte gesetzt: Am Samstag, den 15. Februar 2025, stellte er die italienische Übersetzung seines Buches „The Complete Spanner’s Manual – Vespa Wideframe Engines“ der Öffentlichkeit vor.
Ort des Geschehens war die edle Werkstatt von Gaetani Francesco, genannt „Vespaio“. Er kümmert sich besonders um die allerältesten Vespamodelle und ist dafür bekannt, dass er selbst verfallene Vespa-98-Modelle mühelos zur Perfektion restauriert. Seine Werkstatt ist beinahe ein klischeehafter Traum: In der Toskana gelegen, in alten Räumlichkeiten und ausgestattet mit zahlreichen altehrwürdigen Werkzeugen, die für den Karosseriebau, die Lackiererei und den Vespa-Motorenbau nötig sind. Im Januar 2025 präsentierte er auf der Messe „Motor Bike Expo“ in Verona eine vollständig aus Aluminium nachgebaute historische Rennvespa, die von vielen als wahres Meisterstück angesehen wird.
In guter Gesellschaft
Seiner und Stickys Einladung folgte ein ausgewähltes Publikum. Keine Massenveranstaltung, keine große Party. Mithilfe des Vespa Clubs „Can Sciolti“ aus Massa wurde in der Vormittagssonne liebevoll ein Frühstücksbuffet aufgebaut, bevor die Buchautoren ihre Reden schwangen. Neben Sticky, der mit seiner Frau aus England angereist war, stand auch Andrea Pinasco persönlich auf der Bühne. Er hatte ebenfalls zwei Bücher mitgebracht: In einem davon zeigt er seine Anfänge beim Aufbau der Marke Pinasco. Zahlreiche Werbeplakate lassen dabei die Erinnerung an historische Tuningteile wieder aufleben. In einem zweiten Buch beschreibt er sein persönliches Leben, das er die vergangenen 25 Jahre als Landwirt ausfüllte.
Unter den Gästen befanden sich unter anderem Piergiorgio Betella, der die Marke Pinasco heute besitzt, sowie Gabriele Cagni, dessen CC-Corsa-Produkte in der Wideframe-Szene motorseitig Maßstäbe setzen. Viele erwarten in absehbarer Zeit einen GS-150-Rennzylinder von Gabriele, und diese Erwartungen erfüllte er, indem er seine eigene persönliche „Gi-Esse“ mitbrachte. Am späteren Nachmittag wurde das Fahrzeug unüberhörbar getestet, und der Testfahrer verstand es, die Vespa überwiegend mit dem Vorderrad in der Luft zu bewegen …
Auch FALC-Gründer Lauro Caforio fand sich noch ein. Nach dem mittäglichen Aperitivo mit frisch aufgeschnittener Salami, Schinken, Brot und Wein fiel jegliche Anspannung ab. In Ruhe tauschten sich die anwesenden Gäste bis zum Ende aus. Als die Sonne bereits tiefer stand, wurde abgebaut und aufgeräumt, und man verabschiedete sich.
SIP Scootershop bedankt sich für die Einladung und die Gastfreundschaft bei allen Beteiligten, insbesondere bei Gegio Innocente und seinem Online-Magazin „scooterismo.it“, der die Moderation der Veranstaltung übernahm.
Arrivederci, alla prossima!
Über das Buch
Im Jahr 1956 hatte Piaggio bereits 1 Million Vespas produziert. Jede von ihnen war ein „Wideframe“, so genannt wegen der vom Motorgehäuse getrennten Schwinge. Dieses Konstruktionsschema wurde bis in die 1960er Jahre mit den verschiedenen Versionen der GS150 beibehalten. Zusätzlich zu den in Italien produzierten Modellen unterhielt Piaggio mehrere lizenzierte Produktionsstätten in ganz Europa, in denen jeweils lokale Versionen der Vespa hergestellt wurden.
Viele dieser Motorroller haben überlebt, werden aber nicht mehr regelmäßig benutzt. Sehr oft wegen bekannter Probleme mit dem Startmechanismus oder wegen schlechter, nicht zeitgemäßer Leistungen.
Das hat sich nun geändert: Mit dem Buch „The Complete Spanner’s Manual – Vespa Wideframe Engines“ kann gelernt werden, wie man diese alten Vespas repariert und aufrüstet, damit sie wieder auf Asphalt fahren können – ihrem natürlichen Lebensraum.
Das „Manuale d'Officina Completo Lambretta“ hat sich über 35.000-mal verkauft und wurde in vier Auflagen aktualisiert, von denen eine in italienischer Sprache vorliegt.
Dies ist der erste Band, der den Vespa Wideframe 125 und 150 ccm Motoren gewidmet ist und Schritt für Schritt ins Thema einführt.
Zusätzlich zu den von Piaggio hergestellten Modellen werden auch frühe ACMA-, Hoffmann-, Messerschmitt-, MotoVespa-, M.I.S.A.- und sogar russische Vjatka-Motoren erklärt.
Die Zusammenstellung des Buchs hat gut zwei Jahre gedauert, wobei mit Wideframe-Spezialisten vom Kaliber eines Andreas Nagy (Nagy Blechroller), Zini (Gründer von Stoffi's Garage), Ralph Bollag (Bollag Motos), Gabriele Cagni (CC Corsa) und Matthew Philips (Douglas Part Finder) zusammengearbeitet wurde. SIP Scootershop und Scooter Center waren ebenfalls sehr hilfreich.
Das Buch gibt es bei uns natürlich auch weiterhin als Englische Ausgabe.