Blechgefährten: Toskana mit der Vespa
Ein Gastbeitrag von Timo:
Traditionell findet die Blechgefährten-Tour jedes Jahr im Frühjahr statt, und diesmal haben wir die Vespa-World-Days in Pontedera zum Anlass genommen, die Toskana mit der Vespa zu erkunden. Hier ist das einwöchige Tagebuch einer unvergesslichen Reise von Tobias, Felix, Julian, Christian, Nils und Timo.
Die Planung
Vor einigen Monaten fiel die Entscheidung zwischen Schweden und Italien auf das letztgenannte Land, und wir konnten endlich mit der Planung beginnen! Ziemlich früh buchten wir eine Villa in unmittelbarer Nähe zum Veranstaltungsort der Vespa World Days 2024. Uns war klar, dass wir auf Nummer sicher gehen und mit einem Transporter – einem Sprinter, Movano oder Ähnlichem – anreisen würden. Nach einigen Wochen sahen wir uns das erste Mal via Zoom in die Augen: Sechs Vespa-Enthusiasten mit einem gemeinsamen Ziel – die Toskana mit der Vespa zu erkunden und jeden Tag Cappuccino zu genießen. Ein echtes Italien-Klischee im Frühling! Auf geht's.
Tag 1: Sonntag/Montag
An einem Sonntag trafen wir uns, um den gemieteten Opel Morano zu beladen, von dem wir alle nicht überzeugt waren, dass er die Strecke überstehen würde. Spoiler: Er tat es, abgesehen von einem kleinen Glühbirnenwechsel. Zu unserem Gepäck gehörten eine Vespa PX Lusso, eine Vespa GTS 125 und noch eine weitere PX Lusso. Stopp! In letzter Minute entschied Timo, seine PX zu Hause zu lassen und stattdessen seine erst 5 km testweise gefahrene, im Originalzustand befindliche Vespa GS4 mitzunehmen. Eine riskante Entscheidung? Das wird sich noch zeigen. Eine weitere Vespa GS4 von Felix und eine an Julian ausgeliehene Vespa GTR komplettierten unsere Ladung. Mehr als fünf Vespas passten einfach nicht in den Wagen, also musste Christian das Auto wechseln und statt der schicken Limousine auf den Candy umsteigen.
Auf unserer Fahrt gen Süden legten wir einen Zwischenstopp in Landsberg am Lech bei SIP Scootershop ein. Wir buchten eine wirklich tolle und preisgünstige Unterkunft in der Nähe. Einige von uns waren noch nie hier und waren umso beeindruckter, als Jesco uns gastfreundlich den Laden samt Lager und Büros zeigte.
Der Tag, obwohl nasskalt, endete wunderbar, und wir waren froh, dass unsere Verzurrtechnik hielt und die Stimmung in der Gruppe immer besser wurde.
Tag 2: Dienstag
Wir starteten früh, um am Nachmittag in Pontedera anzukommen und noch Zeit zum Vespa fahren zu haben. Eine lange Autofahrt von sieben Stunden stand uns bevor. Wir überquerten den Brenner bei Schnee, doch wie verhext schien die Sonne auf der anderen Seite der Alpen – immer wieder ein Genuss. Der erste italienische Cappuccino wurde an einer Raststätte genossen. Einige unserer Gruppenmitglieder, die noch nie in Italien waren, waren besonders von der Landschaft und der Kultur beeindruckt.
Wir kamen an unserer Unterkunft an und waren sofort von deren Lage und Größe überrascht. Keine Stunde später saßen wir schon auf unseren Vespas. Unser „Navigator“ meinte nur: „Wir fahren zum Platz…“ Nickend setzten wir uns in Bewegung, zielgerichtet, aber ohne genau zu wissen, zu welchem Platz. Timos GS4 wollte noch nicht ganz rund laufen, aber sie rollte. Unser Weg führte uns durch Pisa direkt zum Hotspot: dem Schiefen Turm von Pisa. Natürlich ein Muss auf unserer Tour, also machten wir eine Pause für ein paar Fotos. Nachdenklich fuhren wir weiter, auf der Suche nach einer Pizzeria – gefunden ganz ohne Google Maps oder TripAdvisor. Wir ließen uns in einem schönen Restaurant nieder und genossen unsere erste italienische Pizza. Ein Traum.
Es ging im Dunkeln zurück zur Unterkunft. Hier machte sich das helle Licht der GTS 125 bezahlt. Erschöpft von der Autofahrt, aber dennoch euphorisiert von den Eindrücken, planten wir den nächsten Tag.
Tag 3: Mittwoch
Bevor die Vespa World Days (VWD) offiziell starteten, wollten wir einen Einblick in das Piaggio Museum gewinnen. In Absprache mit den Organisatoren der VWD durften wir im Museum einen kleinen Film drehen und uns frei bewegen. Beeindruckend, welche Vielfalt an Vespas und anderen Fahrzeugen dort ausgestellt ist – definitiv eine Reise wert. Nachdem wir den ersten Regenschauer des Tages unter einer Durchfahrt zusammen mit anderen Vespa-Fahrern abgewartet hatten, zog es uns weiter ans Meer. Am Marina di Pisa erwartete uns strahlender Sonnenschein und einige sehr freundliche Vespaclubs, die entweder ihre Füße ins Mittelmeer tauchen oder einfach nur ein kühles Bier an der Strandbar zischen wollten. Das ist Urlaub pur.
Wir entschieden uns, weiterzufahren. Trotz fortgeschrittener Nachmittagsstunde ließen wir uns eine Empfehlung von Jesco nicht entgehen und besuchten die Stadt Lucca. Wir erreichten sie im Dämmerlicht und es wurde uns klar, dass wir die 30 km zurück zur Unterkunft wieder im Dunkeln fahren mussten. Was wir nicht ahnten, war, dass die nächste Gewitterfront genau in dem Moment hereinbrach, als wir gerade unsere Rechnung bezahlten. So fuhren wir bei 10 Grad, starkem Regen und Dunkelheit im Schein der GTS-Scheinwerfer zurück zur Unterkunft. Aber auch das gehört dazu und bleibt unvergesslich.
Tag 4: Donnerstag
Der Tag begann sonnig, doch pünktlich zur Eröffnung der VWD auf dem Veranstaltungsgelände fing es an, in Strömen zu regnen. Bis dahin hatten wir jedoch bereits eine grandiose Bergtour hinter uns. Wir fuhren nördlich an Lucca vorbei in die Berge und konnten uns anschließend fast bis nach Pontedera hinunterrollen lassen. Die Eindrücke unterwegs waren fantastisch – es fühlte sich fast wie in einem Regenwald an, nur die Häuser und Ortsschilder verrieten, dass wir uns in Italien befanden. Es entstanden tolle Aufnahmen und auch die Offroad-Tour bleibt unvergesslich.
Der Zutritt zum Gelände der VWD gestaltete sich etwas chaotisch. Das uns versprochene Presse-Ticket schien nicht zu existieren, und nur durch unsere Hartnäckigkeit gelang es uns schließlich, die Kontrollen zu passieren und zu filmen – leider im Regen. An diesem Tag konnten wir uns nicht wirklich mit der Veranstaltung anfreunden und hatten bald genug Eindrücke gesammelt. Wir mussten unsere Gruppe teilen, um unsere Vespas nicht allein an einer Tankstelle stehen zu lassen. Schnell wurde uns klar, dass wir fahren wollten. Wir wollten die Toskana weiter erkunden, statt an einem Korso teilzunehmen und unsere Vespas einfach abzustellen, um im Zelt zu sitzen. Also brachen wir auf, genau zwischen zwei Regenfronten, und erreichten trocken unser Zuhause.
Frisch geduscht suchten wir die beste Pizzeria in der Nähe heraus. Nach einem feuchtfröhlichen Abend konnte das Wetter am letzten Fahrtag nur besser werden!
Tag 5: Freitag
Und tatsächlich, der Wetterbericht schien nur für uns gemacht. Strahlender Sonnenschein und angenehme 20 Grad erwarteten uns. Heute war grob „Volterra“ auf dem Programm. Wir stellten Tobis Navi auf „extra kurvig“ und machten uns auf den Weg. Vor uns entfalteten sich unglaubliche Panoramen. Die Hügellandschaft des Hinterlandes war atemberaubend. Wir durchquerten kleine Dörfer, fuhren auf gepflasterten Wegen, flankiert von Zypressen zu beiden Seiten. Wir hielten an, um mit Einheimischen zu sprechen und jeden Aussichtspunkt mitzunehmen, der sich uns bot. Unbeschreibliche Eindrücke, die schwer in Worte zu fassen sind.
In Volterra angekommen, stellten wir fest, dass es etwas überlaufen war und trafen auf den ersten organisierten Vespa-Korso. Nach einem ausgedehnten Mittagessen machten wir uns auf den Heimweg. Durch eine ungeplante Abzweigung landeten wir auf einem Feldweg, und unser Navigator kommentierte: „Da geht’s auch lang!“. Nach zahlreichen Fotos und Videoaufnahmen fuhren wir weiter und trafen am letzten Aussichtspunkt des Tages auf eine nette Gruppe Vespa-FahrerInnen, die uns zum Abendessen begleiteten.
Tag 6: Samstag
Die Gruppe war sich einig: Wir hatten den Höhepunkt unserer Reise erreicht und nach dem alten Sprichwort „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist“, beschlossen wir, unsere Sachen zu packen und uns ab Mittag auf den Heimweg zu machen. Unterwegs erwartete uns noch ein köstliches Abendessen bei Freunden in Innsbruck – ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle. Ebenso möchten wir dem Team von SIP und allen, die wir auf unserer Tour getroffen haben, unseren Dank aussprechen. Wir sind dankbar und ehrfürchtig, ein so wunderbares Fleckchen Erde mit der Vespa erkundet zu haben.