Fahrzeugtyp wählen
Hersteller wählen
Modell wählen

Der Vespa Club Baden Württemberg in Pontedera

Erstellt von Dietrich Limper um 10:23 Uhr am 2. August 2024

Der Vespa Club Baden Württemberg e.V., den wir schon seit einer Weile unterstützen, war in diesem Frühjahr nicht untätig, sondern hat Anfang Mai eine Tour in der Toskana, Italien, unternommen. Daniele Mercante hat uns einen stimmungsvollen Reisebericht und einige Fotos übermittelt, die wir schon alleine deshalb faszinierend finden, weil eine ganze Truppe von SIP Scootershop ebenfalls auf Rollern in der Gegend unterwegs war. Wir bedanken und bei Daniele und dem Club für das tolle Material.

Tag 1 & 2: Vorbereitung und Anreise

Die Koffer sind gepackt, und Rucksack sowie Tasche liegen bereit. Nach einer letzten Stärkung holt mich Claudia ab. Auf dem Weg nach Schwaigern sammeln wir noch Andreas ein.

In der Nähe unseres Clubhauses herrscht bereits buntes Treiben und gute Stimmung. Nach der langen Winterpause freuen wir uns alle, uns wiederzusehen. Wir sind gespannt, aufgeregt und voller Vorfreude auf die kommenden gemeinsamen Tage. Es ist kurz nach 21:00 Uhr, die Sonne ist untergegangen und es wird spürbar kühler, als der Bus endlich kommt. Bevor wir einsteigen können, wird das Gepäck verladen. Der graue Bus verwandelt sich mit unseren Logos und Schriftzügen in einen echten Vespaclub-BW-Fanbus! Für unsere routinierten Profis Alfio und Francesco von PS-Werbestars ist das, trotz Dunkelheit, ein Kinderspiel.

Nach ein paar Worten von Giuseppe, unserem „Presidente“, geht es endlich los. Wie bei jeder Busreise sitzt die Partyfraktion hinten und diejenigen, die es etwas ruhiger mögen, vorne. Auch unser treues Mitglied Hennes, der Dalmatiner von Volker, hat vorne, direkt neben dem Fahrer, seinen eigenen Platz. Wie aufgeregte Kinder auf Klassenfahrt starten wir in die Nacht. Die Stimmung ist ausgelassen, die Musik im Heck spielt laut, es wird gesungen, gelacht, und Ali spielt auf seinen Bongos. Schon jetzt steht fest: Es wird ein wunderschönes Wochenende! Gegen 01:00 Uhr macht sich langsam Müdigkeit breit, die Musik wird leiser und die Party neigt sich dem Ende. Stunde um Stunde fahren wir durch die dunkle Nacht. Auf der anderen Seite des Gotthardt-Tunnels prasselt starker Regen gegen die großen Scheiben unseres Busses.

Pünktlich zum Sonnenaufgang passieren wir die Schweiz und begrüßen endlich „Bella Italia“ – wenn auch nur mit kurzem Sonnenschein. Inzwischen ist es Mittag geworden. Erfreulicherweise sind wir schneller als geplant und können, nach anfänglichen Parkplatzschwierigkeiten, in einem „Centro Commerciale“ gemeinsam essen, uns die Beine vertreten und ein wenig „dolce vita“ genießen. Die kurze, unruhige Nacht zeigt sich zwar in unseren müden Gesichtern, aber keinesfalls in unserer Laune. Nach einer kurzen Ruhepause im Hotel finden sich die Ersten zu einer kleinen Erkundungstour zusammen. Nach über 800 Kilometern Fahrt hält uns auch das schlechte Wetter nicht davon ab.

Die kleinen, alten Gassen führen uns vorbei an alten Wehrtürmen aus Backstein und charakteristischen, mit Blumen geschmückten Arkaden in das malerische Zentrum und schließlich auf die „Piazza dei Caduti“. Diese zauberhafte Piazza bietet nicht nur kulturelles, sondern auch eine typische Bar und Gelateria. Was gibt es Besseres als einen Espresso, Grappa, ein leckeres Gelato und gute Gespräche?

Auf dem Rückweg zu unserem Hotel schlendern wir durch die malerischen Gassen, vorbei an liebevoll gestalteten alten Häusern, handbemalten Sitzbänken, besonderen Briefkästen und bestaunen den außergewöhnlichen Stuck. Um 18:30 Uhr versammeln wir uns müde, aber hungrig in der Lobby unseres kleinen Hotels. Nach den obligatorischen „due minuti“ (zwei Minuten – so bezeichnen wir Italiener eine kurze Wartezeit, die zwischen zwei und 180 Minuten liegt) machen wir uns gemeinsam auf den Weg ins „Senape“. Das kleine, feine und typisch italienische Restaurant haben unsere Vorstände Giuseppe und Vito bereits von Deutschland aus reserviert. Denn 46 hungrige „Vespisti“ können nicht einfach so in ein Restaurant einfallen. Das bedarf schon ein klein wenig Vorbereitung – auf beiden Seiten.

Das Senape ist ein modernes, industriell eingerichtetes Restaurant, das schon einige Auszeichnungen für seine außergewöhnlichen Speisen erhalten hat. Die Erwartungen sind also hoch – und wir werden keinesfalls enttäuscht! Das Essen ist hervorragend. Wir schlemmen uns durch verschiedene Antipasti wie Parmaschinken, Oliven, Burrata und warme, hausgemachte Brote. Eine für mich persönlich ganz besondere kulinarische Erinnerung, die mich noch lange begleiten wird. Auch die Pizza ist ein Genuss! Den ersten Abend lassen wir gemeinsam in der Hotelbar bei guten Gesprächen, Drinks und natürlich einer Runde Kartenspielen ausklingen.

pontedera-3
Ausfahrt mit Baum (links)

Tag 3: Erste Ausfahrt nach Pisa und Livorno

Es ist 07:00 Uhr. Die Wolken haben sich verzogen und der Himmel strahlt in einem schönen Hellblau. Durch die offene Terrassentür unseres Hotelzimmers hören wir das unverkennbare, einzigartige „Knattern“ von Volkers Vespa PX Traveller. Dieser besondere Klang zaubert uns sogleich ein Grinsen ins Gesicht. Es ist der Startschuss für unsere erste Tour durch die Toskana mit unseren eigenen Vespas. Schon beim Frühstück im Hotel sind die Euphorie und Vorfreude aller Club-Mitglieder deutlich spürbar. Nach einem Espresso und reichlich Fachgesprächen treffen wir uns pünktlich – und dieses Mal ohne „due minuti“ – um 09:00 Uhr auf dem Hotelparkplatz. Dort warten schon die abfahrbereiten Vespas auf uns. Das Verlade-Team ist besonders früh aufgestanden, um die teils historischen Raritäten ganz behutsam und mit viel Fingerspitzengefühl vom LKW abzuladen. Wie immer: hochprofessionell. Danke für euren Einsatz!

Doch bevor es auf diese lange Tour gehen kann, müssen noch einige Vespas betankt werden. Ob schon einmal so viele Vespas gleichzeitig an dieser kleinen Tankstelle waren? Wir wissen es nicht. Aber eines wissen wir sicher, und das ist ein Phänomen, das überall auftritt: So viele Vespas erregen Aufmerksamkeit. Viel und vor allem positive Aufmerksamkeit. Als plötzlich eine Spezialeinheit der Polizei bei uns auf dem Parkplatz steht, wundern sich einige Mitglieder. Aber die Polizisten sind unheimlich freundlich und interessiert. Hennes, unser besonderes Mitglied auf vier Pfoten, schleicht sich sofort in deren Herzen und staubt sogar eine Banane zum Abschied ab. Ich persönlich glaube fest, dass wir es Hennes zu verdanken haben, dass wir noch ein Gruppenfoto mit ihnen machen können.

Mittlerweile ist es fast 10:30 Uhr (nach italienischem Maßstab noch völlig pünktlich), als es heißt: Helm auf, Jacke zu und los! Mehr als 40 Vespas sind startklar und knattern langsam Richtung Hauptstraße. Die Vorfreude steigt! Gerade einmal 200 Meter sind wir gekommen, als ein Mitglied heftig mit den Armen wedelt und signalisiert, dass es technische Probleme gibt. Bei diesen alten Schätzchen ist das keine Seltenheit und für uns schon fast normal. Es vergeht keine Ausfahrt ohne Pannen. Aber auch für dieses Problem haben wir eine Lösung: unsere Club-Mechaniker. Sie sind immer dabei und durch ihre Erfahrung einfach unverzichtbar! Die 19 Jahre alte „Vespa-Lady“ ist also in den besten Händen und kann nach einem kurzen Austausch des Benzinschlauchs wieder weiterrollen. Für alle, die sich jetzt fragen, ob wir immer Ersatzteile dabeihaben: Ja. Nicht alles, aber jeder hat etwas dabei und zusammen haben wir eine kleine Sammlung.

Für uns geht es über die Landstraßen, vorbei an schönen Feldern, alten Herrenhäusern, Hügeln und Alleen, in Richtung Pisa. Die malerische Landschaft braust förmlich an uns vorbei. Der Fahrtwind kitzelt und die Sonne strahlt mit uns um die Wette.

Die Toskana ist nicht umsonst weit über die Grenzen hinaus bekannt für ihre wunderschöne Landschaft. Manchmal ist es fast so, als wäre man mitten in einem Gemälde. Die Fahrt könnte ewig so weitergehen und verläuft glücklicherweise ohne weitere Pannen. In Pisa angekommen, parken wir unsere Vespas auf einem kleinen Parkplatz. Die berühmten Sehenswürdigkeiten sind nur einen Katzensprung entfernt. Eine Gasse mit den typischen Souvenirständen weist uns den Weg, vorbei an der historischen Burgmauer, durch einen Torbogen in das mittelalterliche Stadtzentrum. Vor uns öffnet sich ein fast surreales Bild auf die „Piazza del Duomo“. Nicht umsonst wird dieser historische Platz auch „Piazza dei Miracoli“ (Platz der Wunder) genannt. Die imposanten, weißen Gebäude mit dem Baptisterium, der Kathedrale und natürlich dem bekannten „schiefen“ Turm von Pisa zeigen sich im bunten Treiben der vielen Touristen. Ihn mit eigenen Augen zu sehen, ist für uns alle ein ganz besonderes Erlebnis. Ein Gruppenbild ist natürlich Pflicht.

Auch wenn wir alle gerne noch ein wenig bleiben würden, ist unser Zeitplan recht knapp, und so geht es für uns weiter in ein lokales Café, zu einem Spuntino (ital. für einen kleinen Snack), und schließlich zurück zu unseren (meist) zuverlässigen zweirädrigen Gefährten. Ein Motor nach dem anderen startet, der Klang hallt zwischen den alten Gebäuden und der typische Geruch von Zweitaktgemisch liegt in der Luft – das weckt bei vielen Kindheitserinnerungen!

Unsere Tour führt uns weiter zur Marina di Pisa, und auch dort sind die Menschen fasziniert von unserem „Vespenschwarm“. Sie winken uns zu, lächeln und begrüßen uns freundlich. Auch das eine oder andere Gespräch entsteht. Wir halten in einer kleinen Sackgasse direkt am Meer an. Der Ausblick ist einfach fantastisch – ein wahrlich ganz besonderer Ort! Wir genießen den schönen Blick auf das Meer, die kleinen Fischerhäuschen, die mitten in den Wellen stehen, und die riesigen Felsen. Während wir den Anglern zusehen, lassen wir uns die salzige Seeluft um die Nase wehen. Dieses Bild begeistert und fasziniert mich nachhaltig. Es spiegelt für mich ein großes Stück Italien wider.

Weiter geht es nach Livorno, denn dort ist unser nächster Halt geplant. Leider hat eine über 40 Jahre alte Vespa auf dem Weg eine Panne und muss von einem örtlichen Abschleppdienst abtransportiert werden. Ärgerlich, aber manchmal unvermeidbar, wenn man Oldtimer fährt. Unsere gute Laune lassen wir uns davon natürlich nicht verderben. Die Terrazza Mascagni – eine Art Terrasse direkt am Meer – mit ihrem einzigartigen Schachbrettmuster wartet schon auf uns. Ein wirklich außergewöhnlicher Aussichtspunkt. Nach einem kurzen Fotoshooting machen wir uns auf die etwa 35 Kilometer lange Rückfahrt. Unsere wunderschöne Route führt uns durch die malerische, toskanische Hügellandschaft, Serpentinen mit außergewöhnlichen Ausblicken, die auch fahrerisch Spannung bieten. Nach einem kurzen Stopp im Hotel machen wir uns auf den Weg zum gemeinsamen Abendessen in einem nahegelegenen Restaurant. Bei gutem Essen und netten Gesprächen lassen wir den Tag Revue passieren.

pontedera-2
Gruppenbild mit Turm (schief)

Tag 4: Toskana-Tour und Pontedera

Am vierten Tag unserer Reise wartet ein straffes Programm auf uns. Obwohl wir alle deutlich besser geschlafen haben als in der ersten Nacht, steckt uns die bisherige Reise buchstäblich in den Knochen. Mit langsamen, müden Schritten treffen immer mehr Vespisti am Frühstücksbuffet ein. Nach einem reichhaltigen, leckeren Frühstück und einem guten Espresso sind wir startklar. Wir sind bereit und gespannt auf diese besondere Tour. Wir starten nahezu pünktlich und deutlich routinierter als gestern. Das Wetter und der Verkehr sind auf unserer Seite – wir kommen superpünktlich am Platz an, an dem auch die Vespa World Days stattfanden. Noch eine Woche zuvor standen anlässlich dieser Veranstaltung tausende von Vespas an diesem magischen Ort – das Ausmaß lässt sich nur schwer erahnen. Im Vergleich dazu wirkt unsere Gruppe mit rund 50 Vespas fast schon winzig. Zwischenzeitlich haben sich uns auch unsere LKW-Fahrerin und die Fahrer der „havarierten“ Fahrzeuge angeschlossen. Sie leihen sich spontan bei einem lokalen Vermieter zwei Vespas Primavera.

Unsere Guides Luca und Cristiano sind von der Vielfalt und Vielzahl unserer bunt gemischten Gruppe sichtlich beeindruckt. Nach einer herzlichen Begrüßung und einer kurzen Vorstellungsrunde nimmt uns Luca, unser Tourguide, mit auf eine Zeitreise durch die Geschichte von Pontedera. Er erzählt vom Einfluss des Zweiten Weltkrieges, der Nachkriegszeit, dem unglaublichen Zusammenhalt der Menschen und der Hilfe, die die Familie Piaggio beim Wiederaufbau der Hallen erhielt. Bis hin zum Umdenken und dem Wandel von einer Fabrik für Flugzeuge zu einer neuen Generation der Fortbewegung. Eine neue Idee mit einer festen Vorstellung entstand. Auch Lucas Vater war langjähriger Mitarbeiter der Firma Piaggio und genoss dadurch viele Vorteile. Denn der Erfinder der Vespa hatte bereits in der Nachkriegszeit eine Art „Corporate Benefit System“ für seine Mitarbeiter eingeführt – und war damit allen weit voraus!

Auch an Piaggio hat der wirtschaftliche Wandel seine Spuren hinterlassen, und so sind heute nur noch rund 2.000 Mitarbeiter in Pontedera beschäftigt – zu Hochzeiten waren es 12.000. Die Produktion wurde, wie bei vielen anderen Firmen, vor langer Zeit ins Ausland verlagert. Wir alle könnten Lucas Geschichten (quasi aus erster Hand) noch ewig lauschen. Es ist spannend und faszinierend, ein weiteres Puzzleteil dieser besonderen Fahrzeuge zu ergründen. Für all unsere nicht italienisch sprechenden Mitglieder übersetzt unser Presidente Giuseppe praktisch in Echtzeit.

Der nächste Stopp ist die Geburtsstätte von Andrea Bocelli – dem berühmten, blinden Opernsänger. Er hat in seinem Heimatdorf Lajatico ein Amphitheater – das „Teatro del Silenzio“ (ital. „Stilles Theater“) – für Konzerte mit bis zu 8.000 Zuschauern gebaut. Bereits vom Parkplatz aus hat man einen wunderbaren Blick auf das Teatro und das Tal. Es ist eine absolut besondere Kulisse, die mit Hintergrundmusik dieses außergewöhnlichen Sängers untermauert wird. Als wir uns nach und nach wieder auf unsere Vespas schwingen, stellt Sandro fest, dass seine Vespa nicht anspringen will. Glücklicherweise liegt das Teatro auf einem Hügel und kann so bestens Starthilfe leisten – mit Erfolg rollt er den steilen Weg hinunter und fährt mit Hilfe des Motors dann wieder selbstständig hoch! Unsere Tour führt uns nun nach Peccioli – ein von Kunst geprägter Ort, etwa 35 Kilometer von Florenz entfernt. Der kurze Aufenthalt reicht für ein leckeres Eis und ein typisches Panino con Prosciutto (ital. Brötchen mit Schinken).

Weiter geht es über Bergkämme, entlang an Tälern, über passähnliche Straßen und durch Haarnadelkurven. Obwohl sich die Schönheit der Toskana in all ihren Facetten zeigt und wir bereits wunderbare Orte gesehen haben, kribbeln unsere Finger und die Aufregung steigt. Denn unser nächster Halt ist endlich das Piaggio Museum. Wir können es wirklich kaum abwarten! Denn das ist nicht irgendein Ort, sondern DER Ort, DIE Geburtsstätte unserer so sehr geliebten Vespa! Man kann praktisch in jeder Gasse und Straße von Pontedera die enge Verbundenheit der Stadt zur Vespa sehen und spüren. Überall in der Ortschaft sind kleine, versteckte Hinweise – fast wie bei einer Schnitzeljagd. Für all diejenigen, die die Hinweise nicht erkennen, gibt es Wegweiser, die direkt zum Museum führen.

Endlich – nach so langer Zeit des Wartens, der Vorfreude, Vorbereitung und Planung – stehen wir vor der (verschlossenen) Schranke der Werkseinfahrt mit Blick auf den imposanten Innenhof und den Eingang des Piaggio Museums. Wie ein Tresor öffnet sich die Schranke. Langsam und voller Ehrfurcht rollt eine Vespa nach der anderen in den Innenhof. Anders, als erwartet steht dort keine Vespa, sondern ein Flugzeug und ein Zug. Doch plötzlich, aus dem Nichts, kommt uns eine ganz besondere Vespa entgegen. Eine Vespa Supersprint – für viele Liebhaber der absolute heilige Gral! Sie ist äußerst selten und sehr wertvoll – eine richtige Legende! Der Fahrer dieser roten Schönheit, Giorgio Keller, ist Mitglied des Vespa-Clubs Pontedera. Sein Vater hat diese Vespa damals neu gekauft, somit befindet sich diese Seltenheit seit jeher in seinem Familienbesitz! Wirklich beeindruckend!

Der Vespa-Club Pontedera hat seinen Hauptsitz natürlich direkt neben dem Piaggio Museum. Und wie das unter den vielen verschiedenen Vespa-Clubs so üblich ist, werden Banner und Telefonnummern ausgetauscht. Ihr wisst sicher, was dann folgt … richtig, das obligatorische Gruppenfoto!

pontedera-1
Gruppenbild mit Roller (gelb)

Aber dann geht es endlich los. Auf ins Museum! Im Eingangsbereich erwarten uns schon die ersten Vespas. Eine moderne Primavera mit Beiwagen steht neben einer alten, noch vollständig originalen Vespa – ebenfalls mit Beiwagen. So viele Gemeinsamkeiten und doch so unterschiedlich. Die Moderne trifft auf die Historik. Doch bevor es endlich in die Ausstellung geht, werden wir herzlich empfangen und über den Aufbau der Ausstellungen informiert. Denn Piaggio steht schon lange nicht einfach nur für die Marke Vespa, sondern mittlerweile auch für einige andere Marken wie Gilera, Moto Guzzi und natürlich Aprilia.

Es fühlt sich stellenweise an, als wären wir auf einer Zeitreise. Die Ausstellungsräume mit ihren wertvollen Exponaten zeigen uns unglaubliche Details. Unter den Ausstellungsstücken befinden sich teils aufwendig restaurierte oder komplett original erhaltene Fahrzeuge. Das sind die Momente, in denen erwachsene Männer zu kleinen Jungs werden und die Schönheit der Details durch ihre Herzen sehen. Neben den Fahrzeugen sind auch Drucke der damaligen Werbung ausgestellt, zum Beispiel eine Vespa im Disney-Design. Das hat noch keiner von uns zuvor gesehen! Wir könnten vermutlich noch Stunden, gar Tage dort verbringen, so viel gibt es zu entdecken. Als Erinnerung kaufen einige Mitglieder Magnete, T-Shirts und kleine Modelle ihrer Vespa oder jener, die sie vielleicht irgendwann einmal haben möchten. Doch leider geht auch ein solch schöner Tag einmal zu Ende. Zum Abschied machen wir noch die letzten Bilder mit Kamera und Handy, um dann die Heimreise in Richtung Hotel anzutreten.

Während sich die meisten Mitglieder direkt auf den Weg zum Hotel machen, um ihre Vespa zu verladen und ihre Koffer zu packen, macht sich ein kleiner Teil auf die Suche nach der berühmten „Villa Piaggio“. Auf der Suche nach diesem Anwesen müssen wir einige Hürden überwinden und viele Umwege fahren. Die Villa liegt so versteckt, dass man sie nur schwer oder mit Hilfe der Einheimischen finden kann. Unsere kleine Exkursion endet leider am Eingangstor der Zufahrt. Denn die Villa ist nur zu bestimmten Terminen für Besichtigungen geöffnet. Auch aus der Entfernung sind die Schönheit und Besonderheit dieser Villa sichtbar. Sie wurde auch als Filmkulisse für den italienischen Film zur Geschichte von Piaggio genutzt. Dieser Film ist praktisch wie eine Pflichtlektüre unter begeisterten Vespa Fahrern.

Auf den letzten fünf Kilometern vor unserem Hotel haben wir dann allerdings noch einen unfreiwilligen Zwischenstopp: An Volkers gelbem Gespann (Vespa PX Traveller mit Seitenwagen) reißt der erst kürzlich getauschte Kupplungsseilzug. Der Versuch, den Seilzug „quick and dirty“ zu reparieren, scheitert. So bleiben uns nur zwei Möglichkeiten: Entweder einen Abschleppdienst rufen und uns auf eine lange Wartezeit einstellen oder Volker und Hennes, seinen Dalmatiner, anschieben und hoffen, dass wir an keinem der vielen kommenden Kreisverkehre, Kreuzungen und Ampeln anhalten müssen. Nach kurzem Beratschlagen entscheiden wir uns für Möglichkeit zwei. Denn es wird immer dunkler und auch kühler. Volker legt den zweiten Gang ein und wir schieben die beiden an – mit Erfolg. Doch der Verkehr und die Ampeln zwingen uns anzuhalten, was zum Absterben des Motors führt. So müssen wir Volker zwei weitere Male anschieben, bis wir endlich am Hotel ankommen. Wir schaffen es noch halbwegs pünktlich zum Verladen der Vespas. Zufrieden, müde und hungrig geht es für uns im Hotelrestaurant zum letzten gemeinsamen Abendessen. Diesen letzten Abend feiern wir typisch italienisch mit Livemusik, Gesang einiger Mitglieder und Getrommel von Ali. Am nächsten Morgen werden die letzten Gepäckstücke in unseren Reisebus geladen und wir treten die Heimreise an. Bei diesem viertägigen Trip hat es an nichts gefehlt! Wir hatten alle unglaublich viel Spaß zusammen, waren körperlich erschöpft, aber einfach nur glücklich. Mit Sicherheit lässt sich sagen, dass wir diese Erlebnisse nicht vergessen werden und uns das alles noch enger zusammengeschweißt hat.

Wir alle bedanken uns bei unseren Vorständen, den Organisatoren und unseren vielen Sponsoren von ganzem Herzen! Ohne euch wäre diese Reise nicht möglich gewesen. Grazie con tutto il cuore! (ital. Von Herzen, vielen Dank!)

Text & Fotos: Daniele Mercante

Dietrich Limper

Dietrich Limper arbeitet als Redakteur für SIP Scootershop, außerdem schreibt er für lokale und überregionale Publikationen. Wenn er nicht gerade Geocachen geht, genießt er die Erinnerung an die Deutsche Meisterschaft von Bayer Leverkusen.

×