1989년 별이 빛나는 여름의 스쿠터 보이들
„Angefangen hat alles in London Ende der fünfziger Jahre."
Damals rotteten sich ein paar Jugendliche zusammen, die Roller fuhren, italienische Anzüge trugen und die Musik der Schwarzen hörten: Ska vor allem, den Vorläufer des Reggae, und Soul, der aus Amerika über den Atlantik gekommen war. Mit ihrem Stil und den richtigen Pillen hebelten sie den stillosen Nachkriegs-Wirtschaftswunder-Alltag aus den Angeln, weil Jugend darin nicht stattfand und Leben etwas anderes war als Spaß daran. »Mods« hießen die Jugendlichen und waren Englands erste eigene Jugendkultur. Mitte der 60er ging »Mods« nicht mehr: Der Stil war zur arroganten Attitüde geworden, und die Pharma-Industrie hatte die Rezeptur der Pillen geändert. Viele Mods schnitten sich die Haare kurz, nannten sich Skinheads, hörten weiter schwarze Musik und kämpften gegen Apartheid und die Unterdrückung der Schwarzen in England. Von ihnen spalteten sich später die Oi-Skins und von denen die Fascho-Skins ab. 1979 bescherte der Film »Quadrophenia« ganz Europa eine zweite Mods-Welle. Die Kids liefen wieder in den Konfirmations-Anzügen ihrer Väter herum und schraubten zentnerweise Spiegel und Chrom an ihre Roller, daß die Kisten bei Gegenwind kaum noch vom Fleck kamen. Dann entdeckten die Wohlstands-Popper den Roller. Teile der Mods packten deshalb die Anzüge wieder in den Schrank, rasierten sich die Haare und speckten den Roller ab, daß nur noch der Rahmen übrigblieb. »Scooter-Boys« nannten sie sich und sind heute die größte Gruppe in der Rollerszene: ungefähr 2.000 Mann stark in Deutschland, plus ein paar unerschrockene Frauen.“
Für gewöhnlich leben sie mit den Mods und den Skins friedlich zusammen. Besuchen die gleichen Treffen, tanzen nach der gleichen Musik und haben mit den gleichen Vorurteilen zu kämpfen. Für Presse und Polizei sind sie alle Chaoten, die ganz am rechten Rand der Gesellschaft vegetieren: dumpfe Vandalen, die bevorzugt Kneipen zerdeppern und Gäste zu Brei hauen. Dabei ist die Gleichung »Glatze gleich Gauleiter« so präzise wie »Krawatte gleich Kapitalverbrecher«.
Markus Broix hat die Zusammenhänge in einer Jugendzeitschrift einmal erklärt: daß Spaß das Wichtigste im Leben ist, daß danach der Roller kommt und irgendwann auch die Freundin. Und daß die politische Einstellung so unwichtig wie vielfältig ist. Noch unwichtiger als die Biermarke, mit denen sie sich manchmal den Kopf vernebeln. Nur wenige seien gegen Ausländer und für Randale und hätten einen Baseball-Schläger im Keller. Und die hätten nichts kapiert im Leben. Besonders der letzte Satz muß den Skin in der Altstadt geärgert haben. Markus selbst ist ein Scooter-Boy. Und ein harter dazu: drei Wochen nach dem Überfall sitzt er wieder auf seinem Roller. Heizt mit seinen Freunden durch den Schlamm oder fährt Rennen gegen GTI-Fahrer und Allrad-Enthusiasten und wer sonst noch zu ihren Feinden zählt. Manchmal fahren sie auch Spalier für hohe Staatsgäste, ohne Helm. Mit erigiertem Mittelfinger, weil die Polizei den Politikern dabei nicht von der Seite weichen darf und völlig hilflos ist. Oder sie dröhnen in die Stadt zu McDonald's, nicht weil dort die Pommes billig sind, sondern weil McDonald's Jungs wie Markus gerade noch duldet. In vielen anderen Restaurants haben sie Hausverbot.
스쿠터 소년들은 인류를 위협하는 존재가 아닙니다. 1960년대의 개조족처럼 그들은 거대한 항의와 작은 탈출, 의미와 진실에 대한 탐색 등 항상 청춘의 일부였던 모든 것이 유행으로 거세되어 청춘이 존재하지 않는 사회와 마주하고 있을 뿐입니다. 어른들의 세계를 도발하고 악취 폭탄을 던지는 즐거움. 오늘날에는 파시즘에 대한 유혹을 제외하고는 더 이상 도발적인 것은 없습니다. 이것이 일부 사람들이 나치 시대의 상징을 가지고 게임을 하는 이유일 수 있습니다. 실제로 스쿠터 소년은 안전한 미래, 온전한 부모의 집, 십대용 가구가 있는 침실을 가진 젊은이로서 부르주아적인 핵심을 지니고 있습니다. 마르쿠스는 침대 위에 가시가 돋은 가지에 작은 잎이 네 개 달린 죽어가는 등산용 식물 한 그루, TV 위에는 도일리, 도일리 위에는 짚꽃 한 다발이 놓여 있습니다. "도일리와 짚꽃은 어머니에게 양보한 것입니다."라고 그는 말합니다. "제가 평소에 하는 일에 대한 보상이죠." 하지만 그의 삶은 특별히 흥미진진하지 않습니다. 임시직에서 다음 임시직으로 옮겨 다니며 패션 회사의 군용 벨트에 기름칠을 하거나 백화점 송장을 작성하거나 뒤셀도르프의 혼잡한 거리에서 소형 트럭으로 자신을 고문할 뿐입니다. 모두 지랄 같은 일이죠. 그는 아무 말도 못하고 돈 버는 것 외에는 인생의 계획이 없는 바보들 앞에서 눈치를 봐야 합니다. "마르쿠스는 "삶은 임금 노동이고 임금 노동은 노예"라고 생각합니다. 그래서 제가 A레벨을 받은 게 아니죠."
"마르쿠스는 "하지만 그들은 레이싱 배기와 순정 부품의 차이를 구분하지 못하며, 더 큰 기화기를 간과하기도 한다"고 말합니다. 그들은 또한 스스로 당황하는 것을 두려워합니다. 거만하게 스쿠터에 대해 복잡한 말을 하면 됩니다. 그러면 바로 다시 타게 해줄 거예요."
때때로 그는 모퉁이에 있는 주유소에서 일하기도 했습니다. 시간당 10센트에요. 또는 친구들의 스쿠터를 조금 더 빠르게 만들어주기도 했습니다. 작은 기부를 위해. 마르쿠스는 도움이 되는 사람이고 재능 있는 땜장이이기 때문에 이 분야에서 명성이 자자합니다. 손보지 않은 스쿠터는 스쿠터 보이즈에게 스쿠터가 아닙니다. 그들은 세 가지 변종으로 구분합니다. 빠르고 보기에도 좋은 '레이스 스쿠터', 불필요해 보이는 모든 것을 잘라낸 '컷다운 스쿠터', TÜV가 허용하지 않는 모든 것을 허용하는 '커스텀 스쿠터'가 그것입니다. 초퍼 포크, 오토바이 탱크. 전방 장착 발 받침대. 금도금 브레이크 디스크 등. 그는 자신이 컷 다운을 가지고 있습니다. 지루한 모터, 낮은 벤치, 영국 튜닝 전문가의 배기 시스템을 갖춘 검은 색 람브레타 그랑프리. 그는 140km/h의 속도에 도달할 수 있으며 신호등에서 어떤 골프 GTI도 쉽게 앞지를 수 있습니다. 불행히도 경찰은 그런 발사체를 좋아하지 않습니다. "마르쿠스는 "그들은 레이싱 배기와 순정 부품의 차이를 구분하지 못하며, 더 큰 기화기도 간과한다"고 말합니다. 그들은 또한 스스로 당황하는 것을 두려워합니다. 거만하게 스쿠터에 대해 복잡한 말을 하면 됩니다. 그러면 바로 다시 타게 해줄 겁니다." 하지만 스쿠터 소년들의 스쿠터 중 일부는 MOT를 통과하지 못하기도 합니다. 이런 경우 차고에 번호판을 그대로 사용하는 동일한 모델이 있는 경우가 많습니다. 마르쿠스는 영국 번호판을 달고 탑니다. 이것은 경찰과 MOT가 어쨌든 그를 건드릴 수 없다는 이점이 있습니다. 그리고 영국에서는 바비가 느슨하고 스쿠터에는 경적, 작동하는 브레이크, 빛만 있으면 됩니다. "영국에서는 스쿠터에 너무 거친 것을 달면 집으로 돌려보내는 것이 전부입니다."라고 마르쿠스는 말합니다. 이런 이유만으로도 마르쿠스는 영국에 제2의 집이 있습니다.
England ist das gelobte Land der Scooter-Boys. Dort sind die Roller extremer und die Rollerfahrer auch. Und die Treffen sind dreimal so groß und gleichen eher dem ungeordneten Aufmarsch einer Armee. Das bedeutendste Treffen dieser Art findet jedes Jahr in Morecambe statt. Das ist ein heruntergekommenes Seebad, fünfzig Meilen nördlich von Liverpool, ein Städtchen, das im Sterben liegt und den Todeskampf mit Las-Vegas-Spielhallen und kilometerlangen Lichterketten etwas verlängert. Ein geliftetes, grell gefärbtes Stück Abfall, das durch die Schminke nur noch billiger wirkt.
Rentner machen hier Urlaub die sich nichts anderes leisten können. Und Scooter-Boys die sich nichts anderes leisten wollen. Weil sie so sind wie dieser Ort: das verdreckte und vergessene Hinterteil Englands. Schattenseite des Thatcherismus. »In England müssen die Scooter-Boys die Preise von Unterlegscheiben vergleichen so wenig Geld haben sie« sagt Markus. 6000 Scooter-Boys sind diesmal nach Morecambe gekommen. Quetschen ihre Zelte auf den Parkplatz hinter der Promenade zwischen Bahnhof und Vergnügungspark und machen das, was ihre Kollegen in Deutschland auch machen: eigentlich nichts. Aber das tun sie exzessiv. Ohne Ordnung und ohne zu schlafen: dröhnen mit den Vespas und Lambrettas durch den Ort, bis ganz Morecambe in einer blauen Zweitakt Wolke erstickt. Liegen in den Vorgärten und trinken Dosenbier oder laufen in Rudeln über die Promenade, mit raumgreifendem Schritt und wiegendem Oberkörper. Als hätten sie gerade einen Großauftrag übernommen: Morecambe leersaufen oder Maggie Thatcher stürzen oder so. Jeder Scooter-Boy hat diesen Gang, weil jeder diese Springerstiefel trägt und weil die Schuhe keinen anderen Gang erlauben. Nur die Farben der Schnürsenkel sind unterschiedlich: Die Rechten haben rote, die ganz Rechten haben weiße, und die Linken haben schwarze. Und die Sympathisanten der IRA tragen gelbe. Auch in England sind die Unterschiede minimal, aber optisch wenigstens greifbar. Dort sind die Positionen extremer, und trotzdem leben alle friedlich zusammen. Keine einzige Schlägerei in Morecambe, keine einzige Festnahme, bei den Scooter-Boys entscheidet die Gesinnung nicht mehr. Politik hat ausgedient in der Szene - und daran kann auch eine Messerstecherei in Düsseldorf nichts ändern.
Text Christoph Scheuring mit Fotos von Gerald Hänel und Udo Thomäs (Garp)
