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Modern Vespa Modellkunde

Stworzony przez Dietrich Limper o 11:09 w dniu 21 września 2021

In unseren drei vorherigen Blogbeiträgen zur Vespa Modellkunde haben wir erklärt, wie die Idee zur Vespa entstand und was die Vespa-Modelle Wideframe, Largeframe und Smallframe ausmacht. Im vierten und letzten Teil unserer Serie beschäftigen wir uns nun mit der Modern Vespa und der damit kurzzeitig verbundenen Krise des Herstellers Anfang der 90er-Jahre. Dabei klären wir auch folgende Fragen: Wie entstand die Modern Vespa Reihe? Was macht diese Modelle so besonders? Und welche Änderungen gab es innerhalb der Modern Vespa Reihe?

Modern Vespa Smallframes, Vespa Sprint (links) und Vespa Primavera

Wie entstand die Modern Vespa Baureihe?

Mit der Modern Vespa Baureihe gelang Piaggio ein großer Wurf. Bereits seit der Veröffentlichung des ersten Modells im Jahr 1996 dominierte diese Baureihe in vielen Ländern der Erde die Zulassungsstatistiken – und das bis heute. Doch wie entstand diese Modellreihe eigentlich?

Zu Beginn der 90er-Jahre schlich sich in puncto Ideenvielfalt ein gewisser Stillstand beim italienischen Traditionshersteller ein: Neue Ideen suchte man als Vespa-Fan vergebens. Hinzu kam, dass die PX- und PK-Modellpaletten ihren Höhepunkt Mitte der 90er bereits überschritten hatten. Nicht nur das sollte dem Hersteller Kopfzerbrechen bereiten, denn auch die neu herausgebrachte Vespa Cosa bekam nicht den erhofften Zuspruch. Als wäre das nicht schon schlimm genug gewesen, drängten gleichzeitig auch noch japanische Hersteller wie Honda mit innovativen Konzepten auf den Markt. Die Zukunft des italienischen Traditionsherstellers sah nicht rosig aus.

Doch statt in Panik zu verfallen, besann sich Piaggio im beschaulichen Pontedera, dem Heimatort des Herstellers, auf seine Stärken und hauchte dem Mythos der Kultmarke mit der Vespa ET(2) und der Vespa ET4 neues Leben ein. Beide Modelle setzten auf das erste Konzept aus dem Jahre 1946: Selbsttragende Stahlblechkarosserie, kleine Reifen für hohe Wendigkeit und eine Einarmschwinge vorne waren designtechnisch unverkennbar der Ur-Vespa entnommen und mit modernster Technik kombiniert. Nicht nur, dass sich der Hersteller dank der Modern Vespa von seinem Tief wieder erholen konnte, auch den Kult der Marke – vom reinen Fortbewegungsmittel bis hin zu einem Lifestyleprodukt – entfachte es stärker als je zuvor. So sehr, dass auch Märkte in Asien, Amerika und Australien im Sturm erobert und neue Fans des trendigen Gefährts weltweit hinzugewonnen werden konnten. Dieser Siegeszug hält auch mit seinen Nachfolgemodellen und Generationen bis heute an.

Was sind die wichtigsten Merkmale der Modern Vespa?

In der rund 25-jährigen Geschichte der Modern Vespa Reihe gab es selbstverständlich immer wieder Detailänderungen und neue Modelle. Was alle Vespa Roller der Generation jedoch grundlegend gemeinsam haben, ist die Kombination aus Automatikgetriebe und dem selbsttragenden Karosserierahmen. Als weiteres Merkmal ist die Unterbringung des Motors: Denn während sich bei klassischen Modellen der Antrieb auf der rechten Seite befindet, ist dieser bei der Modern Vespa-Reihe nun auf der linken Seite verbaut. Auch im Frontbereich wurde – mit der nun spiegelverkehrt angesetzten Lenksäule – eine Überarbeitung vorgenommen, sodass die Räder nun, statt wie zuvor von rechts wie bei den klassischen Modellen, an der gegenüberliegenden linken Seite angebracht werden. Auch die Proportionen insgesamt sind im Vergleich zur klassischen Vespa umfangreicher geworden, wobei es mit „small“ und „large“ zwei grundlegende Rahmenformen gibt. Ein Sondermodell ist die im Folgenden aufgeführte Vespa Elettrica, die erstmalig auf ein Konzept mit Elektroantrieb setzt, jedoch aufgrund ihrer zukunftsweisenden Technologie einen Platz unter den wichtigsten Modern Vespa Modellen verdient hat.

Motor Vespa GTS 300

Was gibt es für Modern Vespa Modelle und welche sind die wichtigsten?

Vespa ET bzw. ET2 und Vespa ET4
Wie schon erwähnt, begründete der Hersteller Piaggio im Jahr 1996 mit der technisch fortschrittlichen Vespa ET die Geschichte der Modern Vespa-Reihe, die auf das Konzept der Ur-Vespa setzte. Unter der Haube befand sich ein luftgekühlter 50 ccm Zweitaktmotor und kam als Vespa ET2 auf den Markt. Ein Jahr später wurde eine Version des 50 ccm Motors mit Einspritzung veröffentlicht.

Fast im selben Zeitraum kam mit der Vespa ET4 ein leistungsstarker Viertakter mit 125 ccm und 150 ccm auf den Markt. Von den 125er ET4-Modellen gab es übrigens zwei unterschiedliche Motorrevisionen, den „ET4 Alt Motor“ mit der Rahmennummer M04 und die ZPC19-Version. Wer sich unsicher ist, für den gibt es folgenden Trick: Wenn ein Ölschauglas an der Motorseite befestigt wurde, handelt es sich um die alte Version, wenn nicht – um die Neue. Fast alle Modelle wurden auch als „Touring-Edition“ mit verchromten Gepäckträgern sowie einem Flyscreen angeboten. Kleiner Funfact am Rande: Im asiatischen Raum wurde die Vespa ET4 in ET8 umbenannt, da die Zahl 4 Unglück bringen soll.

Vespa GT, Vespa GTS 250 i.e., Vespa GTS 300 i.e. Super/Super Sport und Vespa GTS 125 i.e. Super/ Super Sport
Aufgrund des großen Erfolgs der Vespa ET Modelle erschienen im Jahr 2003 die GT-Modelle (Gran Tourismo) in der 125 ccm und 200 ccm Ausführung. Sie bestachen durch ihre hohe Alltagstauglichkeit, die modernen L.E.A.D.E.R.-Motoren und der serienmäßig angebrachten Gepäckbrücke sowie dem rundlichen Rücklicht. Nur zwei Jahre später bekam die GT mit der Vespa GTS 250 i.e. ein Update spendiert. Unter der Haube bekam dieses einen neuen Q.A.S.A.R. Motor (Quarter Liter Smooth Augmented Range) verpasst. Auch ein Facelift wurde vorgenommen: Schlitze an der rechten Seitenhaube, ein herausstehendes Rücklicht, ein zweites Standlicht und weitere Modifikationen gaben dem Modell ein frischeres Aussehen.

2008 und 2009 folgte mit den Super/Sport-Modellen die nächste Generation der Reihe. Die GTS 300 war mit 278 ccm Hubraum und 21 PS das Topmodell und bot abgedunkelte Scheinwerfer, analoge Armaturen sowie eine Sitzbank mit weißem Keder. Die Super Sport war matt lackiert, hatte schwarze Felgen, Stoßdämpferfedern in roter Farbe und eine Sportsitzbank. Ein Jahr darauf folgte das 125er-Modell. Dieses war mit der 300er-Version optisch identisch, jedoch mit einem kleineren Motor für Leichtkraftroller ausgestattet.

Vespa LX, Vespa LXV, Vespa GTV und Vespa GT60
Im Jahr 2004/2005 wurde die sehr erfolgreiche ET-Serie von der LX-Reihe abgelöst. Erstmalig 11-Zoll-Reifen vorne und moderne Zwei- bzw. Vierventil Viertaktmotoren mit 50 ccm, 125 ccm und 150 ccm ließen performancemäßig kaum Wünsche offen. Ab 2012 wurde sogar der Dreiventil-Motor (L.E.M. = Low EMission) nach Euro3-Norm verbaut, was auch optisch am eckigen Kaskadeneinsatz erkennbar ist. Übrigens: Die LX ist im asiatischen Raum das beliebteste Vespa-Modell – und oft auch das einzig verfügbare.

Pünktlich zum 60-jährigen Jubiläum erschien im Jahr 2006 außerdem die Vespa LXV (LX steht im römischen Zahlensystem für 60 und V für Vintage). Das Sondermodell war an die Schwingsattelmodelle der 60er-Jahre angelehnt. Dabei war der Fußraum der 50er Versionen – im Gegensatz zu den 125er-Modellen – nicht durchlackiert.

Mit der Vespa GTV erschien noch ein Sondermodell zum runden Jubiläum. Dieses basierte auf der Vespa i.e. und hatte wie in den 40er-Jahren den Scheinwerfer auf dem Kotflügel angebracht. Außerdem bot das Jubiläumsmodell Einzelsitze mit Lederbezug. Etwas später brachte Piaggio eine dazugehörige 300er Version sowie die „Vespa GTV 300 i.e. Via Montenapoleone“ und die „Vespa GTV 300 i.e. Vie della Moda“ in den Handel, die nach den Prachtstraßen Mailands benannt wurden.

Mit der Vespa GT60 erschien übrigens eine exklusive Ausführung der GTV, die auf 999 Stück limitiert und im Grau des ersten Vespa-Prototypen (Farbcode 786/A) nur bei ausgewählten Händlern erhältlich war. Eine Sitzbank aus Echtleder, verchromte Felgen sowie eine Plakette mit dem Namen des Erstkäufers waren nur einige der vielen kleinen und exklusiven Details des Modells. Wer dieses Schmuckstück einmal hautnah erleben möchte, findet dieses bei uns im SIP Scootershop in Landsberg am Lech. Dort ist die Nummer 873 der Vespa GT60 ausgestellt.

Vespa S
Ebenfalls im Jahr 2006 erschien die Vespa S (S für Speciale). Sie sollte eine Hommage an die Vespa 50 Spezial der 70er und 80er-Jahre sein. Sie bestach durch optische Details wie dem eckigen Scheinwerfer statt einem runden, einer Sportsitzbank und Retro-Armaturenbrett. Ansonsten waren Motor und Technik der Vespa LX-Baureihe entnommen. Im Laufe der Zeit brachte Piaggio immer wieder Sondermodelle in unterschiedlichen Ausführungen und wechselnd optischen Feinheiten auf den Markt.

Vespa 946
Bereits im Jahr 2011 stellte Piaggio auf der Motorradmesse EICMA den Prototypen der Vespa 946 (italienisch nuova quarantasei – die neue 46 vor, die jedoch erst 2013 in Produktion ging. Optisch an die erste Vespa MP aus dem Jahre 1946 angelehnt, punktete sie außerdem mit LED-Scheinwerfer, 125 ccm und 150 ccm Dreiventil LEM Motoren und wahlweise einem Antiblockiersystem (ABS).

Digitaler Nachrüst-Tacho von SIP für Vespa Primavera

Vespa Primavera, Vespa Sprint und Vespa Primavera Sprint
Auf der EICMA 2013 (Esposizione Internazionale Ciclo Motociclo e Accessori) als Nachfolger der Vespa LX präsentiert und 2014 veröffentlicht, zeigte die Vespa Primavera einige interessante Neuheiten. So verfügte sie über 11-Zoll-Räder, eine neue Stahlkarosserie, eine etwas kantigere Rahmenform und eine runderneuerte Vorderradschwinge. Motorenseitig standen dem Vespa-Fan Zwei- oder Viertakt Vierventilmotoren mit wahlweise 50 ccm, 125 ccm bzw. 150 ccm zur Auswahl. Außerdem wurde die Vespa Primavera als Touring Modell mit verchromten Klappgepäckträgern sowie einem Flyscreen produziert.

Karosserie, Motor und Fahrwerk sind denen der Primavera Modelle baugleich. Einzig auf Fahrwerksseite unterscheidet sich die 2014 auf den Markt gebrachte Vespa Sprint mit 12-Zoll-Felgen und 14 Speichen von dem Modell. Ebenfalls identisch ist die Motorisierung, die von 50 bis 150 ccm Hubraum reicht. Ein Jahr später erschien die Vespa Sprint auch als Sport Version, deren Look durch eine matte Lackierung, Rally Dekor-Aufkleber, einer abgesteppten Sitzbank und schwarzen Felgen mit silbernem Rand unterstrichen wurde.

Mit der Vespa Primavera/Sprint wurde die Stoßdämpferaufnahme überarbeitet, die sich an der Baureihe der Vespa LX-Modelle orientiert. Auf Motorenseite setzten die 125 ccm / 150 ccm Modelle von nun an auf die neuen 3V iGet Euro4 Antriebe mit Start-Stopp-Automatik. Ansonsten wurden alle Rahmendetails des Vorgängermodells übernommen. Optisch setzt Piaggio bei der 2017er Vespa Primavera/Sprint auf die Farben der Modelle Vespa Special und Primavera aus den 70ern.

Vespa GTS/GTS Super und Vespa GTS 300 HPE
Ende des Jahres 2014 präsentierte Piaggio die neue Modellreihe der Vespa GTS (GTS 300 ccm / GTS Super 125-300 ccm). Unterschiede zum Vorgängermodell sind ein geänderter Tacho mit digitaler Geschwindigkeitsanzeige, LED-Blinker mit Tagfahrlichtfunktion, ein chromumrahmtes Rücklicht, ein größeres Helmfach sowie eine neue Sitzbank. Auf technischer Seite bestand die gravierendste Neuerung in der Vorderradaufhängung, die optional mit ABS/ASR erhältlich war, womit das Fahrwerk verbessertes Handling und mehr Fahrkomfort bot. Die GTS 300 ccm war auch als Touring-Version mit serienmäßig verchromten Klappgepäckträgern sowie einem Flyscreen erhältlich.

Fast fünf Jahre lang hatte sich der italienische Hersteller mit einem Update Zeit gelassen, bis sich Piaggio dazu entschloss, der Reihe ein Update zu spendieren. Mit der Vespa GTS 300 HPE-Version gelang dem Hersteller ein Meilenstein. Die bis dato stärkste Vespa hat 300 ccm Hubraum, 24 PS und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h bei 26 Nm. Doch wie hatte Piaggio das geschafft? Optisch blieb man dem Vorgänger bis auf wenige Details wie einer leicht geänderten Kaskade treu. Jedoch verbaute man in dem Modell neue Zylinderköpfe mit besseren Nockenwellen, die nicht nur leiser sind, sondern auch weniger Abgase produzieren und spritsparender arbeiten. Dieser überarbeitete Antrieb wurde auf den Namen „High Performance Engine”, kurz HPE getauft.

Vespa Elettrica und Vespa Elettrica 70
Unter dem Motto „Elektromobilität mit Stil“ brachte Piaggio im Jahr 2019 erstmalig ein Modell mit Elektroantrieb auf den Markt. Der im klassischen Design gehaltene Elektroroller setzt auf einen Radnabenmotor, einen fest installierten Lithium-Ionen-Akku und App-Anbindung. Mit einer Akkukapazität von 4 kW bei einer Leistung von 3.500 Watt erreicht die Vespa Elettrica eine Reichweite von 76 km im Power-Fahrmodus sowie eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 45 km/h. Zudem punktet das laut Hersteller „Zusammenspiel von Ökologie und Technologie“ mit einer sehr kurzen Ladedauer von knapp vier Stunden und einem großen Staufach unter der Sitzbank.

2021 veröffentlichte Piaggio eine leistungsstärkere Version der Vespa Elettrica mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 70 km/h. Ansonsten sind technische Spezifikationen und Leistungsdaten weitestgehend gleichgeblieben. Mit einem großen Farbdisplay im Cockpit, den CBS-Bremsen (Combined Brake System) bei der das Gefährt per Rekuperation verlangsamt wird sowie den drei Fahrmodi Eco, Power und Reverse überzeugt die Vespa Elettrica auch in der neuesten Version.

Dietrich Limper
Dietrich Limper

Dietrich Limper arbeitet als Redakteur für SIP Scootershop, außerdem schreibt er für lokale und überregionale Publikationen. Wenn er nicht gerade Geocachen geht, erträgt er stoisch die betrüblichen Eskapaden von Bayer Leverkusen.