Seleccionar tipo de scooter
Seleccionar fabricante
Seleccionar modelo

Auf der Vespa von Mailand bis Tokio

Creado por Dietrich Limper a las 09:05 el 18 de mayo de 2021

VON MAILAND NACH TOKIO AUF EINER VESPA

Fabio Cofferati wird versuchen, eine historische Reise zu wiederholen, die Roberto Patrignani 1964 zu den Olympischen Spielen in Japan unternahm.

Im Jahr 1964 fanden die XVIII. Olympischen Sommerspiele in Tokio, Japan, statt. Ein Mann verkleidete sich in diesem Jahr als motorisierter Fackelträger und machte sich auf eine ganz besondere Reise: der Italiener Roberto Patrignani. Er fuhr von Mailand aus, auf einer 150 ccm Vespa, in 85 Tagen nach Tokio und legte dabei 13.000 Kilometer zurück. An seinem Ziel überreichte er Daygoro Yasukawa, dem Präsidenten des japanischen Olympischen Komitees, eine Trophäe, die vom Vespa Club d'Europe gestiftet wurde. Ein kleiner Beitrag zur Völkerverständigung zwischen den japanischen und italienischen Nationen. Roberto Patrignani hat diese irdische Welt 2008 verlassen, aber sein Geist steckt noch immer in den Büchern, die er hinterlassen hat: Geschichten von Träumen und Abenteuern, die auch andere Menschen angesteckt haben ...

Einer davon ist Fabio Cofferati, der diese Reise 57 Jahre später erneut antreten möchte. Der 44-jährige Italiener aus Salsomaggiore Terme wird am 13. Juni vom Piaggio-Turm in Mailand starten und auf Patrignanis Spuren fahren. Allerdings muss er die Route erheblich ändern, denn eine Reise durch Irak, Iran und Syrien ist aus geopolitischen Gründen derzeit unmöglich. Er wird wesentlich weiter nördlich fahren, aber dazu später ebenso mehr, wie über die Vespa, die ihn auf diesem Tripp begleiten wird. Ein ähnliches Modell wie es Patrignani 1964 benutzte, verschönert vom Künstler Luca Moretto. Und auch er möchte ein Geschenk des Vespa Club d'Europe an das japanische IOC überreichen.

 

START: PIAGGIO-TURM, CORSO SEMPIONE

SIP: Wie bist du auf die Idee gekommen, eine solche Reise zu planen?

Cofferati: Ich fahre seit meinem dreizehnten Lebensjahr eine Vespa. Mit 21 begann ich, an Rallyes teilzunehmen, wodurch ich der Vespa-Kultur immer verbundener wurde. Mit all den verschiedenen Aspekten, die diese Leidenschaft haben kann: Lesen, Reisen, Filme, Restaurierungen und Memorabilien. Irgendwann fiel mir das Buch von Roberto Patrignani in die Hände, der eine epische Leistung vollbracht hatte. Was mir an Patrignani gefallen hat, ist, dass er kein bloßes Reisetagebuch geschrieben hat, wie es viele tun, sondern in seine Geschichte Gefühle, Emotionen und sogar Momente des Unbehagens hineingepackt hat. Ein Buch, das Sie mitnimmt und zugleich eine Reise in seine Seele ist. Wer träumt nicht davon, eine solches Erlebnis zu machen? Meine Inspiration kommt also durch Patrignanis Mailand-Tokio-Reise von 1964. Ich bin nicht auf der Suche nach Ruhm und Ehre, sondern nach einer inneren Erfahrung. Die eigentliche Initialzündung gab mir der Journalist Valerio Boni, der mich vor ein paar Jahren an die bevorstehenden Olympischen Spiele in Tokio erinnerte und daran, dass es schön wäre, das Kunststück von 1964 zu wiederholen. Damals habe ich dann begonnen, diese Reise zu organisieren.

SIP: Erzähle uns bitte etwas über die Route.

Cofferati: Ich werde am Samstag, den 12. Juni, von meinem Zuhause in Salsomaggiore Terme aus aufbrechen und in kleinen Etappen Mailand erreichen. Am nächsten Tag um Punkt 12.00 Uhr werde ich von demselben Ort abfahren, an dem Roberto Patrignani 1964 startete: vom Piaggio-Turm in Corso Sempione. Von dort aus werde ich Brianza durchqueren, dann geht es entlang des östlichen Teils des Comer Sees. Ich werde in Mandello anhalten, der Stadt, in der Patrignani lebte, und ich werde ein Teilstück zusammen mit seinem Sohn zurücklegen. Er wird die Original-Vespa der ersten Mailand-Tokio-Reise fahren. Von Chiavenna aus werde ich in die Schweiz einreisen und der erste Halt wird in Chur im Kanton Graubünden sein, um den örtlichen Vespa Club zu treffen. In Deutschland möchte ich am 14. Juni mittags bei SIP Scootershop sein. Es folgen Polen, Litauen, Lettland und schließlich werde ich nach Russland einreisen. Ich sollte am fünften Tag der Reise in Moskau sein. In der russischen Hauptstadt treffe ich meine Freunde vom Vespa Club Moskau. Von dort aus komme ich nach weiteren zwei Tagen in Kasan an, wo ich von einem verrückten Mann erwartet werde, der oft mit Öko-Autos um die Welt reist. Ich weiß nicht, ob er mich für einen Teil der Reise begleiten kann, aber auf jeden Fall werde ich in den russischen Fernen Osten eintauchen und ich hoffe, dass ich in drei Wochen in Wladiwostok ankommen werde. Vom Hafen am Pazifik werde ich mich auf eine Fähre nach Japan einschiffen, wo ich zunächst Hiroshima, Osaka und natürlich Tokio besuchen werde. Zusammen mit den Vespa-Fahrern der im Land der aufgehenden Sonne werden wir einige kleine Touren unternehmen und die Orte besuchen, an denen sich Patrignani vor 57 Jahren fotografieren ließ.

SIP: Wie willst du eventuell auftretende Schwierigkeiten lösen?

Cofferati: Natürlich kann man auf einer solchen Reise alles planen, aber es läuft dann doch anders. Mechanische oder gesundheitliche Probleme, Bürokratie, was auch immer – alle Pläne sind schnell hinfällig. Zum Glück kann ich auch improvisieren und werde einige Ersatzteile mitnehmen. Wenn der Schaden nicht irgendwie repariert werden kann, werde ich trotzdem nach Tokio kommen. Was die Gesundheit betrifft, werde ich Medikamente dabeihaben. Ich pauke fleißig einige Phrasen in verschiedenen Sprachen, um nach Hotels oder Informationen fragen zu können.

 

In der Werkstatt von Fabio Cofferati

IMMER WACHSAM, VIELE PAUSEN

SIP: Wer hilft dir bei der Organisation?

Cofferati: Niemand hilft mir, ich habe fast alles selbst gemacht und verzichte auch auf Sponsoren. Ich habe die Vespa zusammengebaut, die Reise geplant und mit einigen Freunden viele Informationen gesammelt. Erwähnen möchte ich Luca Moretto, der das Projekt mit Sympathie und Enthusiasmus begleitet und mir bei der Öffentlichkeitsarbeit hilft, indem er mich mit vielen Verbänden in Kontakt bringt.

SIP: Es ist nicht das erste Mal, dass du dich auf eine Vespa-Ausfahrt wagst. Erzähl uns von deinen bisherigen Reisen.

Cofferati: Seit ich Mitglied im Vespa Club von Piacenza bin, habe ich an vielen Rallyes teilgenommen, bis ich 2003 die italienische Vespa Turismo-Meisterschaft gewonnen habe. Danach habe ich die Messlatte höher gelegt und angefangen, längere und abenteuerlichere Reisen zu unternehmen. Eine der wichtigsten war eine Hochzeitsreise mit meiner Ex-Frau mit einem Vespa-Seitenwagen: Wir fuhren von Salsomaggiore los und durchquerten ganz Frankreich, um uns dann einzuschiffen und nach Irland und England weiterzufahren. Auf dieser Reise hatte ich ein technisches Problem, das mich dazu zwang, das Fahrzeug aufzugeben, um es Jahre später zu bergen. Eine weitere wichtige Reise war die im Sommer 2016: in 18 Tagen mit einer 1954er Vespa zum Nordkap.

SIP: Zurück zu Mailand-Tokio: Was macht dir bei dieser Reise am meisten Sorgen?

Cofferati: Das, was mich am meisten beunruhigt, ist, einen Unfall zu haben. Ich bin mir bewusst, dass es eine gefährliche Reise ist, und da ich zwei kleine Kinder und eine Frau habe, sollte möglichst alles glatt laufen. Ich bin bereit, das Risiko einzugehen, aber ich werde die Gefahr nicht suchen. Ich werde versuchen, so vorsichtig wie möglich zu sein, um die Risiken zu minimieren. Ich muss alles tun, um ausgeruht zu reisen, und wenn ich mich müde fühle, werde ich auf jeden Fall eine Pause einlegen.

SIP: Wie wirst du die Einsamkeit mitten im schier endlosen Sibirien verkraften und was wirst du tun, um deine Konzentration zu halten?

Cofferati: Wenn ich reise, denke ich normalerweise nach. Ich benutze keine Kopfhörer, um Musik zu hören, weil ich lieber auf den Motor lausche, um Probleme frühzeitig zu erkennen. Auf einer Vespa sinniert man viel. Ich kann mir die Bäume anschauen, die Kilometer zählen oder alles rund um die Straße betrachten. Meine Devise ist: Immer wachsam sein und viele Pausen machen!

SIP: Viele Menschen können eine solche Reise aus beruflichen oder familiären Gründen gar nicht machen. Wie hast du es geschafft, das zu arrangieren?

Cofferati: Dies ist eine Reise, von der viele Menschen träumen könnten. Jemand, der drei Monate zur Verfügung hat, geht in der Regel auf eine Reise zu anderen, weniger abgelegenen Orten, wie zum Beispiel auf eine Tour durch die europäischen Hauptstädte oder einen Tripp von Küste zu Küste in den Vereinigten Staaten. Ich denke, das ist eine Reise mit einer gewissen Tiefe. Ich bin gerne in der Natur und besonders in der wilden Natur der nordischen Länder. Ich arbeite als Busfahrer für Schulkinder und habe die drei Sommermonate frei. Sobald der Schulbetrieb aufhört, werde ich meine Koffer packen und zu diesem Abenteuer aufbrechen. Anfang September werde ich dann nach Italien zurückkehren und meinen normalen Job wieder aufnehmen. Unsere Kinder sind über den Sommer in einem Feriencamp, um auch die Zeit für meine Frau zu erleichtern.

SIP: Und welche Pläne gibt es für die Zeit nach Tokio?

Cofferati: Zuerst müssen wir nach Tokio kommen! Es wird nicht die ultimative Reise meines Lebens sein, denn die eine Reise des Lebens gibt es nicht, da das Leben selbst eine Reise ist. Dies ist eine Phase in meinem Leben, in der ich die Gelegenheit habe, zu wachsen und mich selbst besser kennenzulernen. Während der Fahrt kann ich auch genug darüber nachdenken, was ich nach Tokio machen möchte. Ich sage allen, dass ich danach kürzertreten und die Ruder ins Boot ziehen werde, um zur Ruhe zu kommen, aber eigentlich habe ich schon wieder andere Reisepläne. Ich habe versprochen, dass ich mich mehr meinen Kindern und der Familie widmen werde, aber ich möchte nicht aufhören, Vespa zu fahren.

Nun kommen wir aber noch zu Fabios Begleiter auf der langen Reise - seiner Vespa. Wie sie aussieht, wissen wir ja bereits, aber was wurde alles verändert und verbaut? Ein Überblick.

 

DATENBLATT VESPA „MUGEN“: 150 VBB2, BJ. 1963

DAS CHASSIS
Die Basis für den Roller war schwer restaurationsbedürftig. Beinschild und Trittblech wurden komplett getauscht. Der Durchstieg wurde im Inneren des Tunnels mittels von 3 mm Blechen verstärkt. Die Versteifung hinter dem Beinschild wurde ebenfalls verstärkt und durch eine breitere Ausführung ersetzt. Auf die Aufnahmepunkte der Motortraverse wurden zusätzlich dicke Unterlegscheiben geschweißt. Für die Befestigung einer Scheibe wurden zwei Platten von unten an den Lenker geschweißt, um zuverlässigen Wind- und Wetterschutz zu garantieren.
Hinter dem Beinschild wurde ein 10 Liter Tank aus dem SIP Programm montiert. Im Durchstieg wurde noch ein zusätzliches Gepäckfach und ein zusätzlicher Gepäckträger angebracht. Um die Position der Beine während der Fahrt variieren zu können, gibt es auch ein paar zusätzlicher Fußrasten.

Anstelle des serienmäßigen Tanks ist ein Modell von PLC mit einem Fassungsvermögen von 10 Litern montiert. Beide Tanks sind über ein T-Stück verbunden und sorgen mittels einer Unterdruckpumpe für eine gleichmäßige Benzinversorgung. Die damit erreichten 20 Liter Gesamtvolumen bedeuten eine Reichweite von 400 km.

Die Gabel ist original, wurde aber ebenfalls verstärkt und mit einer SIP Feder und einem in der Druckstufe verstellbaren Stoßdämpfer ausgestattet.

Sehr besonders sind Bremsen und Felgen konstruiert: Vorne wie hinten ermöglichen Teile der Sprint Modelle die Verwendung von 10 Zoll Bremsbelägen. Die Bremstrommeln und Felgen sind Spezialanfertigungen einer Firma aus Venedig, die ansonsten Rallyefahrzeuge ausstattet. Sie ermöglichen, ähnlich den „Seigiorni“ Modellen, die Verwendung von 8 Zoll Rädern über der Bremsmechanik der 10 Zoll Modelle.

Als hinteres Federbein kommt ein Modell von Bitubo zum Einsatz. Die Aufnahme des Federbeines ist im Rahmen mit einer Edelstahlplatte verstärkt, um die Belastungen gleichmäßiger zu verteilen.

Der Ständer ist mit Aluminiumfüßen von SIP verstärkt, der hintere Spritzschutz mit Italienflagge eine Reminiszenz an Patrignanis Reise von 1964.

Als Sitzgelegenheit dient ein Schwingsattel von SIP. Auch dieser wurde mit einem eigens angefertigten Gestell verstärkt und mit der Rückenlehne eine Bürostuhles verfeinert.

Weiter wurden für die Reise 7,5 Liter Motoröl, 2 Reserveräder und ein 2 Liter Ersatztank untergebracht. Neben einer SIP Classic Tasche für Kleinteile, gehen vier Reisetaschen mit insgesamt 110 Liter Volumen, auf Gepäckträgern vorne und hinten, mit auf die Reise. Am Gestell des Windschildes finden noch zwei Zusatzscheinwerfer Platz. Über die Reisegeschwindigkeit informiert ein digitaler SIP Tacho.

Die linke Seitenhaube und der Kotflügel wurden von dem Künstler Luca Moretto im Stil der „Vespa Venedig“ bemalt. Einer Vespa 50, die in der Sammlung des Piaggio-Museums in Pontedera ausgestellt ist.

Und so sieht sie aus, die fertige Vespa „Mugen“

DER MOTOR
Der Motor wurde komplett überholt und für die Verwendung eines PX Getriebes inklusive einer stärkeren Primär umgebaut.

Auf Höhe des Zylinderfußes wurde aufgeschweißt, um einen Zylinder mit Boostport verwenden zu können. Die Verbindung zu diesem Kanal wurde in das Gehäuse eingebracht und an den vorgesehenen VMC Aluminiumzylinder angepasst.

Über SIP Kurbelwelle, Pinasco Kupplung und 24/63 Primärübersetzung wird die Kraft an das PX Lusso/Arcobaleno Getriebe von Crimaz geleitet. Mit Benzin-/Luftgemisch wird der Motor über Pinasco VRX-R Vergaser und Air-Box versorgt.

Mit dem Setup sollen 23 PS eine angenehme Reisegeschwindigkeit ermöglichen.


Wer Fabio Cofferati auf seiner Reise folgen möchte, kann das auf Facebook tun: Ancora in Vespa da Milano a Tokyo

Mit besonderem Dank an Guido Guerrini.

Dietrich Limper
Dietrich Limper

Dietrich Limper arbeitet als Redakteur für SIP Scootershop, außerdem schreibt er für lokale und überregionale Publikationen. Wenn er nicht gerade Geocachen geht, erträgt er stoisch die betrüblichen Eskapaden von Bayer Leverkusen.