Vespa World Days 2022 Bali – Martin und Basti on Tour

Erstellt von Dietrich Limper um 11:07 Uhr am 21. Juli 2022

Zwei Jahre mussten sich die Vespa-Fans in Indonesien gedulden, ehe die Vespa World Days endlich zu ihnen kommen konnten. Das für 2020 geplante Event fiel aus bekannten Gründen aus. Ein Jahr später hatte sich die Situation nicht gebessert, auch 2021 wurden die Vespa World Days abgesagt. Doch in diesem Jahr war es endlich so weit: Die World Days fanden zum ersten Mal auch außerhalb Europas statt. Und zwar in Asien, auf der indonesischen Insel Bali. Die Location lag ein paar Kilometer südlich der Hauptstadt Denpasar auf der Halbinsel Nusa Dua. Vom 09. bis 12. Juni das Mekka für Vespa-Fans aus aller Welt, ausgerichtet vom Vespa Club Indonesia und dem lokalen Dewata Scooter Club Bali (DSC Bali). Alleine der DSC Bali hat rund 2.000 Mitglieder in zehn Chaptern, was euch schon mal einen Vorgeschmack auf die Dimensionen der World Days vermittelt.

Vespas ohne Ende!
Vespas ohne Ende!

Mittwoch/Donnerstag: Anreise und Autogrammstunde

Bei SIP Scootershop waren Martin, Head of International Sales, und Basti, Einkauf & Produktmanagement Modern Vespa, die Glücklichen, die sich auf den weiten Weg ins Land der 17.508 Inseln mit rund 280 Millionen Einwohnern machen sollten. Mit dem Roller ist Indonesien nur schwer erreichbar, also setzten sich die beiden ins Flugzeug und reisten über München und Singapur zum Bandar Udara International Airport auf Bali. Rund 24 Stunden waren sie unterwegs. Nachdem sie die langwierigen Einreisemodalitäten hinter sich hatten, wurden sie von Josua empfangen und zum Hotel gebracht. Aber Erholung gab es noch nicht, denn danach ging es schnurstracks zum Shop „Skuter Koloni“, den Josua in Denpasar betreibt. Martin wurde umgehend eine Vespa S 150 zur Verfügung gestellt, Basti bekam eine GTS 150. Mit fahrbaren Untersätzen waren sie also schonmal versorgt. Basti musste sogar eine spontane Autogrammstunde geben, denn sein Gesicht und Bart sind durch die Werbung für unsere Vespa PORDOI weltweit bekannt.

Danach ging es auf den Rollern hinein in die Metropole mit knapp 700.000 Einwohnern. „Man muss den Verkehr erst einmal verstehen lernen“, erklärt Basti, „denn es gibt auf den ersten Blick keine Regeln, obwohl es doch Regeln gibt. Ich habe einen Tag gebraucht, um mich daran zu gewöhnen.“ Gemeinsam mit Josua und Crew wurde in einem Restaurant die balinesische Küche kennengelernt und danach ging es endlich ins Hotel. Schlafen! Den Jetlag aus den Knochen kriegen.

Basti (li.) mit Josua nach der spontanen Autogrammstunde bei „Skuter Koloni“.
Basti (li.) mit Josua nach der spontanen Autogrammstunde bei „Skuter Koloni“.

Freitag: Hitze, alte Freunde und Tausende von Vespas

Auf zum Festival! Basti war bei der Ankunft schwer beeindruckt: „Ich war schon auf mehreren World Days, aber das Gelände auf der Halbinsel war drei- oder viermal größer als alles, was ich bisher kannte.“ Die Registrierung und Ticketabholung klappte leider nicht reibungslos, sondern die beiden SIPler standen geschlagene zwei Stunden in der sengenden Hitze (40+ Grad und hohe Luftfeuchtigkeit), nur um festzustellen, dass es für sie gar keine Tickets gab. Irgendwas war da schiefgelaufen. Gut, wenn man einen der Veranstalter kennt, denn Benyamin verpasste den beiden durchgeschwitzten Jungs einfach ein „Volunteer“-Bändchen und damit waren sie für den Rest der Show versorgt. Doch die Warterei hatte auch ihr Gutes, denn Martin traf einen alten Bekannten: Shauki vom „Vespa Planet“ aus Malaysia, der in den nächsten Tagen immer wieder gute Tipps parat hatte und zum gelegentlichen Begleiter wurde.

VWD Logo

Ein erster Rundgang verstärkte den Eindruck: Diese Vespa World Days waren von einer so extremen Dimension, die verstehen lässt, warum Piaggio diesen Markt rasant ausbaut. Tausende knatternde Zweitakter kamen von Nah und Fern. Der Veranstalter sprach später von 20.000 Vespa-Fahrern, was sich kaum überprüfen lässt. Tatsache ist aber, dass die geplante Vespa-Parade durch Stadt abgesagt werden musste. Veranstalter und Behörden waren sich einig, dass der Verkehr in Denpasar zusammenbräche. Allerdings konnten sich die Vespa-Fans für viele verschiedene kleinere Ausfahrten anmelden, die dann organisiert durch die Stadt und ins Umland führten.

Zahllose Händler, Imbissbuden, Leistungsprüfstand, Vespa Museum und andere Attraktionen – es war was geboten für die offiziell 8.500 registrierten Besucher. Martin und Basti waren im Nachhinein froh, dass es mit dem eigenen Stand nicht geklappt hatte, denn die Hitze war zumindest untertags für Europäer unerträglich. Auf der großen Bühne war den ganzen Tag was los: Folkloristische Tanzeinlagen, Wettbewerbe und Musik. Wer sich damit ganz genau befassen möchte, kann sich auf Youtube viele Stunden indonesische Kultur und Show von den World Days reinziehen.

Von Shauki hatten die SIPler erfahren, dass es neben dem eigentlichen Festival noch ein alternatives gibt. Am Pandawa Beach trafen sich die Vespa-Fans, die sich den Eintritt für das Hauptevent nicht leisten konnten oder wollten. Das mussten sich Martin und Basti mal aus der Nähe anschauen. „Hier war mit Abstand die geilste Stimmung“, schwärmt Martin. „Offiziell kamen am Strand 2.000 Leute zusammen, aber gefühlt waren es viel mehr. Es gab Live-Musik, es war total abgefahren und wir haben einige Bekannte getroffen. Allerdings war es durch die vielen Roller so laut, dass ich am nächsten Tag keine Stimme mehr hatte, weil man sich nur schreiend unterhalten konnte.“

Auf dem Heimweg zum Hotel wurde noch ein Abstecher auf die Dachterrasse des „Sheraton“ gemacht und mit Andrian vom „GayaMotorBaru“ aus Jakarta, Shauki aus Kuala Lumpur sowie Mamu Italia von „Scootpedia“, diniert. Mit dem Blick über die Dächer von Denpasar klang der Tag aus und unseren beiden müden SIPler sanken vollgepumpt mit neuen Eindrücken in die Kissen.

Vollverchromtes Gespann von „Scooter99“
Vollverchromtes Gespann von „Scooter99“

Samstag: 500 Selfies mit Vespa-Fans

Weil Martin seine überstrapazierten Stimmbänder schonen musste, zog Basti alleine los und traf sich mit dem befreundeten Händler Andrian aus Jakarta zum Frühstück. „Es gab hervorragende Buttercroissants und den wahrscheinlich besten Kaffee auf Bali. Und das will was heißen!“, erinnert sich Basti. „Außerdem kennt sich Andrian auf Bali bestens aus und er hatte tolle kulinarische Ratschläge für uns.“ Danach folgte eine Fahrt auf dem Highway, der auf Stelzen über dem Wasser gebaut wurde. Martin war irgendwann auch wieder fit und wurde zum Mittagessen abgeholt. Spareribs waren angesagt.

Zurück aufs Festival-Gelände: Händler treffen, Videos drehen, alles anschauen und auf dem Weg zum Parkplatz wurden Basti und Martin von Zuschauern nahezu überrannt. „Rund 500 Leute wollten ein Foto mit uns machen und haben uns den SIP Merchandise förmlich aus den Händen gerissen“, sagt Basti, „wir dachten wirklich, wir seien VIPs.“ Eine Erfahrung, die sie in der Art auch noch nicht gemacht hatten. Randnotiz von Martin: „Vor ein paar Tagen habe ich hier in Landsberg eine E-Mail von jemand bekommen, der uns da auf dem Event getroffen hatte. Er hat sich noch mal für den Schlüsselanhänger bedankt und gleich ein Foto davon geschickt.“

Nach dieser Geschichte mussten sich die beiden erst einmal im Hotel-Pool entspannen und von einem anstrengenden Tag erholen. Verrückt, diese Vespa-Fans!

„Satu Vespa Sejuta Saudara” bedeutet „Eine Vespa, eine Million Brüder“
„Satu Vespa Sejuta Saudara” bedeutet „Eine Vespa, eine Million Brüder“

Sonntag: Ab an den Strand

Eine Ausfahrt mit Andrian sowie Dhana von der „Vespa Garage Jakarta“ stand auf dem Programm. Durch Denpasar ging es zum Padang Padang Beach, um wenigstens einmal im Meer zu baden. Außerdem tummelten sich hier viele Surfer und Touristen. Doch die Hitze trieb die SIPler schnell wieder auf die Vespas. Sehr beeindruckend waren die „Roller“, die von der Extrem-Vespa-Szene gebaut werden und die man hin und wieder im Straßenbild sieht. Diese Jungs und Mädels bauen sich buchstäblich aus Schrott ein Gefährt zusammen, das von einem Vespa-Motor zusammengehalten und angetrieben wird. Dabei sind die verrücktesten Konstruktionen zu bestaunen, die in Deutschland nicht mal in die Nähe des TÜVs kommen dürften. Der Prüfer würde einen akuten Schock erleiden.

Für Filmaufnahmen wurde das alternative Festival noch einmal bei Tageslicht besucht, dann flüchteten Martin und Basti vor der Sonne in ein chinesisches Restaurant, um die Körpertemperatur herunterzufahren. Im Großen und Ganzen ein Tag, an dem viele Eindrücke gesammelt wurden, um ein cooles Video auf die Beine zu stellen.

Extreme Vespa: Der Albtraum eines jeden TÜV-Prüfers.
Extreme Vespa: Der Albtraum eines jeden TÜV-Prüfers.

Montag: Händlertag

Händlertag
Martin und Ravespa

Eigentlich sollte dieser Tag für die SIPler ein „Urlaubstag“ werden, aber dann kam es ganz anders. Zunächst beim Frühstück der herzliche Abschied von Andrian, der sich auf den Heimweg nach Jakarta machte. Allerdings waren anschließend bei jedem weiteren Essen noch andere Händler dabei, die mit Martin und Basti sprechen wollten.

Mittags gab es Sushi beim Japaner. Mit dabei der Händler Andri von „ScooterHouseDjakarta“, der mit rund 100 Kumpels die 1.000 Kilometer zu den World Days mit dem Roller gefahren war. Einer seiner Freunde ist ein Vespa-Influencer namens „Ravespa“, der auf Instagram knappe 170.000 Follower hat. Sein Roller ist eine sehr seltene Vespa SS 90, die Martin sogar einmal um den Block fahren durfte. Derweil schockierte Basti die illustre Runde mit der Tatsache, dass er keinen Account bei Instagram hat. Für Indonesier völlig unvorstellbar, denn selbst viele Händler verkaufen ihre Produkte nicht über Webshops, sondern eben über Social Media. Old-School-Basti war eine Attraktion. Weitere Fotos wurden gemacht.

Nach einer kurzen Erfrischung im Hotel-Pool ging es zurück in die Stadt auf die Sunset Road, der Touristenmeile in Denpasar. Dort hat Josua seinen Laden und schweren Herzens gaben Basti und Martin ihre Vespas zurück. Beim obligatorischen Abschiedsessen mit Josua war der junge Influencer Gihza Paturusi „Speeding Indo“ dabei, der einen Kanal für Modern Vespa auf Instagram betreibt. Im Laufe des Jahres werden wir mit ihm mal ein Interview machen.

Ein weiterer Gast war ein sehr cooler Schrauber, der einen GTS Motor in eine Vespa Sprint eingebaut hat. Ziemlich einmalig. Mit am Tisch saß außerdem Yusup von „Vespuci“, der gemeinsam mit der Modemarke „Hammerstout“ einen sehr speziellen Custom-Roller gebaut hat, über den wir auch noch berichten werden. Ein Abend, den Martin und Basti nicht allzu bald vergessen werden. Wieder hieß es Abschied nehmen.

O-Lack Vespa SS 90: auch in Indonesien ein Sammlerstück
O-Lack Vespa SS 90: auch in Indonesien ein Sammlerstück

Dienstag: Letzter Termin und Heimreise

Eine Mütze Schlaf, Koffer packen – aber zum Mittagessen noch ein Meeting mit dem Händler Sendhi von „Scooter 99“, der unsere SIPler anschließend zum Flughafen brachte. Ein letzter Blick aus den Wolken auf Denpasar und Basti zieht Bilanz: „Ich fand die World Days unglaublich beeindruckend. Ich habe noch nie eine solche Community und so viele Vespa Fans auf einem Haufen erlebt. Auch die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Menschen werde ich nicht vergessen. Wir haben uns überall willkommen gefühlt.“

Dem kann Martin nur zustimmen: „Ich glaube ganz ehrlich nicht, dass ich so etwas noch einmal erleben werde. So viele Vespas auf einem Fleck und dazu der Spirit der Leute. Das gibt es in keinem anderen Land der Welt. Dazu die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Leute – das war Vespa-Passion pur.“

Es geht heim: (von links) Basti, Sendhi und Martin am Flughafen.
Es geht heim: (von links) Basti, Sendhi und Martin am Flughafen.

„Satu Vespa Sejuta Saudara” / „Eine Vespa, eine Million Brüder“.

Martin und Basti bedanken sich bei:
Benyamin vom Organisationskomitee, Andrian von „GayaMotorBaru“, Josua und Denny von „SkuterKoloni“, Andri vom „ScooterHouseDjakarta“, Ravespa, Shauki von „Vespa Planet“, Sendhi von „Scooter99“, Yusup von „Vespuci“, Dhana von „Vespa Garage“ und Mamu Italia von „Scootpedia“.

Video: Vespa World Days 2022

Bildergalerie: Vespa World Days 2022

Vespa World Days 2022 Bali
Dietrich Limper
Dietrich Limper

Dietrich Limper arbeitet als Redakteur für SIP Scootershop, außerdem schreibt er für lokale und überregionale Publikationen. Wenn er nicht gerade Geocachen geht, erträgt er stoisch die betrüblichen Eskapaden von Bayer Leverkusen.