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Vespa Smallframe Modellkunde

Erstellt von Ralf um 15:08 Uhr am 26. August 2021

In unseren ersten zwei Blogbeiträgen (Vespa Wideframe und Vespa Largeframe) zur Vespa Modellkunde haben wir erklärt, wie die Idee zur Vespa entstand und was die Vespa-Modelle Wideframe und Largeframe ausmacht. Im dritten Teil unserer Serie beschäftigen wir uns nun mit der Vespa Smallframe.

Dabei klären wir Fragen wie: Warum wurde die Vespa Smallframe-Reihe entwickelt und was sind die Unterschiede zu den Vespa Wideframe und Largeframe Modellen? Welche technischen Änderungen hat die Modellreihe zu den anderen Serien erfahren? Und welche Besonderheiten und Kuriositäten gab es innerhalb der Smallframe Reihe?

Eine beeindruckende Sammlung an Smallframe Rollern bei unserem Gastgeber Erik.

Wie entstand die Vespa Smallframe Baureihe?

Die Geschichte der Vespa Smallframes beginnt Anfang der 60er-Jahre. Piaggio war in aller Munde und konnte mit seinen zwei Millionen verkauften Vespas auf eine erfolgreiche Historie zurückblicken. Doch die Köpfe hinter der Marke Piaggio schmiedeten bereits Pläne mit einer weiteren Vespa Modellreihe, um neue Kundenkreise zu erschließen. Insbesondere sollten Jugendliche ab dem 14. Lebensjahr angesprochen werden, die zu der damaligen Zeit ein 1,5 PS Modell ohne Führerschein fahren durften. Zudem wollte der italienische Hersteller die Damenwelt für die Vespa begeistern, die bis dato meist nur als Beifahrerinnen auf den Straßen zu sehen waren. So kamen die Ingenieure und Lenker von Piaggio auf die Idee, eine Vespa mit wesentlich kompakterer Rahmenführung zu entwickeln. Die Vorteile hierfür lagen klar auf der Hand. Mit einer schlankeren, leichteren und wendigeren Karosserie war es für jedermann problemlos möglich, das kleine italienische Technikwunder fortzubewegen. Das erste Vespa Smallframe Modell stellte Piaggio im Jahr 1963 vor, das von diesem Zeitpunkt an mit dem ebenfalls brandneuen Largeframe-Modell Vespa GS 160 um die Gunst der Käufer auf dem Rollermarkt buhlte.

Woran erkennt man eine Vespa Smallframe und was sind die wichtigsten Merkmale?

Wie bereits erwähnt, wurde die Vespa Smallframe möglichst leicht und kompakt konstruiert. Aus diesem Grund wurde mit dem ersten Modell der Reihe, der Vespa 50, die Rahmenführung wesentlich schlanker, die Karosserie leichter, kürzer und dabei stabiler. Sie schrumpfte in allen Abmessungen im Allgemeinen und insbesondere im Durchstieg. Die Seitenhauben, die bei den Wideframe- und Largeframe-Modellen abnehmbar waren, wurden bei der Smallframe nun fest integriert, sodass sie nun Bestandteil des Blechrahmens waren. Dafür war dieser auf der rechten Seite mit einer kleinen Motorklappe versehen. Auch die aufgesetzte Blechkaskade, die bereits bei den klassischen Modellen der 50er und 60er Jahre Verwendung fand, wurde auf die 50er Vespa-Modelle adaptiert und in den 70er-Jahren bei den Special-Ausführungen auf Plastikkaskade geändert.
Auch unter der Haube änderte sich einiges. Aufgrund des geringeren Bauraums wurde der Motor komplett neu konstruiert und der Zylinder in einem 45 Grad Winkel verbaut. Waren die Versionen anfangs mit gewöhnlichen Unterbrecherzündungen ausgestattet, wechselten diese im Laufe der Modellhistorie auf die allseits beliebte und pflegeleichtere elektronische Zündung.

Smallframe Vespas bis unters Dach.

Was gab es für Smallframe-Modelle und welche waren die wichtigsten?

Vespa 50 N, 50 L, 50 R
Wir haben ja schon gesaggt, dass der Hersteller Piaggio im Jahr 1963/64 mit der Vespa 50 die Geschichte der Smallframe-Reihe startete. Bereits ein Jahr danach kam jedoch schon die Vespa 50 N auf den Markt, die erst nur farbliche Änderungen vorweisen konnte, im weiteren Verlauf jedoch technische Neuerungen spendiert bekam.
Ein verlängerter Radstand, eine vergrößerte Motorklappe, ein verändertes Motorgehäuse und abweichende Rahmenlängen waren nur einige Änderungen, die im Laufe der Jahre mit den Modellen Vespa 50 N, 50 L und 50 R vorgenommen wurden. Übrigens: Anlässlich der 3.000.000sten angefertigten Vespa erschien 1991 ein Jubiläumsmodell der 50 N, das auf 3.000 Exemplare limitiert war.

Vespa 50 Super Sprint
Die Vespa 50 Super Sprint, kurz SS, die Mitte der 60er-Jahre produziert wurde, wirkte nicht nur optisch sportlicher als die anderen Modelle der 50er-Reihe, sondern war auch leistungstechnisch den anderen weit überlegen. Ein „verjüngter“, gekürzter Konturverlauf am oberen Ende des Beinschildes sowie ein schmalerer, gedroppter Lenker und ein schmalerer Kotflügel ließen die Vespa 50 Super Sprint frischer wirken als ihre Gegenstücke der 50er-Reihe. Der Sitz klappte bei diesem Modell jetzt nach hinten statt nach vorne auf und zusätzlich war zwischen Beinschild und Sitzbank eine Toolbox verbaut, die einen Knieschluss ermöglichte. Dank der angebrachten Polsterung war es darüber hinaus auch möglich, sich während einer rasanten Fahrt in eine nach vorne gebeugter Position zu begeben. Unterhalb der Toolbox war ein Ersatzrad mit Radkappe in den Lackfarben der jeweiligen Super Sprint Vespa angebracht.

Vespa 90 und Vespa 90 Super Sprint
Neben der SS50 brachten die Italiener mit der Vespa 90 eine stärkere Version im selben Jahr auf den Markt, Der Motor ähnelt der des kleineren V50 Pendants, jedoch ist der Hub auf 51mm erweitert. Die Vespa 90 Super Sprint, kurz SS, war in allen Details der 50er baugleich, bot jedoch mit 90 ccm mehr Leistung und erreichte somit eine höhere Geschwindigkeit. Heute zählen die 90er und die 50er Super Sprint Modelle zu den seltensten Ausführungen der Smallframe-Reihe, weshalb sie bei Vespa Liebhabern besonders hoch im Kurs stehen.
Aufgrund all dieser technischen und optischen Details war die Vespa SS für Rennserien quasi prädestiniert. Denn die Vespa 90 Super Sprint hatte auch die leistungsstärksten Smallframe-Aggregate der damaligen Zeit. Diese erreichten bis zu 86 km/h. So war es nicht verwunderlich, dass die Super Sprint Modelle sogar an Serien wie der Gruppo Piloti Speciali (GTS) teilnehmen durften.

Vespa 125 Nuova und Vespa 125 Primavera
Mit der Vespa 125 Nuova vereinte Piaggio 1965 viele Eigenschaften der 50er und 90er-Modelle. Der Roller war die erste Vespa mit 10-Zoll-Bereifung bei 125 ccm Hubraum, die der Vespa Super Sprint entnommen waren. Drei Jahre später kam mit der 125 Primavera bereits der Nachfolger der Vespa 125 Nuova auf den Markt. Zusätzlicher Stauraum in der Seitenhaube links hinten und eine verbesserte Leistung des Motors auf knapp 6 PS ließen die Herzen der 125-Fans höherschlagen.

Beschriftung auf der Vespa 125 Primavera ET3.

Vespa 50 Special und Vespa 50 Elestart
Erst im Jahr 1969 nahm Piaggio grundlegende – hauptsächlich optische – Änderungen an der 50er Modellreihe vor, die unter dem Namen Vespa 50 Special auf den Markt kamen. Lenkerkopf und Kaskade in rechteckiger Form sowie 10-Zoll-Reifen und optimierte Bremsen ab der zweiten sowie ein Vierganggetriebe ab der dritten Revision wurden im Laufe der Zeit veröffentlicht. Ebenfalls zeitgleich stellte Piaggio die Vespa 50 in der Elestart-Version vor. Einzige Unterschiede waren der neue Anlassermotor und die zwei Batterien, die sich unter der linken Seitenhaube befanden.

Vespa 125 Primavera ET3
Mit der Elettronica Traversi Tre, oder auch kurz ET3, hält 1976 ein Modell mit elektronischer Zündung und drei Überstromkanälen Einzug in die Baureihe. Zusätzlich verfügte dieses Modell über viele weitere verbesserte Details: Ein leistungsstärkerer Auspuff und ein höheres Verdichtungsverhältnis gestatten der Vespa Primavera 125 ET3 einen regelrechten Leistungssprung. So erreichte der Roller satte 90 km/h Höchstgeschwindigkeit bei leistungsstarken 7 PS. Dadurch war sie die schnellste 125er-Version ihrer Zeit und konnte zudem ein besseres Ansprechverhalten vorweisen. Dank kleiner Highlights wie den Rally Streifen und den dazu passenden Schriftzügen an Kotflügel und Seitenhauben war das Modell auch optisch ein Leckerbissen.

Vespa PK (PK 50, PK 50 XL 2, PK 125, PK 125 Automatica, PK 125 ETS)
1983 stellte Piaggio die Vespa PK-Reihe vor, die sich optisch am Trend der eckigen Formen der 80er-Jahre orientierte. Eindeutig zu erkennen war dies am Lenker und der Kaskade aus Kunststoff, die nicht mehr direkt mit dem Rahmen verbunden waren. Die Vespa PK ähnelte nicht nur vom Design her der Vespa PX, sondern übernahm auch deren Vorderradaufhängung, weshalb die PK-Serie quasi als Pendant zur PX-Serie verstanden werden kann. Die Vespa PK 50 bzw. PK 50 S setzte dabei zusätzlich auf eine elektronische Zündung und ein Getriebe mit 4-Gang-Schaltung. Sie hatte bessere Blinker sowie ein zusätzliches Staufach integriert. Eine letzte Revision erhielt die PK 50 im Jahr 1990 als XL 2. Diese hatte ein neues Lenkdesign mit überarbeiteten Bedienelementen, weiterentwickelter Technik, modifizierter Karosserie mit vielen futuristischen, aus Plastik gefertigten Elementen und einem neuem Handschuhfach. Auf Basis dieser wurde in Italien mit der PK 50 HP4 eine Sportversion angeboten, die nochmals weitere Detailänderungen bot.
Ein Jahr später brachte Piaggio die PK 125 heraus. Diese war im Grunde genommen identisch der PK 50 Modelle, jedoch mit mehr Leistung ausgestattet. Die 125 S war, wie der Name vermuten lässt, sportlicher ausgerichtet. Außerdem wurde die hintere Bremse bei der PK 125 Automatica über den linken Hebel am Lenker bedient. Zur gleichen Zeit produzierte Piaggio auch die Vespa PK 125 ETS in zwei Versionen, die einen größeren Auspuff sowie die verbesserte Bremsanlage der XL 2 an Board hatten und eine noch höhere Geschwindigkeit erreichten. Sie sind nicht nur die sportlichsten Versionen der Smallframe-Reihe, sondern gelten quasi auch als Gegenstück zur leistungsstärkeren T5 aus der Largeframe-Serie der 80er-Jahre.

Ralf
Ralf

Ralf ist Geschäftsführer und Mitgründer von SIP Scootershop. Er fährt Vespa seit 1990 und auch heute noch beginnt für ihn der Arbeitstag am besten, wenn er auf seiner Rally 200 ins SIP Hauptquartier in Landsberg fährt. Ansonsten besitzt er noch eine 180 SS, eine 160 GS und eine VM2 Lampe Unten Vespa.