Lambretta Modellkunde

Erstellt von Jesco um 11:02 Uhr am 21. Februar 2022

Im fünften und letzten Teil unserer Serie beschäftigen wir uns mit den Rollern des italienischen Fahrzeugherstellers Innocenti, genauer gesagt der Lambretta, die sich bei Fans von motorisierten Zweiradklassikern hoher Beliebtheit mit Kultstatus erfreut. In unseren vier vorherigen Blogbeiträgen zur Modellkunde haben wir die Geschichte der Vespa-Modelle Wideframe, Largeframe, Smallframe und Modern Vespa beleuchtet.

Wie entstand die Lambretta Baureihe und warum war sie so besonders?

Der Name „Lambretta“ steht seit vielen Jahren für klassische Motorroller „Made in Mailand“. Von dort aus eroberten die Lambretta Motorroller nicht nur die Straßen, sondern bis heute sogar die Herzen der Roller-Fans. Alles begann im Jahr 1945, als Ingenieur Pierluigi Torre von Firmeninhaber Ferdinando Innocenti beauftragt wurde, Konstruktionszeichnungen für einen Roller anzufertigen. Damals noch als Firma Innocenti für die Produktion von Stahlrohren tätig, war es das zukünftige Ziel, ein günstiges zweirädriges Gefährt zu produzieren, dass in der Nachkriegszeit für jeden erschwinglich sein sollte. Auch ein Name war gleich gefunden: Angelehnt an den Mailänder Ortsteil Lambrate sowie des nahe der Fabrik gelegenen Flusses Lambro, wurde der Roller auf den Namen Lambretta getauft und 1947 mit der Serie A veröffentlicht.

Das Endergebnis war ein günstiger, motorisierter Roller mit Stahlrohrrahmen und verbauten Blechteilen sowie gekapselter Triebsatzschwinge in einer leichten und kompakt verbauten Konstruktion. Anfangs noch mit einem einfach gehaltenen Rahmen mit Spritzschutz für die Füße im vorderen Bereich ausgestattet, boten spätere Modelle ein immer mehr durchdachtes Design mit weiteren technischen und optischen Features. Auch auf der Motorenseite entwickelten sich die Modelle weiter. Dabei veröffentlichte man bis zum offiziellen Produktionsende der Lambretta vom zweitaktbetriebenen 125 ccm Motor mit 4,3 PS, bis hin zum 200 ccm Antrieb mit 12 PS viele Modelle in unterschiedlichen Motorisierungen. Anfangs noch auf 7 Zoll-Rädern betrieben, stieg man auch in späteren Reihen erst auf 8 und dann auf 10 Zoll-Räder um.

Zu einer Zeit, in der das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln noch sehr beschwerlich war, mauserten sich die Lambretta Modelle innerhalb kürzester Zeit nach Veröffentlichung zum Verkaufsschlager. So sehr, dass der Hersteller Innocenti ohne Umschweife weltweit Lizenzen in andere Länder vertrieb, sodass selbst die englische Post Modelle für ihre Lieferung nutzte. Hersteller wie NSU in Deutschland, Serveta in Spanien, Fenwick in Frankreich, Pasco in Brasilien, Auteco in Kolumbien, Siambretta in Argentinien und SIL in Indien brachten das Lambretta-Feeling auf die jeweiligen Straßen. Dabei zeichneten sich die Lambretta Modelle durch eine hohe Qualität und immer wieder durch neue, technische Innovationen aus. So waren beispielsweise die Lambrettas die ersten Roller, die mit einer E-Zündung und sogar die ersten Zweiräder, die mit einer serienmäßigen Scheibenbremse aufwarten konnten.

Die Lambretta 125D hat bis heute eine treue Fangemeinde.

Die Lambretta Modelle (A-F) von Innocenti im Detail

Lambretta 125 m der Modellreihe A
Die Erfolgsgeschichte begann im Oktober 1947 mit der Lambretta 125 m der Modellreihe A, von der im Hause Innocenti bis Oktober 1948 knapp 10.000 Stück produziert wurden. Im Laufe der Zeit entstanden durch stetige Weiterentwicklungen drei Serien der Lambretta 125 A (m), mit unterschiedlichen Gimmicks und technischen Feinheiten.
Die Konstruktion war so einfach wie genial: Der Aufbau gliederte sich in zwei Teile, von denen der vordere Abschnitt aus einem gepressten Vierkantrohr und dem darauf befindlichen Lenkkopf und der Gabel bestand. Der hintere Abschnitt setzte sich aus Chromrohren zusammen. Aus heutiger Sicht wirken die aus Stahl gefertigten Bremsbacken sowie der in die Trommeln fest eingebaute Bremsklotz etwas eigenartig – dies war jedoch für die damalige Zeit nicht ungewöhnlich. Kabel und Züge verliefen innerhalb der Kanäle, was ein schlichtes, elegantes Design ermöglichte. Angetrieben wurde die Lambretta Serie A von einem 125 ccm großen Motor mit einem für seine Zeit fortschrittlichen Kardanantrieb der mit 4 PS eine Geschwindigkeit von rund 65 km/h erreichte.

Lambretta 125 der Modellreihe B
Aufgrund der positiven Resonanz kam schon im November 1948 der Nachfolger, die Lambretta B 125 auf den Markt, der quasi eine Evolution des Erstlings war und von dem bis Januar 1950 über 35.000 Stück abgesetzt werden konnten. Auf technischer Seite sind besonders die elastische Federung beim Hinterrad und die Zug-Handgriffschaltung, die sich nun am Lenker befindet, erwähnenswert. Letztere Innovation wird sogar für alle zukünftigen Lambretta-Modelle übernommen. Auf Motorenseite setzt man weiterhin auf den bewährten 125 ccm großen fahrtwindgekühlten Motor mit Kardanantrieb und 3-Gang-Getriebe. Wie auch beim Vorgänger gibt es im Laufe der Zeit einige Anpassungen. Die Lambretta B 125 war übrigens der erste Roller aus dem Hause Innocenti, welcher dank Import seinen Weg auch auf deutsche Straßen fand.

Lambretta 125 der Modellreihe C & LC
Das dritte Modell aus dem Hause Innocenti war die Lambretta C 125, die von Februar 1950 bis November 1951 gebaut wurde. Wie auch bei den beiden Vorgängermodellen, setzte der Hersteller bei der Lambretta C 125 auf den erprobten 125 ccm großen Motor. Doch sonst änderte sich einiges: Dünner Lenker, großer runder Frontscheinwerfer an der Lenkstange sowie ein kreisförmiges Rücklicht oberhalb des Nummernschildes hätten auch einem Fahrrad entstammen können. Nur kurze Zeit nach der Lambretta C 125, veröffentlichte der Hersteller eine LC Version. Das „L“ im Namen „LC“ stand für Lusso und war quasi die Luxusversion mit besserem Wetterschutz. In der knapp zweijährigen Produktionszeit beider Modelle konnten insgesamt rund 13.000 Lambretta C/LC 125 abgesetzt werden.

Lambretta 125 und 150 der Modellreihe D & LD
Optisch dem Vorgänger auf den ersten Blick recht ähnlich, hatte die vierte Generation ab Dezember 1951 jedoch bei genauer Betrachtung ein paar optische Anpassungen dank neuem Rahmen. Auch auf der Motorenseite entwickelte sich die Reihe weiter. So bekam die D 125 einen neuen leistungsstarken Motor mit rund 5 PS, womit bis zu stolze 80 km/h erreicht werden konnten. Zu der D-Version gab es auch wieder eine etwas üppiger ausgestattete Variante mit eleganterer Verkleidung, respektive voller Karosserie. Bis Produktionsende der beiden 125er Modelle, konnten knapp 125.000 Einheiten verkauft werden. Fast drei Jahre später, im Jahr 1954, brachte Innocenti erstmalig ein Modell mit 150 ccm auf den Markt. Bis Januar 1957 erschienen mehrere Modellvarianten mit unterschiedlichen technischen sowie optischen Details.

Lambretta 125 Modellreihe E & F
Die chronologische Reihenfolge überschnitt sich mit der Veröffentlichung der Lambretta E und F 125 etwas. 1953 brachte Innocenti bereits die Modellreihe E für „Economico“ (deutsch: ökonomisch/wirtschaftlich) auf den Markt, das preisbewusste Käufer ansprechen sollte. Um Gewicht und Kosten einzusparen, waren die Designelemente simpler gestaltet. Der neue Rahmen basiert auf der C-Version, allerdings ohne Sitzrohr. So befand sich der Tank auf Höhe des Fahrersitzes, während das Gepäckfach unter dem des Beifahrers positioniert war. Der Antrieb hatte weiterhin 125 ccm. Gestartet wurde das Modell über einen Seilzug. Dies sollte sich mit der F 125 ändern, die im Wesentlichen baugleich, jedoch mit einem Kickstarter ausgestattet war. Obwohl das Sparmodell kostengünstig zu haben war, fand die Lambretta E 125 eher mäßigen Anklang bei den Käufern, weshalb die Produktion bereits 1954/1955 wieder eingestellt wurde.

Zwei Menschen – viele Lambrettas ... Jesco (li.) und Jockey fachsimpeln.

Die Lambretta Serie 1 im Detail

Lambretta TV 175
Der erste Vertreter der Modellserie 1 war die Lambretta TV „Turismo Veloce“ 175, die im April 1957 präsentiert und als Konkurrenzprodukt zur Vespa GS 150 entworfen wurde. Im Gegensatz zu den der A bis F-Reihe, war der vordere Kotflügel nun fest mit der Karosserie verbunden. Die neuen Modelle hatten weiter einen Rohrrahmen. Dieser hatte einen am Beinschild integrierten Scheinwerfer und einen im Lenker integrierten Tacho. Der Hintere Bereich war komplett verkleidet, mit Lufteinlässen an den Seitenhauben und einem eingelassenen Rücklicht.
Des Weiteren hatte das Modell 10 Zoll-Reifen. Auch auf Motore-Seite hatte das Modell mit Kettenantrieb und einem liegenden Zylinder einiges zu bieten: 175 ccm, rund 9 PS und eine Endgeschwindigkeit von 102 km/h ließen kaum Wünsche offen. Statt den bisherigen Kardanantrieb nutzte man nun eine Duplex-Kette. Trotz der vielen positiven Eigenschaften gab negative Punkte: Besonders die Technik des Motors galt als kompliziert und wenig zuverlässig. Mit Einführung der Lambretta Li 125 und Li 150 und des neu entwickelten Motors wurden die meisten Probleme ausgeräumt.

Lambretta Li 125 und Li 150
Mit den beiden Li-Modellen, kam Innocenti wieder in die Erfolgsspur. Von der Karosserie her waren die beiden Modelle der Li-Reihe bis auf ein paar Details, dem Lufteinlass für den Vergaser und der Kickstarter Mechanik der TV 175 identisch. Während anfangs der Vergaser noch über den Rahmen saugte, wurde dieser später über einen normalen Luftfilterkasten geführt, was mit der Serie 2 und 3 fortgeführt wurde. Während die Lambretta Li 125 Trittleisten aus Aluminium hatte, wurden die der Li 150 aus Gummi gefertigt und mit Endstücken versehen. Die Details am Lenkrad sind bei der 125-Version lackiert, bei der 150er poliert. Die kleinere Version war lediglich in zwei Grautönen, die größere Variante mit mehreren Farbdetails erhältlich. Angefangen von der TV 175 im April 1957 bis hin zur Li im Oktober 1959 konnten über 150.000 Stück verkauft werden.

Die Lambretta Serie 2 im Detail

Lambretta Li 125 und Li 150
Nach Auslaufen der ersten Serie brachte Innocenti im Oktober 1959 die zweite Serie auf den Markt. Mit nur kleinen Anpassungen an der Optik, den nun im Lenker integrierten Scheinwerfer, wurden die Nachfolger in Details verbessert. Während die Lambretta Li 125 mit einer Sitzbank und Aluschienen mit Muster im Durchstieg ausgeliefert wurde, verfügte die Li 150 über einen Doppelsitz und Alu-Trittleisten mit Gummiprofil und Endstücken. Mit 270.000 verkauften Einheiten bis November 1961, mauserte sich die Serie 2 der Lambretta Li 125 und Li 150 zur bis dahin bestverkauften Reihe der Italiener.

Lambretta TV 175
Auch die TV 175 bekommt mit der Serie 2 einen Nachfolger spendiert. Wie bei den Li-Varianten, wurde die 175er-Version mit dem neu designten Lenkkopf ausgestattet. Im Durchstieg sind, wie auch bei der Lambretta Li 150, Alu-Trittleisten mit Gummiprofil und Endstücken sowie der Doppelsitz verbaut, die auch wahlweise auf Einzelsitze umgerüstet werden konnten. Weitere Merkmale waren die Zusatzstoßdämpfer vorne. Rahmenanpassungen mit Verstärkung, Vergrößerung des Rücklichtes und des Hupengrills sind nur einige der wichtigsten Anpassungen, die im Laufe der Zeit getätigt wurden.
Aufgrund der positiven Erfahrungen mit dem Li-Motor in Bezug auf Kosten und Zuverlässigkeit, wurde dieser bei der TV 175 angepasst. Er behielt mit 58 mm denselben Hub, aber das Pleuel wurde auf 116 mm verlängert. Das sorgte in dem auf 175 ccm aufgebohrten Motor für mehr Laufruhe. Die Leistung des Modells stieg auf 8,6 PS und 104 km/h. Die Produktion endete, wie bei der LI 2. Serie, im November 1961 und weiß mit fast 42.000 verkauften Einheiten ebenfalls sehr zu überzeugen.

Die Lambretta Serie 3 im Detail

Mit der Lambretta Serie 3 gelingt dem Hersteller Innocenti ab dem Jahr 1961 seine erfolgreichste Modellreihe, die in Fachkreisen auch „Slimline“ genannt wurde und eine große Zäsur darstellte. Der Name kam nicht von ungefähr: Dank einer deutlich schlanker gestalteten Konstruktion, wirkten die Modelle nicht nur sportlicher, sondern reduzierten auch den Materialaufwand bei der Produktion – technisch gesehen blieben sie jedoch weitestgehend gleich.

Lambretta Li 125 und Li 150 (Special)
Beide Lambretta Li-Versionen – also Li 125 und 150 – hatten standardmäßig Einzelsitze verbaut, konnten jedoch auf Wunsch auf eine Sitzbank umgebaut werden. Technisch gesehen gab es nur Detailverbesserungen. Ein neu positionierter SH-Vergaser sowie ein überarbeitetes Ansaug- und Auspuffsystem sorgen für besseren Verbrauch und für eine optimierte Leistung. Das Fahrwerk blieb jedoch im Grunde gleich. Die meisten Änderungen wurden aber aufgrund langer Produktionszeit nach und nach vorgenommen. So veränderte sich im Laufe der Zeit das Konzept der Zündung, Details am Lenker und das Getriebe, welches neu abgestuft und als Pacemaker Getriebe bekannt wurde. Die Special Modelle, die Innocenti zwei Jahre später auf den Markt brachte, waren die sportlicheren Versionen der Lambretta Li 125 und 150 und wurden quasi zwischen den Li und GT (Kürzel für die TV-Modelle in England) bzw. TV-Modellen positioniert. Die Karosserieelemente der Modellreihe basierten dabei auf der Lambretta SX.

Lambretta TV 175 und TV/GT 200
1962 brachte Innocenti die TV 175 Modellreihe der Serie 3 auf den Markt. Designtechnisch an die Li-Versionen angelehnt, bot die Reihe jedoch viele unterschiedliche Details wie geänderten Kotflügel und Lenkkopf sowie einen Motor mit einem 175 ccm großen Hubraum. Außerdem hatte die Lambretta TV 175 etwas, was ganz neu im Zweirad-Sektor war: Während alle motorisierten Zweiräder bisher mit einer Trommelbremse ausgestattet waren, war die TV 175 das erste Modell, das serienmäßig mit einer Scheibenbremse ausgeliefert wurde.
In der Geschichte der Lambretta Serie 3 gab es 1962/1963 noch eine weitere Evolution: Nach dem großen Erfolg der TV 175 in England und des Bestrebens eines großen Importeurs der Modelle, wurde mit der TV (Gran Turismo) 200 eine leistungsstärkere Version für den englischen Markt entwickelt. Dank größerem Hubraum mit 200 ccm, besseren Kolben und längerem Getriebe erreichte das Modell bis zu 110 km/h bei 10,75 PS, was jedoch massive Vibrationen zur Folge hatte. Später wurde das 200er Modell noch in weiteren Ländern wie Skandinavien, Frankreich, Schweiz und der USA verkauft – jedoch nie im Ursprungsland Italien selber.

Lambretta SX 150 und SX 200
Die Lambretta Special X 150 und 200er Modelle, wurden von 1966 bis 1969 produziert und waren eine Weiterentwicklung der Lambretta Special und TV-Versionen. Im Vergleich zur Special hatten die SX 150 Fabrikate verchromte Finnen, ansonsten blieben die Modelle optisch Großteils identisch. Die SX 200 unterschied sich jedoch äußerlich enorm und ist als Nachfolger der TV/GT200 anzusehen. Spezielle Seitenhauben und ein längerer Kickstarter waren hierfür verantwortlich. Auch auf Motorenseite kam es zu Änderungen an Auspuff, Kolben, Motorgehäuse und Zylindern. Rund 9 PS und 105 km/h der SX 150 und 11 PS mit rund 105 km/h Höchstgeschwindigkeit, erreichten die beiden Lambretta Special X-Modelle, von denen in den drei Jahren Produktionszeit über 50.000 Modelle in den Handel gebracht wurden.

Lambretta DL 125/150/200 bzw. GP (England)
Ab 1969 wurden die Modelle LI, Special, SX und TV durch die DL Modelle (in England GP) ersetzt, die nun überarbeitete Motoren und eine von Nuccio Bertone völlig neu gestaltete Karosserie mit vielen Detailänderungen boten. Dabei wurden an der Karosserie viele Chrom- sowie Gummiteile durch matt-schwarze Komponenten ersetzt. Der Rahmen wurde vorderseitig verkürzt, sodass der Lenker tiefer gesetzt werden konnte, was eine sportlichere Sitzposition begünstigte. Ein optisch verfeinertes Beinschild mit sogenannten „Shark Teeth“-Stilelementen, rundeten das Konzept im neuen Bertone-Stil sehr gelungen ab. Es wurden insgesamt drei Hubraumvarianten veröffentlicht: die DL/GP mit 125, 150 und 200 ccm, von denen bis zum Produktionsende 1971 inkl. aller Special-Versionen 55.000 produziert wurden. Ein heute besonders beliebtes Sammlerstück ist die in ockerfarben oder in rot lackierte DL/GP 200, von denen es nur rund 9.500 Stück gab. Als „heiliger Gral“ unter Sammlern gilt die 200er „electric“ Version, bei der eine elektronische Zündung verbaut wurde und somit serienmäßig Vorreiter am Markt war. Laut unbestätigten Angaben wurden nur 200 bis 2.000 Stück gebaut, womit sie als extrem seltenes und hochgehandeltes Modell unter Liebhabern gilt.

Die Lambretta Smallframe-Reihe von Innocenti im Detail

Mit der Lambretta Smallframe-Reihe sollte der Markt der günstigeren Mopeds erschlossen werden. Aus diesem Grund wurden die Modelle optisch deutlich vereinfacht und deren technische Spezifikationen heruntergeschraubt. Dies hatte den Zweck, die Modelle nicht minderwertig wirken zu lassen. entschloss man sich im Hause Innocenti, den bekannten Designer Nuccio Bertone zu engagieren. Heraus kamen richtungsweisende, zeitlose Designs, die auch heute noch begeistern.

Lambretta Junior 50, Junior 100 (Cento) und Junior 125 Serie
1964 veröffentlicht Innocenti die Junior-Familie des beliebten Roller-Herstellers, die durch ihre niedrigen Preise, preisbewusste Käufer ansprechen sollte. Optisch an die Piaggio-Modelle angelehnt, hatten diese eine selbsttragende Karosserie aus einer Stahlblechkonstruktion mit Verbindung zum Luftfilter, ähnlich der einer Vespa. Der Motor befand sich inmitten des Chassis und war an die Li-Modelle angelehnt, hier jedoch wurde der Zylinder wieder stehend konstruiert.
Im Laufe der Zeit erschienen bis Produktionsende mit der Junior 50, Junior 100 (Cento) und Junior 125 (Super Starstream) insgesamt vier Versionen mit jeweils noch eigenen Ausführungen in ihrer Kubikklasse: Angefangen mit einem 50 ccm Motor mit 1,47 PS und Dreiganggetriebe, einem 4,7 PS starken Aggregat der Junior 100, bis hin zu einem 125 ccm Modell mit Drei- bzw. Vierganggetriebe und 5,8 PS, mit dem stolze 80 km/h erreicht wurden. Auch optisch erhielt die Modellreihe immer wieder kleine Anpassungen. Die Serie fand mit dem Junior 125 (Super Starstream) im Jahr 1969 und insgesamt über 143.000 verkauften Einheiten ihren Abschluss. Um der nachfolgenden Modellgeneration einen neuen Anstrich zu verleihen, engagierte Innocenti den bekannten Designer und Konstrukteur Giuseppe „Nuccio“ Bertone, der sich für die Lui-Serie verantwortlich zeigte.

Lambretta Lui 50 und Lui 75 Serie
Unter dem Slogan “All for Lui, and Lui for all” brachte Innocenti im März 1968 die Lui-Reihe auf den Markt. Dabei waren die Einflüsse Bertones deutlich zu erkennen und zeigten sich in einem „spacigen“, zeitlosen Design, dass seiner Zeit voraus war. Während der Vorderteil aus dem bekannten Rohrrahmen bestand, wurde der hintere Teil nun aus einem Guss angefertigt. Federung als auch Mechanik entstammen der Junior-Reihe. Die Bremstrommel wurde aus Stahl hergestellt. Sechs Ausführungen wurden bis Ende 1970 gebaut und optisch sowie funktionell immer wieder überarbeitet.
Nur kurz nach Veröffentlichung der Lui 50 wurde bereits die Lambretta Lambretta Lui 75 präsentiert. Im Gegensatz zu den 50er Modellen hatten diese Versionen ein elektrisches System mit mehr Leistung für Fern- und Bremslicht sowie einen stärkeren Motor mit 5,2 PS. Die Besonderheit der Lui 75 bestand hauptsächlich in der Lube-Matic, eine Getrenntschmierung, die sich in einem separaten Tank befand und über eine Pumpe zum Treibstoff zugemischt wurde. Von Beginn der Modellreihe im März 1968 bis zum Ende im Dezember 1970 konnten insgesamt über 36.000 Stück abgesetzt werden.

Krise und Produktionsende für die Lambretta

Ende der 1960er Jahre waren erste Risse in der Erfolgsgeschichte erkennbar. Die Krise mit Ende des bisherigen Hypes der Roller und eine verstärkte Konkurrenzsituation durch Vespa und Co. machten dem beliebten Hersteller zu schaffen. So sehr, dass im Jahr 1971 die letzten Lambrettas in Mailand vom Band rollen sollten. Ein Jahr nach offiziellem Produktionsende und der Werksschließung wurden die dortigen Fertigungsmaschinen von dem Hersteller Scooter India Ltd. (S.I.L.) gekauft, die auf Basis der DL-Reihe, sogar bis Ende der 90er Jahre, noch Lambrettas in Asien herstellte. Auch der Hersteller Serveta, der zuvor schon unter offizieller Lizenz die Modelle in Spanien herstellte, produzierte auf Basis der Serie 3 die LI sowie SX Serie unter den Namen Lince/Lynx, Serie 80 und Jet 200 bis Mitte der 80er Jahre. In dieser Zeit erhielten die Lambretta-Modelle technische Innovationen wie größere Scheinwerfer, Stoßdämpfer an der Gabel und Teile aus glasfaserverstärktem Kunststoff spendiert.

Heutzutage genießt die Lambretta nicht nur bei eingefleischten Fans Kultstatus, sondern erfreut sich auch bei Liebhabern von Oldtimern und in der Roller-Community großer Beliebtheit. So werden von vielen Herstellern Tuningteile entwickelt und auf den Markt gebracht.

Lambretta Modellkunde Folge 1

Lambretta Modellkunde Teil 2

Lambretta Modellkunde Teil 3

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Jesco
Jesco

Jesco ist Techniker und Produktentwickler bei SIP Scootershop. Vielen ist er aus Videos aus dem SIP TV Tutorial Kanal bekannt, wo Jesco komplizierte Zusammenhänge einfach erklärt.