SIP Aid: Lebensmittel für die Ukraine

Erstellt von Dietrich Limper um 12:12 Uhr am 21. Dezember 2022

Die Menschen in der Ukraine haben es derzeit nicht leicht, sind sie doch durch den russischen Dauerbeschuss der lebensnotwendigen Infrastruktur immer öfter dazu gezwungen, tagelang ohne Strom, Wärme und Wasser auszukommen. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie beschwerlich das Leben unter diesen Bedingungen bei winterlichen Temperaturen ist. Besonders Familien mit Kindern leiden heftig und können jede Hilfe dringend brauchen. Als sich für SIP Scootershop die Möglichkeit ergab, schnell und unbürokratisch etwas zu unternehmen, musste nicht lange nachgedacht werden. Und das kam so …

#Vorfreude einmal anders

Ende November kam unser Freund Ruslan Gerber aus der Gemeinde Hurlach im Landkreis Landsberg auf SIP Scootershop Geschäftsführer Alex zu und äußerte eine eher ungewöhnliche Bitte:

„Alex, kannst du mir 100 Kartons zur Verfügung stellen?“

„Kein Thema, aber wofür brauchst du so viele Kartons?“

Ruslan erklärte, dass er mit seiner überkonfessionellen Missionsgemeinschaft „Jugend mit einer Mission“ (JMEM) unter anderem Lebensmittel für Familien in der Ukraine sammelt und die Pakete über die Grenze bringt. In den vergangenen Monaten hat er mit seinem Team schon viele solcher Aktionen gestartet und Hilfsgüter in der Ukraine verteilt. Ruslan selbst lebt seit 13 Jahren in Deutschland, aber seine Geschwister sind noch vor Ort, kennen die Situation aus erster Hand und wollen ihre Freunde und Familien nicht im Stich lassen.

„Wir waren von diesem Engagement beeindruckt, denn wir schätzen Menschen, die nicht lange reden, sondern einfach anpacken“, sagt Alex und beschloss spontan, die nächste Lieferung zu verdoppeln und stellte außerdem den SIP Sprinter zur Verfügung, damit die Hilfe zügig vor Ort eintreffen kann. Auch die Leute von ALDI Süd waren auf Zack und stellten in kürzester Zeit eine Lebensmittellieferung zusammen, die von SIP Scootershop für 3.000 Euro gekauft wurde. Die Redl Karton GmbH musste ebenfalls nicht lange überzeugt werden, sondern schickte uns umgehend eine Extrafuhre Kartons. Und schon stand das ganze Team von SIP Scootershop, gemeinsam mit der Mannschaft von Abgedreht, im Lager, um an einem Vormittag die Pakete nach einer genauen Liste und Vorgabe zu packen: Nudeln, Reis, Öl, Thunfisch, Dosenfleisch, Zucker, Mehl und weitere lebensnotwendige Dinge. Außerdem unterschrieb jeder Mitarbeiter eine Weihnachtskarte mit einem ganz persönlichen Gruß.

Ruslan und Alex
Alles eingeladen, es kann losgehen. Ruslan (links) und Alex sind guter Dinge.

Acht Stunden Wartezeit an der Grenze

Am 14.12. machte sich ein vierköpfiges Team von JMEM in aller Herrgottsfrühe auf den weiten Weg gen Osten: Frank Bauer und Gattin Heidi sowie Vladimir Garber nebst Ehefrau Valentina. Mit an Bord die 200 Kartons Lebensmittel, vier Strom Generatoren und wärmende Einlagen für Schuhe. Die ersten 1.300 Kilometer führten über Dresden zum Grenzübergang nach Polen bei Görlitz, dann immer weiter auf der E40 vorbei an Breslau, Katowice und Krakau bis zur ukrainischen Grenze bei Krakowez. Die Wetterbedingungen waren suboptimal, Schnee und Eis waren ständige Begleiter. Gegen 23:30 Uhr war der SIP-Sprinter auf ukrainischem Boden unterwegs und kämpfte sich durch die Winterlandschaft bis ins rund 300 Kilometer entfernte Riwne. An der Golgatha Kirche wurden sie in den frühen Morgenstunden des 15. Dezember voller Freude empfangen und konnten einen großen Teil der Ladung löschen, wie Frank Bauer berichtet: „Die Hälfte der 200 Kartons wurde ins Lager der Kirche gepackt, von dort aus gelangen die Pakete zu bedürftigen Menschen. Wir haben eine Nacht im Hotel verbracht, bevor meine Frau und ich am nächsten Tag bis Ternopil weitergefahren sind, wo JMEM eine Basis hat. Das waren noch einmal rund drei Stunden auf vereisten Straßen.“

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Die mutigen Fahrer: Frank und Heidi Bauer mit Valentina und Vladimir Garber (von links)

Von Ternopil aus werden die Lebensmittel von Einheimischen direkt ins tausend Kilometer entfernte Bachmut gebracht, wo die Front verläuft. Für Frank und Heidi Bauer hingegen ging es zurück nach Riwne, um am 18. Dezember am Gottesdienst in der Golgatha Kirche teilzunehmen. Danach stand die beschwerliche und durch die Wetterbedingungen gefährliche Rückreise auf dem Programm. Alles lief buchstäblich glatt, bis es an der polnischen Grenze nicht mehr weiterging. Frank Bauer erinnert sich: „Wir sind gegen 20 Uhr an der Grenze angekommen und die Abfertigung dauerte acht Stunden, denn die Ukrainer kontrollieren sehr streng, damit keine jungen Männer ausreisen oder Waffen geschmuggelt werden. Wir mussten tatsächlich jedes Gepäckstück vorzeigen. Nachdem wir das hinter uns hatten, konnten wir schnurstracks bis Landsberg fahren, wo wir am 19. Dezember um halb sieben eintrafen.“

In der Ukraine
Übergabe in der Ukraine

Eine Reise, die sich für alle Beteiligten gelohnt hat, wie Frank Bauer bestätigt: „Es war bewegend zu sehen, wie die Menschen mit dieser schwierigen Situation im Krieg umgehen, zusammenstehen, die Hoffnung nicht verlieren und sich um ihre Mitmenschen kümmern, denen es noch schlechter geht, weil sie beispielsweise auf der Flucht sind. Sie sind für jede kleine Hilfe dankbar, die von außen reinkommt. Und wir konnten dazu beitragen, ihnen Mut und die Hoffnung zu geben, dass dort wieder Frieden einzieht.“

Gattin Heidi schildert ihre Erlebnisse: „Ich bin einfach beeindruckt von dem Mut eines jeden einzelnen, der mit den Lebensmitteln an die Front fährt, ohne sich das zweimal zu überlegen. Das hat mich fast beschämt. Für uns mag das eine anstrengende, weite Reise gewesen sein, aber wir fahren in ein relativ sicheres Gebiet. Aber diese Menschen gehen noch einen Schritt weiter.“

Ruslan Gerber zieht ein Fazit der gemeinsamen Aktion mit SIP Scootershop: „Alex hat direkt zugesagt, Kartons zu liefern und als er hörte, dass unsere beiden Busse defekt sind, hat er sofort den Sprinter angeboten. Das war für uns ein kleines Wunder, denn damit hatten wir nicht gerechnet. Wir sind für die Zusammenarbeit mit SIP sehr dankbar.“

Abschließend sagt Alex: „Wir bedanken uns bei allen, die so tatkräftig mit angepackt haben, damit wir die Not der Menschen im Kriegsgebiet wenigstens ein bisschen lindern konnten.“

Bildergalerie: SIP Aid packt Lebensmittelpakete für Familien in der Ukraine

SIP Aid: Food Donation for Ukraine Families

Video SIP Aid in der Ukraine

Dietrich Limper
Dietrich Limper

Dietrich Limper arbeitet als Redakteur für SIP Scootershop, außerdem schreibt er für lokale und überregionale Publikationen. Wenn er nicht gerade Geocachen geht, erträgt er stoisch die betrüblichen Eskapaden von Bayer Leverkusen.