Camping Vespa aus Arizona

Erstellt von Dietrich Limper um 15:12 Uhr am 9. Dezember 2021

Als uns Tom Burick angeschrieben und von seinen Projekten berichtet hat, mussten wir nicht lange überlegen. Seine umgebauten alten und modernen Roller mit Anhängern sind so cool, dass wir sie euch unbedingt zeigen müssen. Und natürlich wollten wir mehr über den Menschen wissen, der diese fahrenden Kunstwerke erschafft. Sein neuestes Projekt ist ein „Cabin Car Teardrop“, also ein kleiner Wohnwagen, den er an seine 1962er Vespa VBB ankoppelt und hinaus in die weite Welt fährt – zum Beispiel in die Wüste von Arizona. Wir haben Tom ein paar Fragen zu seinen Rollern und Ideen gestellt.

Camping Vespa
Das neueste Projekt von Tom Burick steht für Freiheit, Reiselust und Abenteuer.

Tom Burick – ein Mann und seine Liebe zu Motorrollern

Tom, erzähl uns doch einfach ein bisschen über dich selbst. Wo lebst du und was machst du, wenn du keine Roller umbaust?

Ich bin 52 Jahre alt, sehe aber jünger aus und lebe in Mesa, Arizona. Hauptberuflich arbeite ich als Lehrer. Alle meine Schüler leben mit Autismus. Die Kinder sind großartig, und sie lehren mich jeden Tag etwas fürs Leben.
Mein früherer Beruf war zehn Jahre lang die Robotik. Ich habe im Jahr 2000 ein Robotik-Unternehmen gegründet, mehrere Patente auf meinen Namen angemeldet und konnte Roboter in 17 Ländern auf der ganzen Welt einsetzen. Maschinenbau und Metallverarbeitung sind meine Leidenschaften, und ich war sehr glücklich, dass ich meinen Lebenstraum ein Jahrzehnt lang mit der Roboterfirma verwirklichen konnte. Motorroller sind eine Erweiterung dieser mechanischen Leidenschaft, und ich liebe es, ausgefallenes Zubehör für meine Motorräder zu entwerfen und zu bauen.

Wie hat es mit der Liebe zur Vespa und anderen Rollern angefangen?

Seit ich ein kleiner Junge war, hatte ich immer ein Mini-Bike, Moped oder Go-Kart. Ich habe motorisierte Fahrzeuge geliebt. Als Erwachsener bin ich von all dem abgekommen. Zu viele Verpflichtungen und zu viel Stress. Für Spaß war in meinem Leben keine Zeit mehr. Nachdem ich über fünf Jahre lang keinen Urlaub gemacht hatte, fuhr ich 2002 für ein Wochenende an den Strand. Ich spazierte durch den Strandort, und jemand vermietete chinesische 50-ccm-Roller. Aus einer Laune heraus mietete ich einen für eine Stunde. Innerhalb weniger Minuten fiel der Stress des Lebens wie ein Stein von mir ab. Ich fühlte mich so frei. So glücklich. Es erinnerte mich daran, wieder ein kleiner Junge zu sein und Mini-Bike-Abenteuer zu erleben. Ich war süchtig. Ich fuhr nach Hause und kaufte eine brandneue Genuine Stella, die, wie ihr wisst, ein Nachbau der PX150 aus Indien war. Seitdem habe ich vier Stellas, zwei PX150, mehrere moderne Vespas und derzeit eine VBB von 1962 besessen.

Wie bist du auf die Idee zu dem Camping-Roller gekommen?

Dieser kleine Anhänger war ursprünglich ein schnelles Wochenendprojekt für meine Schüler. Ich unterrichte freitags eine Camping-AG und wollte meine Kinder mit einem kleinen Schaumstoffanhänger überraschen, in dem sie herumklettern, spielen und in der hinteren Kombüse kochen konnten. Die Idee war, den Anhänger hinten an meine 1962er Vespa VBB anzukoppeln und als Überraschung auf den Schulhof zu rollen.

Alte Vespa Anzeige
Das große Vorbild für Toms Version: Cabin Car Teardrop.

 ... with a little help from my friends

Erzähl uns, wie das Cabin Car entstanden ist. Hast du alles alleine gemacht?

Ich habe viele Freunde, die handwerklich begabt sind, und als ich ihnen von dem Projekt erzählte, sprangen einige von ihnen ein, um zu helfen. Mein Freund Jesse half mit dem Rahmen des Anhängers. Ursprünglich wollte ich den Rahmen aus dünnem Holz bauen, weil der Anhänger als Wegwerfartikel gedacht war ... nicht mehr als ein vorübergehendes Spielzeug für die Kinder. Jesse ist ein Metalltyp wie ich, und es war einfacher, schneller und leichter, ihn aus Aluminiumschrott zu bauen. Wir haben den Rahmen in etwa drei Tagen gebaut.
Mein Freund Rob half uns bei der Erstellung der Original-CNC-Schnittdatei für die Seiten des Anhängers. Als Vorbild diente uns ein altes „Cabin Car Teardrop“, das ich im Internet gefunden hatte. Unsere Version ist etwa 25 % kleiner als das Original. Rob hat auch die vier Acrylfenster für den Anhänger mit seinem Lasercutter geschnitten. Ich kaufte Platten aus Verbundschaumstoff in einem Baumarkt und fand ein lokales Unternehmen, das mir freundlicherweise anbot, den Schaumstoff kostenlos per CNC zu schneiden.
Ich wollte den kleinen Schaumstoffanhänger mit dem „Fiberglas des armen Mannes“ (= Poor Man's Fiberglass = PMF) verkleiden, weil das schnell und billig ist. PMF ist nichts anderes als Holzleim, Leinwand und Latexfarbe auf Wasserbasis. Ich hatte keine Erfahrung damit, und nach einer langen Suche im Internet fand ich Lucy, eine örtliche Holzarbeiterin, die eine Meisterin im Umgang mit PMF ist. Ich entdeckte sie in einem YouTube-Video und zu meinem Erstaunen wohnten wir nur neun Minuten voneinander entfernt! Ein kleines Wunder war geschehen und das Projekt nahm eine völlig andere Richtung an.
Lucy und ich begannen, den kleinen Anhänger zusammenzubauen, und der Anhänger fühlte sich sehr speziell an. Wirklich besonders. Er war bezaubernd und absurd. Er war ein riesiges, skurriles Spielzeug. Die Künstler und Handwerker, die an diesem Projekt beteiligt waren, waren so begabt, dass die Konstruktion des Anhängers alles andere als ein Einwegprodukt war. Mit 170 Pfund (77 kg) war er leicht, aber extrem gut gebaut. Als wir ihn in Lucys Garage bauten (das Garagentor war die meiste Zeit geöffnet), blieben die Passanten auf dem Bürgersteig stehen, starrten uns an und stellten viele Fragen. Sie lächelten breit und ehrlich, als sie den kleinen Schaumstoffanhänger betrachteten. Das brachte Lucy und mich dazu, ebenfalls breit zu lächeln. Da wurde mir klar: „Das ist SO VIEL MEHR als nur ein Kinderspielzeug. Es ist ein Medium der Freude und der menschlichen Verbindung.“
Es war eine Verbindung, nach der ich mich fast mein ganzes Leben lang gesehnt hatte. Ich denke, dass wir uns ALLE nach einer solchen Verbindung sehnen. Da beschloss ich, den kleinen Schaumstoffanhänger mit der ganzen Welt zu teilen. Ich gründete einen YouTube-Kanal, damit jeder an der Freude teilhaben konnte, die dieses kleine Refugium zu bieten hat. Ich habe immer noch vor, ihn jeden Freitag in meinem Campingclub zu benutzen. Ich bin mir sicher, dass die Kinder es lieben werden, ihn auch überall im Internet zu sehen!

Wohnwagen im Bau
Ein Blick in die Werkstatt.

Was hat dich der Spaß denn bis jetzt gekostet?

Was die Kosten angeht, so habe ich noch keine Gesamtsumme. Ich habe alle Quittungen aufbewahrt und werde ein spezielles YouTube-Video drehen, in dem ich die Kosten zum ersten Mal zusammenzähle. Wenn ich schätzen sollte, würde ich sagen, vielleicht 1.500 $ in Teilen. Nebenbei bemerkt, war das ursprüngliche Budget auf 300 $ festgelegt. Haha.

Welche Roller fährst du neben der VBB und gibt es einen Club in deiner Nähe?

Neben der VBB von 1962 habe ich auch eine Yamaha Morphous („Yamaha Maxam“ oder „CP250“ – Anm. d. Red.) von 2008 und eine Yamaha Vino 125 von 2007. Die Morphous hat einen Hubraum von 250 cm³ und ist daher mein Straßenroller für lange Fahrten. Die 2007er Yamaha Vino ist auch eine Spezialanfertigung. Ich liebe die Ästhetik der Jahrhundertmitte, also habe ich einen „fiktiven Aufbau“ gemacht und die Vino in einen Roller aus den 1950er Jahren umgewandelt, komplett mit einem kleinen Frachtanhänger, den ich selbst gebaut habe. Mein Traumjob wäre es, in einer echten Werkstatt zu arbeiten, wo ich ausgefallene Anhänger und andere Sonderanfertigungen für Oldtimer-Roller entwerfen und bauen könnte. Ich bin seit über 20 Jahren von Motorrollern besessen, und das wird sich auch so schnell nicht ändern.
Was Rollerclubs angeht, so bin ich ein sehr stolzes Mitglied des „Sirens of Titan Scooter Club“ in Phoenix, Arizona. Wir sind ein kleiner Club mit nur ein paar Mitgliedern, aber die Freundschaft und Kameradschaft sind unbezahlbar. Wir fahren eine Mischung aus Oldtimern und modernen Rollern, und an den meisten Wochenenden machen wir Coffee-Shop-Hopping. Jason, der Gründer des Clubs, ist auch ein Camping-Typ, also gibt es zwischendurch jede Menge Scooter-Camping-Abenteuer. Er ist ein wunderbarer Kerl und ein toller Freund.

Weitere Projekte

Die Camping-Vespa war aber nicht dein erstes Projekt. Was hast du noch gebaut?

Ich habe 2006 mit dem Bau von Transportanhängern für Roller begonnen. Mein erster war der rot-weiße Vespa PX150-Anhänger. Die Inspiration für das Design des Anhängers waren Kinderwagen aus den 1950er Jahren, Science-Fiction-Raketen aus der Mitte des Jahrhunderts und alte Motorräder.
Damals war mir noch nicht klar, dass der Bau des Anhängers auch eine psychologische Komponente hatte. Meine Karriere war damals sehr stressig, und ich glaube, ich habe den Frachtanhänger als Reaktion auf den Stress gebaut. Ich stellte mir vor, wie ich diesen kleinen Anhänger mit ein paar einfachen Habseligkeiten beladen würde, um in den Sonnenuntergang zu fahren und nie wieder zurückzukehren. Ich liebte den Gedanken daran.
Der Frachtanhänger war ziemlich nützlich. Ich nahm ihn mit zum Lebensmittelgeschäft, zu Flohmärkten und nutzte ihn für Besorgungen in der ganzen Stadt. Er gefiel mir so gut, dass ich für fast jedes Zweirad, das ich besaß, einen Lastenanhänger gebaut habe.

 

Vespas mit Anhänger
Die weiß-rote PX und die Honda Metropolitan.

Der nächste Anhänger, den ich gebaut habe, war für meine Honda Ruckus (bei uns bekannt als „Honda Zoomer“ – Anm. d. Redaktion). Ich habe ihn in einem sehr militärischen Stil gebaut, damit er zum robusten Aussehen des Zweirads passt. Zwei Wochen nach Fertigstellung dieses Anhängers bin ich mit der 50-ccm-Ruckus und dem Anhänger über 7.000 Meilen durch die Vereinigten Staaten und Mexiko gefahren. Allein. Ich brauchte drei Monate dafür und erlebte das Abenteuer meines Lebens. Diese Reise hat mich verändert.
Etwa ein Jahr später baute ich den Anhänger für die schwarze Honda Metropolitan („Honda CHF50“ – Anm. d. Redaktion). Mit diesem Anhänger am Roller habe ich über 6.000 Meilen zurückgelegt. Dieser Roller ist vielleicht sogar mein Favorit. Die saubere Ästhetik und die komplett schwarze Lackierung von Roller und Anhänger waren wunderschön. Ich habe massig Komplimente für diesen Umbau bekommen.
Der letzte Frachtanhänger, den ich gebaut habe, war für meine 2007er Yamaha Vino 125. Ich glaube, ich habe diesen Anhänger um 2017 herum gebaut. Ich habe die Vino 125 komplett überarbeitet, damit sie wie ein Oldtimer-Roller aus den 50er Jahren aussieht. Ich habe ihn zweifarbig lackiert, individuell gepolstert und mit viel Chrom versehen. Einige der Chromteile stammen von amerikanischen Autos aus den 1950er Jahren, die ich auf Tauschbörsen gefunden habe. Wenn ihr genau hinseht, werdet ihr einen farblich angepassten BMW-Reserverad-Benzinkanister sehen, der an der Innenseite der Beinverkleidung dieses Rollers angebracht ist.
Ich mag meinen Job als Lehrer, aber mein großer Traum wäre es, diese Fracht- und Campinganhänger zu bauen, um davon leben zu können. Ich habe das Gefühl, dass ich erst am Anfang stehe und noch eine Million weitere coole Ideen habe.

Vespa PX 150
„Meine PX150 mit einem anderen BMW-Reserverad-Ersatztank vom deutschen Markt. Sie sind ästhetisch schön und haben genau die richtige Größe für einen Motorroller. Ich kaufe sie bei eBay in Deutschland und lasse sie mir in die USA schicken.“

Was bedeutet eine Vespa für dich?

Zeitlose Freiheit. Eine alte Vespa zu fahren, lässt mich in der Vergangenheit leben. Das gefällt mir. Die Vergangenheit hat bereits stattgefunden, und wir kennen das Ergebnis. Sie ist endlich. Sie ändert sich nicht mehr. Mir zu erlauben, in diesem Raum unterwegs zu sein, gibt mir ein enormes Gefühl der Sicherheit. Außerdem bin ich ein extrem mechanischer Typ und ich LIEBE es, wie man eine alte Vespa einschalten muss. Den Benzinhahn aufzudrehen, den Choke herauszuziehen, das Schaltgetriebe, die Doppeltrommelbremsen, das Geräusch und der Rauch des Motors ... das ist für mich jedes Mal eine meditative Erfahrung, wenn ich fahre. All das ist in herrliche Freiheit verpackt. Das ist es, was die Vespa für mich bedeutet.
Die Welt dreht sich um meine Roller. Von der Kleidung, die ich trage, über die Freunde, die ich habe, bis hin zu den Hobbys, denen ich nachgehe – alles dreht sich um meine Roller.

Tom, wir danken dir für deine Antworten und freuen uns schon auf dein nächstes Projekt, über das wir gerne wieder berichten werden.

Jetzt aber los mit Tom in die Wüste von Arizona. Ihr könnt euch auch deutsche Untertitel bei YouTube zuschalten. Außerdem gibt es hier noch ein Video, in dem Tom ein leckeres Thanksgiving Dinner an seinem Camper zubereitet.

Und natürlich noch viel mehr Fotos von Tom, seinen Freunden und Projekten

Camping Vespa
Dietrich Limper
Dietrich Limper

Dietrich Limper arbeitet als Redakteur für SIP Scootershop, außerdem schreibt er für lokale und überregionale Publikationen. Wenn er nicht gerade Geocachen geht, genießt er die erste Deutsche Meisterschaft von Bayer Leverkusen.

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