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SIP Team-Blog

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VESPA Road Trip Champagne/Frankreich 2019 by SIP Scootershop


 

 

Schon mal in der Champagne gewesen? Ist schön dort. Man kann Champagner trinken bis zum abwinken und sich zeigen lassen wie der schaumige Perlwein hergestellt und gelagert wird. Details um den genauen Herstellungsprozess, die zweite Gärung in der Flasche und das „Rütteln“ skippen wir besser an dieser Stelle, denn eigentlich geht es darum nicht. Vielmehr geht es um den Weg, der bekanntermaßen das Ziel ist. An und Abreise in die nordöstliche Provinz Frankreichs darf nämlich jeder selbst gestalten wie er möchte. Unsere lustige Reisetruppe entschied sich, trotz durchwachsener Wetterprognosen, für eine Anreise per Vespa. Wohlgemerkt ohne Besenwagen, wie das bei uns Tradition hat. 

 

 

An einem Donnerstagmorgen ging‘s los. Geschniegelt und gestriegelt machte sich die hochmotivierte Reisetruppe, bestehend aus SIP Scootershop Mitarbeitern, unserem Freund „Alu“ aus Taiwan (ZELIONI) und unserem langjährigen Kunden Park aus Seoul (Vespa Garage) auf den Weg Richtung Bodensee. Das erste Etappenziel war Überlingen. Auf einer bezaubernden Anhöhe, mit Blick auf den ruhig daliegenden See empfing uns Tim Große-Braukmann von Vollgas Motoroller mit einem erstklassigen Antipasti Buffet und erfrischenden Kaltgetränken. Grazie Tim, war schön bei dir. Von dort ging‘s mit dem ortskundigen Thomas von der Vespassione als Guide weiter in Richtung Freiburg. Wir schlängelten durch kleine Dörfchen und schnupperten mit Wonne die feinwürzige Landluft gemischt mit einem Hauch Zweitakt Odeur. Zusammen mit Nico von Schall und Rauch durchkämmten wir den Ortskern Freiburgs und trafen uns dort mit unseren Freunden vom Scooter Club de Sud Est. Grand Plaisir. Die Nacht war kurz, der Morgen nicht aufzuhalten. 

 

 

 

 

Die südlichen Vogesen warteten und unsere mittlerweile auf siebzehn Mann angewachsene Reisegruppe kurvte die Route des Cretes leichtfüßig nach Nancy. Wobei, so ganz leichtfüßig war‘s gar nicht. Gegen Ende wurde es war kalt, nass und alle freuten sich als wir endlich das warme Parkhaus im Zentrum der Stadt erreicht hatten. Wir speisten fürstlich zu Abend und nächtigten wie die Prinzen auf der Erbse im Grand Hotel De La Reine direkt am Place Stanislas.  

Von Nancy führte unsere Route am nächsten Tag nach Verdun. Schon der Weg dorthin zeigte uns unzählige Gedenkstätten und Soldatenfriedhöfe. Das Gefühl in den Magengruben wurde dumpfer. Die Schrecklichkeit, die sich in den zehn Monaten während des 1. Weltkriegs zwischen Deutschen und Franzosen an diesem Ort zugetragen hatte, ließ sich kaum begreifen und nur schwer in Worte fassen. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines in der Schlacht von Verdun eingesetzten Soldaten betrug Anfang Mai 1916 nur 14 Tage. Unser gemeinsamer Besuch hatte eine unheimlich starke Symbolik und Wirkung auf alle Teilnehmer. Wie gut es uns doch heute geht.

Anschließend ritten wir wie Don Quijotes und Sancho Panza gegen Windmühlen. Nicht enden wollende Geraden und starker Gegenwind machten das Weiterkommen zur Nackentortour und unsere Motoren zu glühenden Bollwerken. Auch diesen Test sollten wir pannenfrei überstehen und wir rollten andächtig über die ehemalige Rennstrecke Circuit de Reims-Gueux. Als Belohnung bekamen wir eine sehr informative Champagnerführung nebst Verkostung in der kleinen Kellerei Roger Coulon.

Der Morgen grüßt mit Zahnausfall. Eines unserer Getriebe hatte sich auf einer Sightseeing-Tour direkt vor der Kathedrale Notre-Dame de Reims verabschiedet. Das geschwächte aber noch lebendige Fahrzeug wurde kurzerhand wie ein Kälbchen mit einem Strick an einer Platane angebunden (Hebebühnenersatz) und fachmännisch operiert. 2. Und 3 Gang sowie die Nebenwelle irreparabel kaputt. Sonntag. Eine Facebook Nachricht brachte passende Spenderorgane des hiesigen Vespa Club de Champagne hervor und Alex´ 180SS  kurze Zeit später wieder auf die Straße. Bon anniversaire! Als Belohnung gab es wieder eine Führung, diesmal in eine der größten Champagner Kellereien überhaupt. Manchmal muss es eben MUMM sein... Gegessen wurde im Zentrum von Reims.

 

 

 

 

Unsere französischen Freunde mussten wir leider schon früh morgens ziehen lassen. Doch nicht ohne großen Dank für die sensationelle Organisation an Jacques und das übliche Gebussel. Denn ohne Gebussel geht in Frankreich nämlich gar nichts. Wenn nicht zur Begrüßung oder zum Abschied geknutscht wird ist was im Busch, einer beleidigt oder prinzipiell unpässlich. Keiner dieser Punkte traf zu, also gabs Bussis für alle und danach Autobahn in Richtung Metz. Wir schoben quasi den Regen vor uns her wie Schneeräumer. Immer wenn wir ein paar Tropfen abbekamen, machten wir eine Kaffeepause und ließen dem miesen Wetter etwas Vorsprung. Dann kam der Kolben-Klemmer bei Luca´s Quattrini M244. Mit Schmirgelpapier und Feile wurden Zylinder und Kolben so lange bearbeitet bis der Motor wieder lief und den Reiter unbescholten gegen Abend bis nach Strasbourg brachte. Eigentlich unfassbar wie man einen zerstörten Kolben am Straßenrand wieder in Form bringen kann. Top Dinner & anschliessende Kneipentour im schönen Straßburg, kurze Nacht. 

Arschkalt über den Asphalt durch den Schwarzwald. Wir hatten alles an Klamotten an, was die spärlichen Wäschesäcke hergaben, inklusive Regenpelle und trotzdem war‘s kalt wie im Champagnerkühlschrank. Auch warme Gedanken halfen nichts. Kurze Revitalisierung ergab das vorzügliche Mittagessen in Sulz. Ab Memmingen Regen aus Eimern. Durchnässt und trotzdem beflügelt aufgrund der zahlreichen, unvergesslichen Erlebnisse, die wir gemeinsam erleben durften, waren alle Protagonisten froh wieder zu Hause im Kreis der Liebsten zu sein. 

Ist es mutig, mit nur einer handvoll Ersatzteilen, (die dann teilweise sogar fahrlässig zu Hause vergessen wurden) ohne Besenwagen, auf über 50 Jahre alten Kisten, in 5 Tagen, knapp 1800 Kilometer durch Frankreich zu düsen? Nein! 

Vespa fahren verbindet. Über Religion, Nationalität, Geschichte oder Alter hinaus. Klar gehört etwas Glück dazu, trotzdem war es leicht, die nötigen Ersatzteile zu bekommen und es ist immer ein gutes Gefühl Gleichgesinnte zu treffen.

Resümee: Ein verrückter Haufen, der bunter nicht gemischt sein konnte. Zwei Reifenpannen, ein geschrottetes Getriebe, ein Kolbenklemmer, haufenweise Vino & Champaninger, unzählige Geschichten und glückliche Kinderaugen. 

 

Alle Bilder findet ihr hier auf flickr.

 

2020 wird´s wieder wärmer. Es geht in den Süden. #HardCorsicaVol.2

 

 

Christian vom SIP Scootershop   

 

 

SIP TV Video vom Vespa Road Trip Champagne 2019:

 

 

 

 

 


Eingetragen Aug 27 2019, 10:46 von Ralf

 
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