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Heinkelroller in „Pitts Todeswand“


Das Traditionsfahrgeschäft „Pitt's Todeswand“ und der Heinkel-Club Deutschland e.V. wiederholten im Vorfeld des Oktoberfests 2011 das waghalsige Experiment mit dem 9,5 PS starken Heinkel Tourist in der Steilwand zu fahren.



Seit bald 75 Jahren zeigen tollkühne Männer und Frauen waghalsige Akrobatik in der Steilwand. Die seit den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts im Familienbesitz befindende Steilwand wurde vor zwei Jahren mit viel Liebe überarbeitet. Die alte Holzkonstruktion des Kessels mit acht Metern Höhe und zwölf Metern Durchmesser erstrahlt seitdem im Charme vergangener Jahre in ihren ursprünglichen Farben Rot und Elfenbein. Fast verschwunden waren die Erinnerungen an die frühen 60er Jahre, als mitten in der Blütezeit des Wirtschaftswunders die Firma Heinkel versuchte, ihren Heinkel Tourist Roller mit spektakulären Aktionen der Öffentlichkeit zu präsentieren. Was lag damals näher, als die Robustheit und Zuverlässigkeit des Rollers in einer Steilwand zu demonstrieren? Pitt's Todeswand war damals, wie auch heute noch, der geeignete Ort für eine solche Aktion. Fünfzig Jahre nach diesem Ereignis war es der Heinkel-Club Deutschland e.V., der die Wiederholung des historischen Ereignisses in Pitt's Todeswand initiierte. Ein Mitglied hatte im Heinkel-Club Bildarchiv alte Bilder gefunden, die den Heinkel Tourist Roller in der Steilwand zeigten. „So eine coole Aktion müsste man wiederholen“, war der erste Gedanke - die Vorbereitungen sollten fast ein Jahr dauern. Aber zurück zum Anfang der Geschichte...  Zum Glück konnte man auf den historischen Bildern das Firmenlogo des Fahrgeschäftes erkennen. Nach intensiver Recherche wurde mit dem heutigen Betreiber von „Pitt's Todeswand“ Kontakt aufgenommen. Vor den Mitgliedern des Heinkel-Clubs stand nun der schwierigste Teil des Projekts. Wie kann man einen gestandenen Steilwandartisten überzeugen, mit dem Heinkel Tourist in der Steilwand zu fahren? "Ein Heinkel Roller, was ist denn das?", war natürlich die erste Frage. Normalerweise wird mit schweren Indian Motorrädern mit Starrrahmen gefahren, die sich ideal für das Steilwandfahren eignen. Mit nur 9,5 PS und den kleinen Rädern war das eine echte Herausforderung für Mensch und Maschine. Dass der Heinkel-Tourist das schaffen würde, hatte er ja schon vor fünfzig Jahren bewiesen. Ob die heutigen Artisten von „Pitt's Todeswand“ die Wand mit dem Heinkel bezwingen würden, musste sich erst noch herausstellen. Nebenbei erfuhren die Clubmitglieder, dass die historische Steilwand nicht mehr auf Reisen geht, sondern nur einmal im Jahr auf dem Münchner Oktoberfest aufgebaut wird. Also wurde kurzerhand der Steilwandfahrer Jagath Perera im Vorfeld eingeladen, sich den Roller einmal anzuschauen. In der Steilwand wird ein fast dreifacher Druck auf Mensch und Maschine ausgeübt. Da geht der Heinkel ganz schön in die Knie. Ob die Bodenfreiheit reichen wird? Ausprobieren konnte man es ja nicht, da die Wand ja noch nicht aufgebaut war. Das musste man vor Ort testen. Keiner wusste, ob die Roller vor mehr als fünfzig Jahren für diese Aktion präpariert wurden oder nicht.

 

 

Drei Monate Zeit hatten die Clubmitglieder sich auf das Ereignis vorzubereiten, ein Begleitteam, einen Fotografen sowie den Termin am Oktoberfest zu koordinieren. Bei über 50 km/h in einer engen Wand kann nur ein Profi ran, um gute Bilder zu machen. Volker Rost, Berufsfotograf, ist auf solche Actionbilder spezialisiert. Da niemand wusste, ob dieses Experiment funktioniert, wurde diese Aktion im kleinen Kreis innerhalb des Heinkel-Clubs geheim gehalten. Am Donnerstag, eine Woche bevor das Oktoberfest seine Pforten öffnete, ging es in geheimer Mission mit zwei Rollern im Bus nach München. Am nächsten Morgen, noch während der TÜV Abnahme der Steilwand, wurde mit dem Fotoshooting gestartet. Erst wurde der Reifendruck kräftig erhöht und anschließend das Profil mit der Flex "griffig" gemacht. Nach kurzem Test der Maschine ging es dann in die Wand. Schon nach wenigen Runden war klar - so geht es nicht. Der Ständer rasierte die frisch renovierte Lauffläche beim Übergang in die 45° Schräge. Also Ständer abgebaut, noch mehr Druck auf die Reifen und noch mehr Anfangsgeschwindigkeit um möglichst schnell zu einem rechten Winkel zwischen Bahn und Roller zu gelangen - und es gelang! Neben den Fotos, die der Fotograf auf artistische Weise schoss, wurde bei dieser wohl einmaligen Aktion auf dem Roller eine Videokamera installiert um das waghalsige Experiment auch aus der Sicht des Akrobaten festzuhalten, der mit jeder Runde mehr gefallen daran gefunden hat, mit einem über fünfzig Jahre alten Motorroller in der Steilwand zu fahren. 


Text: Jürgen Weber - Redakteur rollerJOURNAL

 

 

 

 

 


Posted Jun 04 2012, 03:35 by Ralf

 
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