6120 Gäste, 84 Mitglieder online.

Klassik Szene-Blog

  zurück zur Blogs Übersicht
 

Rally Bamako by Vespa 2012


Im Sommer 2011 sprachen uns Magnus und zwei seiner Freunde aus Oslo an, ob SIP Scootershop sie gerne bei einer verrückten Idee unterstützen würden: die drei hatten sich in den Kopf gesetzt, bei der Rally Bamako teilzunehmen. Auf drei Vespas! Wir haben umgehend ein Care-Paket mit jeder Menge Rollerteilen, drei Sätzen SIP Performance Stoßdämpfern sowie weiteren benötigten Teilen auf die Reise gebracht. Nach ihrer dreiwöchigen Reise kam das Trio Ende Januar wieder nach Hause, hier ist ihr Bericht:
Am 14. Januar starteten wir in Malaga. Eigentlich wollten wir ein gutes Stück ins marokkanische Rif-Gebirge kommen, aber nach drei Pannen schon am ersten Tag schafften wir es gerade mal bis in die spanische Enklave Ceuta in Afrika. Na ja, die Pannen hatten wir uns aufgrund schlampiger Schrauberarbeit wenigstens selber zuzuschreiben und sie konnten auch jeweils schnell behoben werden. Am nächsten Tag verzögerte sich unser Start dank eines zeitraubenden Grenzübertritts nach Marokko. Die Landschaft ist wunderschön und die Straßen durchs Rif-Gebirge ein mehr als erhebendes Erlebnis. Der Verkehr ist relativ dicht und an den afrikanischen Fahrstil müssen wir uns erst noch gewöhnen, aber nach einigen Stunden kommen wir auch damit verhältnismäßig gut klar. Große Fahrzeuge haben immer Vorfahrt, Lachen, Winken, freundlich Hupen vor jeder Kurve und dann gut aufpassen. Die Straßenverkehrsordnung kann man hier getrost vergessen, dafür ist der Fahrstil hier geschmeidiger und weniger aggressiv als in Europa… Am zweiten Tag kommen wir nach Meknes, 305 km im Landesinneren von Marokko. Eine ordentliche Distanz auf dem Roller, aber für eine Rally diesen Kalibers noch nichts, wofür man eine Postkarte nach Hause schreiben würde. Wir mussten unsere eigenen Straßenregeln und Routinen über den Haufen werfen. Ab jetzt waren Mittagspausen zum Essen in Cafés gestrichen, und auch Sightseeing und ähnliche Spielereien konnten wir getrost abhaken. Stattdessen hieß es nun eine Stunde fahren, fünf Minuten Beine vertreten, dann wieder eine Stunde fahren und tanken. Auf diese Weise schafften wir täglich die rund 500-600 km, die in den folgenden Tagen zu bewältigen waren. Oft waren wir zu spät dran für den Aufbau unseres Nachtlagers (also nach der Abenddämmerung), nur manchmal schafften wir es rechtzeitig zum Sonnenuntergang. Am dritten Tag überquerten wir das Atlas-Gebirge und erreichten die Sahara – fast 500 km hinter Meknes. Das war vielleicht der spektakulärste Tag der gesamten Rally. Wir kamen aus der grünen Hügellandschaft Nordmarokkos und fuhren den Mittleren Atlas hinauf. Dort erwarteten uns Pinienwälder, Affen und nach einer Weile ein ausgereifter Schneesturm auf rund 2.200m Höhe. Als wir weiter Richtung Süden kamen, verwandelte sich der Schneesturm in einen Sandsturm und die Landschaft bekam einen rötlichen Braunton (obwohl wir noch immer in den Bergen waren). Wir befanden uns nun in der Sahara, und die Sahara würde von nun an für die nächsten anderthalb Wochen unser Begleiter sein. Weiter südlich waren die Übergänge nicht so abrupt. Das Gebüsch am Straßenrand wurde langsam größer. Hier und da war ein Baum zu sehen – und nach einer Weile auch mehrere Bäume, größere Bäume, Baobab-Bäume und dann Wälder. Wir hatten die Sahara hinter uns gelassen. Die Straßen wurden schlechter. Es gab immer mehr Schlaglöcher und schließlich war die Hauptstraße nicht mehr als ein staubig roter Pfad. Am Anfang unserer Reise in Marokko fuhren wir noch bereitwillig die Pisten und Spuren der Rallyroute entlang. Mit zunehmender Dauer der Rally stellten wir allerdings fest, dass unsere Roller dieser Herausforderung nicht gewachsen waren. Der Sand, die Waschbrettpisten und riesigen Löcher, die uns dort erwarteten, hinterließen ihre Spuren an unseren armen Rollern. Deshalb stand unser Entschluss bei unserer Ankunft im Senegal fest: keine weiteren Fahrten offroad. Bis zu diesem Zeitpunkt mussten wir regelmäßig unsere Luftfilter vom Sand befreien. Der Schaltbereich war stets verstopft mit Sand und Staub, und zwar dermaßen, dass wir nach dem ersten Gang auch noch den zweiten Gang aufgeben mussten. Zusätzlich blieben wir so oft stecken, dass wir zwei geplatzte Kupplungen wechseln mussten. Und als ultimative Herausforderung mussten wir uns auch noch mit minderwertiger Spritqualität auseinandersetzen, so dass wir deutliche Frühzündungen hatten, wenn wir gegen den Wind oder bergauf fuhren. Ein fast 300kg schwerer Roller ist ein Haufen Arbeit für unsere unterdimensionierten Motoren. Trotzdem lief alles verhältnismäßig gut, auch wenn wir einige Umwege in Kauf nehmen mussten, um im Senegal auf den Hauptstraßen bleiben zu können. Wir kamen in Guinea-Bissau an, auf einigen roten Lehm-/Staubstraßen erreichten wir den nordöstlichen Zipfel des Landes. Endlich, um ca 14:15 Uhr Ortszeit am 29. Januar, überquerten wir die Ziellinie. Und das Beste daran war, dass wir definitiv noch nicht mal die letzten waren…     

Unsere Ausstattung:
3x PX 200E aus den frühen 90er Jahren (Deutsche Modelle)
Gepäckaufbewahrung: Gepäckträger vorne, hinten Top Case (Spezialanfertigung für die spanische Post Correos mit 100l Stauraum)
Benzin: 22l an jedem Roller plus Originaltank (8l)
Öl: 18l Agip teilsynthetisches 2-Takt-Öl (für alle drei Roller)
Extra-Scheinwerfer für Fahrten bei Dunkelheit (sehr hilfreich)
SIP Performance Stoßdämpfer (sehr gut)
 
Motor:
Leicht getunte PX200 mit SIP Road Auspuff (gute Bodenfreiheit) und GS Kolben. Extra-Luftfilter unter dem Sitz.
Prüfstandlauf mit 13PS am Hinterrad.
Reifen: Schwalbe Weatherman. Zwei Ersatzreifen pro Roller.
(ein Roller überquerte die Ziellinie ohne einen einzigen Platten, einer hatte zwei Platten und der dritte Roller einen Platten)
 
Durchschnittliche Tagesgeschwindigkeit von rund 50 km/h inklusive Pausen.
Durchschnittliche Rollgeschwindigkeit von rund 70 km/h.
Durchschnittliche Tageskilometerstrecke von rund 500 km
Durchschnittlicher Benzinverbrauch 4.8l/100 km
Top Speed 111 km/h (GPS)
Bester Benzinverbrauch zwischen zwei Tankstops: 2l/100 km (bei heftigem Rückenwind durch die Westliche Sahara)

Hier gibts grandiose Bilder von der Rally:

http://www.flickr.com/photos/sipscootershop/sets/72157629303437295

 

 

 

 


Eingetragen Feb 14 2012, 12:30 von Ralf

 
  zurück zur Blogs Übersicht