Du bist hier:
Interview mit Alex und Ralf

Hallo Ralf, Hallo Alex. 15 Jahre SIP wie fühlt sich das an?

 

Ralf: Wie ein halbes Leben. Ich kann mich noch gut erinnern wie wir mit den beiden Vespas im Sommer 1994 nach Aachen aufs Rollertreffen gefahren sind und im Gepäck unseren ersten Verkaufsstand hatten. Alle auf dem Treffen hatten gelbe Sonnenhüte auf, das Leben bestand nur aus Spass und Belustigung, wir waren eben noch richtige Buben.

 

Alex: In der langen Zeit haben wir auch viel kommen und gehen sehen. Aber Rollerfahren ist halt mehr als nur ein Modetrend. Schön ist es, dass es nach wie vor eine sehr aktive Szene gibt. Mich fasziniert es, zusehen in welche schwindelnde Höhen sich die Tuningszene entwickelt und dass es in aller Herren Länder eine Rollerszene gibt, die auch auf unseren Service zurückgreift.

 

Wie seid ihr überhaupt zum Rollerfahren gekommen.

 

Alex: Infiziert wurden wir Ende der 80er Jahre durch eine große, aktive Vespa-Szene hier in unserer Gegend. Entweder war deine Vespa getunt oder optisch umgebaut, oder du musstest gar nicht am Schulparkplatz oder der Eisdiele antreten. Dann folgte der Sprung in die On-the Run Szene, erste Rollertreffen 1989, die ersten 400m-Rennen. Das Wettrüsten in den einzelnen Rollerklubs in Landsberg und Umgebung und auch die vielen Treffen haben das ganze noch beschleunigt. Aus Fortbewegungsmittel wurde für uns damals Lifestyle und Lebenskultur. Northern Soul die immergehörte Musik, Rangerboots, Flat und Aufnäherjacke die Schuluniform.
...

 

Ging es euch damals nur ums Business oder was war die Idee aus der SIP entstand?

 

Alex: Business was völlig zweitrangig. Anfang der 90er waren schon 34er Flachschieber, englische Auspuffanlagen wie Kegra, Nordspeed und PSP, Breitreifen und M-Lenker Pflicht. Nur konnte die damals keiner liefern, nur englische Shops. Die hatten Lieferzeiten von Monaten und horrende Preise. Da wir viel mit unseren Streetracern auf Runs und Treffen unterwegs waren, z.B. Eurovespa San Marino, San Remo, Pordenone, Hamburg, ... waren wir dadurch etwas bekannt. Leute wollten unsere Teile wie die SIP Sitzbank haben, wollten Breitreifenumbauten machen, wollten auch englische Auspuffanlagen haben. Da haben wir die Teile für die hergestellt, gefräst, laminiert.

Und damals wie heute sind Rollertreffen doch kostenintensiv. Viel Sprit, viele Durstlöscher, viele Motorrenovierungen. Und somit war SIP am Anfang nur als On-the-Run-Finanzierung gedacht.

 

Ihr habt ja damals nicht direkt eine Halle gebaut oder ein großes Lager angemietet, sondern die Teile aus dem Keller des Elternhauses verkauft. Stell ich mir schwer vor.

 

Ralf: Eigentlich wollten wir ja nicht wirklich eine Firma gründen, wir hatten keinen Businessplan oder ein Ziel für die nächsten 5 Jahre vor Augen. Für uns stand der Wunsch nach aussergewöhnlichen Spezialteilen aus Italien und England im Vordergrund, die wir beschafft haben und dann nach und nach auch für Freunde und Bekannte mitbrachten. Dazu kamen eigene Sonderteile wie die SIP Sportsitzbank. Die Nachfrage war so überwältigend, dass wir, ob wir wollten oder nicht, nach und nach immer mehr zum professionellen Laden wurden.

 ...und die erste Telefonhotline dann im Kinderzimmer?

 

Ralf: Genau. An die Öffnungszeiten von damals könnte ich mich auch jetzt noch gewöhnen. Ich war vormittags in der Uni und ab 15 Uhr nachmittag hatten wir dann offen - bis spät abends. Wenn das Wetter zu gut war oder ein Rollertreffen anstand kam einfach ein Schild an die Tür „Sorry, we are closed".

Wie kam es zum Kontakt zu den Lieferanten?

 

Alex: Betriebsgeheimnis ;-) Viel telefonieren, faxen, hinfahren, Lebensgeschichten anhören.
Früher hat man uns nicht ernst genommen, da wir zu jung waren. Jetzt nimmt man oft die Artikel nicht mehr ernst, die wir anfragen, wenn wir zum Beispiel Jahre brauchen,bis sie den T5-Auspuff oder einen alten Tacho neu auflegen. Dann kontaktet man genauso viel wie früher.

 

Wisst ihr noch welche Marken ihr als erstes im Shop hattet?

 

Ralf: Wir haben damals die Marken ins Sortiment genommen, von denen wir persönlich überzeugt waren und die wir selbst gefahren sind. Interessanterweise hat sich daran bis heute nichts grundlegendes geändert. MALOSSI, POLINI, PIAGGIO, MAZZUCCHELLI, GRIMECA, JL EXHAUSTS, um nur einige zu nennen. Und natürlich unsere eigenen Spezialteile, die wir unter unserem eigenen Label SIP Performance immer noch anbieten.

… und eure ersten Teile?


Alex: DZM DAYTONA, Kupplungsausrücklager XT2000, Breitreifenkits und dann bald die SIP Sitzbank, weitere Carbonteile und M-Lenker.

Damals waren wir an allem interessiert, dass nicht von der Stange ist.
Jetzt haben wir fast alles von der Stange und freuen uns immer noch weihnachtsmäßig über alles, was wieder nicht von der Stange ist.

Unterschied Beschaffung der Teile damals und heute. Damals mit dem Sprinter nach Italien, heute stehen die Speditionslaster in der Hochsaison Schlange vor der Tür…


Alex: Früher sind wir alle 6 Wochen nach Italien gefahren. Wir kennen dort jeden Autogrill . Den besten Cappuccino gibt´s nach wie vor an der ersten Raste nach Bozen und die Hirten-Macceroni am alten Brenner sind Legende. Jetzt beziehen wir die Teile ja direkt ab Fabrik, einiges auch nicht mehr aus Italien.

Die Mengen haben sich erhöht. Für manch alten italienischen Lieferanten sind wir Überlebebensgarantie.

Bei vielen Teilen wollen die Produzenten Mindestmengen, damit sie überhaupt noch mal produziert werden, z.B. Scheibenbremsen Grimeca, Langhubwellen, Trittleistensätze, Spoiler T5.

Und die Mengen passen nicht mehr in einen Sprinter.

Der erste Katalog. Damals noch mit den Vorlagen/Entwürfen den nächsten Copy-Shop gestürmt und 500 Stück s/w kopiert oder doch die Kartoffeldruck Variante?


Ralf: Die ersten Flyer klebten wir mit Schere und Uhu zusammen und kopierten Sie im Copyshop. Dazu noch eine junge leicht bekleidete Dame, Layout kann so einfach sein. Wir haben allerdings recht bald den ersten 16 seitigen Katalog gebastelt, da das Sortiment schnell gewachsen ist. Der war noch ganz in schwarz-weiss Druck. Eins hat sich aber seit den ersten Anfängen nicht geändert: einen Katalog zu erstellen ist unglaublich aufwändig, anstrengend und vor allem auch teuer.

 

IPhone und mobiles Internet gab es ja damals noch nicht. Mit der Einführung des www haben sich ja auch ganz neue Kanäle eröffnet. ..Fluch oder Segen?


Ralf: Ganz sicher Segen, für uns und auch die Kunden. Preise und Angebote kann ich von daheim bequem vergleichen, wir erreichen unsere Kunden an jedem Ort der Welt. Unser Webshop ist immer tagaktuell und auch die Informationen pro Artikel mit Alternativen, Empfehlungen, Montageanleitungen, Abbildungen, Artikelforum und so weiter sind sehr vielseitig und für unsere Kunden besonders wertvoll. Mit diesem hohen Pflegeaufwand wollen wir uns auch ganz klar von ebay-Vertickern abheben, die zwar jetzt und heute ein Teil billiger verhökern aber vielleicht morgen schon nicht mehr da sind. Als Kunde muss ich mich da fragen, wer mein Hobby besser supported und von wem ich auch in ein paar Jahren noch mit Ersatzteilen versorgt werde

 

Rollerfahren früher und heute. Die Szene hat sich ja bestimmt geändert. Früher war alles besser?


Alex: Die Klassikszene wird älter. Man legt mehr Wert auf perfekte Restaurationen oder extreme Umbauten mit PS-Zahlen jenseits der 30 PS. Das reizt mich persönlich selber.
Früher sah man mehr Customumbauten, wie Chopper, Cut-Downs, Airbrushs. Es waren mehr Variationen sichtbar. Die Anzahl der Treffen ist weniger geworden, daher ist es für Neue schwieriger sich zu infizieren.
Andererseits ist mit dem Web und den Foren auch ein Szenekontakt möglich, der so nicht möglich war.

 

Die Scooterszene ist ja erst ein paar Jahre alt. Doch was da an Umbauten gezeigt wird, ist enorm. Die Treffen sind sehr groß und dennoch nicht unpersönlich. Das gefällt mir an dieser Szene sehr gut. Völlig egal wer du bist und wie du aussiehst, das Benzingespräch steht im Vordergrund und ist das wichtigste.

 

Ihr habt 45h Stunden in der Woche Rollerlatein, verliert man da nicht die Lust am ganzen?


Alex: Man muss schon aufpassen. Das wichtigste für mich ist, dass ich morgens in die Arbeit gehen kann, und hab jeden Tag Spaß daran. Wenn das mal aufhört, wird es gefährlich.
Sicher will man abends im Biergarten um 22.00 keinem mehr verbal einen Vergaser einstellen, doch ist die Leidenschaft für die Materie immer noch da. Und wenn ich morgens mit meiner SS180 in die Arbeit fahre, beginnt der Tag schon mal perfekt.
Mein kleines Highlight ist der jährliche SIP-Trip, bei dem wir wie früher mehrere Tage auf ein Treffen, meist in Italien, fahren. Ohne Servicefahrzeug, Streetcowboymäßig. Dieses Jahr geht´s zum Scooter Club du Sud Est nach Südfrankreich, die feiern ihr 17. Treffen dort. Voila.

 

Was hat euch besser gefallen, hinter den Tresen oder auf Treffen selber zu verkaufen oder die weltweite Rollerszene zu beliefern, wie heute.

 

Alex: Unsere Kunden und dadurch auch wir selbst haben an uns den Anspruch, das beste, vollständigste Sortiment zu den fairsten Preisen zu haben, eine schnelle und fehlerfreie Lieferung zu bekommen und das Sortiment in Katalogen, Online und am Telefon in hoher Qualität abrufen zu können. Das hält uns ganz schön auf Trab.
Auch sind wir jetzt ein größerer Arbeitgeber und haben eine Verantwortung für unser Team. Das war zwar früher entspannter, hält uns aber hoffentlich jung.

 

Werft mal einen Blick in die Glaskugel: wie sieht SIP in 15 Jahren aus?


Ralf: Wenn Du uns das vor 15 Jahren gefragt hättest, wäre uns sicher nicht im Traum eingefallen, welche Firma SIP Scootershop heute darstellt. 40 Mitarbeiter kümmern sich um mehr als 70.000 Kunden, das war damals nicht vorhersehbar. Unser Wunsch ist es, auch in 15 Jahren noch mit der selben Leidenschaft und Freude unseren Job zu machen. Wir möchten ein komplett sortierter Anbieter von Ersatzteilen und hochwertigem Zubehör sein, für alle gängigen Motorroller. Eine der grossen Herausforderungen wird es sein, Teile die vom Hersteller nicht mehr produziert werden am Leben zu erhalten oder in eigener Regie neu aufzulegen.

 

Was plant ihr denn für dieses Jahr?

 

Alex: Seit 2 Jahren entwickeln wir gerade an neuen Produkthighlights. CNC gefräste Stoßdämpfer, Hightech-Kurbelwellen, Bremszangen, KOSO-Vespa Drehzahlmesser, schlauchlose Felgen sind nur einige Schmankerl davon. Einiges ist schon auf dem Weg, anderes im Test-Endstadium.
Das Oldtimer-Programm wächst und gedeiht. Hoffentlich schaffen wir den einen oder anderen Katalog.
Das Stoffi-SIP Rennteam ist heiß auf eine Revanche. 3 Customs warten auf ihre Fertigstellung.

 

Ralf: Im Scooterbereich gibt´s 2 neue SIP Sprintteams mit krass schnellen Customsprintern. Auch unser SIP Stuntteam hat einen Custom-Stunt bekommen, auch wenn der dem Abgang geweiht ist. Die Saison kann also kommen.

 

Und ein paar letzte Worte, Grüße, Shoutouts?


Alex: Keep on Scooterin`

Ralf: Amen

Author(s): Moritz K.
vom 01.03.2009


Legende: Unser Lagerbestand

Unser Lager ist fast voll.
Dieser Artikel ist bei uns am Lager in ausreichender Menge vorhanden.
Von diesem Artikel sind nur noch wenige am Lager.
Dieser Artikel wird extra bestellt. Die Lieferzeit beträgt ca. 3 Wochen.
Dieser Artikel ist bei uns nicht am Lager, aber bereits bestellt.
Dieser Artikel ist zur Zeit leider nicht verfügbar und in Kürze wieder bestellt. Er kann trotzdem bestellt werden, Lieferzeit ca. 3 Wochen.