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Vespa Custom 10 Inch Terror


Wow, das ist endlich mal wieder ein VESPA Custom von Format! SIP Kunde Marek Nachlik hat hier einen Meilenstein für die Hall of Fame der Vespa Umbauten geliefert. Lassen wir ihn am besten selbst erzählen, was er bei seinem Projekt so alles erlebt hat:

 

 

 

"Alles hat begonnen, als mir mal wieder ein PX Motor Arsch über Teekessel um die Ohren geflogen ist und ich völlig frustriert einen Haufen Kohle ausgeben musste um diesen wieder instand zu setzen.  Zufällig fiel mir auf, dass die Nabe der Honda Comstar Felge den gleichen Lochstich der Vespa Felge haben könnte. Auf blauen Dunst habe ich dann bei eBay eine Felge erstanden und vermessen und festgestellt, dass diese mit minimalem Offset tatsächlich dem 5er Lochstich einer Vespa Felge entspricht. Die Löcher in der Nabe habe ich entsprechend größer gebohrt und eine Zentrierung an die Nabe angedreht. Damit ist das Problem der Kettenblattaufnahme und des Ruckdämpfers gelöst. Da die Nabe von einer Honda 750er stammt ist die Bremse auch ausreichend dimensioniert.

 

 

 

 

Als ich mir über den Motor Gedanken gemacht habe, war mir eigentlich klar, dass ich etwas größeres als 250 ccm haben wollte. Dabei kam ich schnell auf den WR360 von Husqvarna. Der war relativ einfach zu bekommen und die Ersatzteilpreise halten sich in Grenzen. Der Husqvarna Motor hat allerdings das Ritzel auf der rechten Seite, die Honda Felge hat das Kettenblatt links. Da es sich aber um eine Simplexbremse handelt habe ich die Nabe einfach gedreht montiert.

 

 

 

 

Als nächstes habe ich eine Schwinge gesucht. Der Einfachheit halber sollte es eine Stahlschwinge sein. Das Projekt war immer noch im Stadium einer Spinnerei und ich selbst habe zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich geglaubt, dass am Ende etwas dabei herauskommen würde. Meine Wahl fiel auf eine Yamaha XS400 Schwinge. Der Motorhalter wurde ebenfalls aus Stahl gebaut. Alles zusammen wurde provisorisch in einen Rahmen gesteckt bei dem ich bereits das Heck abgesägt hatte. In der Konzeption sollte der Motor mittig sitzen und das Heck als Flipheck ausgelegt sein. Auf diese Art habe ich die Position des Motors und die maximale Länge der Schwinge festgelegt. Die Schwinge wurde entsprechend gekürzt und der Motorhalter auf die Schwinge geschweißt. Um das Flipheck nicht zu belasten, habe ich das Prinzip der Federung einer Buell übernommen. Das Hebelverhältnis wurde so gewählt, dass Kraft und Weg am Ende unverändert sind. Die Aufnahme des Umlenkhebel habe ich von der Unterseite im Rahmentunel eingeschweißt Der Stoßdämpfer wird am hinteren Ende ebenfalls am Tunnel abgefangen. So bleiben alle Kräfte der hinteren Aufhängung im Bereich des Rahmentunnels. Der Rahmen wurde links und rechts mit abgewinkeltem 2.5mm Stahlblech vom Schwingenbolzen bis zum Beinschild verstärkt. Als Schwingenbolzen habe ich einen von der Cosa genommen und das Gewinde heruntergeschnitten. Über die Verstärkung wurde ein weiterer Rahmentunnel gesetzt. Zum einem um den Tunnel weiter zu verstärken und zum anderen um die Verstärkung zu kaschieren.

 

 

 

 

Da der Husqvarna Motor nun fast um 45° gekippt ist, ist die Kickerwelle auf Höhe der Oberkante der Backe. Das ist alles andere als praktikabel. Ich entschied deshalb die Kickerwelle zu verlängern, entsprechend abzustützen und mit einem Ritzel zu versehen. Der Kettenzug ermöglichte es den Kicker an einer beliebigen Position anzusetzen. Die beste ist da natürlich die originale. Ich habe eine PX Kickerwelle genommen und an der Drehbank den Quadranten abgestochen, danach eine Auflage für ein Kettenblatt gefertigt und aus einem Kettenblatt für ein Quad einen Kettenquadranten gesägt. An die Schwinge habe ich dann eine Aufnahme für den unteren Teil des Kickers geschweißt und zu meiner Überraschung funktionierte das alles sogar auf Anhieb. Jetzt ging es daran das Heck zu bauen und die Position auf dem Rahmen festzulegen. Für das Heck wurde ein weiterer Rahmen zersägt. Das Heck selbst musste ich ca. 10 cm länger gestalten, als original. 4cm davon nach vorn und 6 cm nach hinten. Um die 10 cm zu kaschieren habe ich Seitenhauben einer Sprint gewählt. Diese sind etwas länger als andere Hauben. Damit war auch schnell klar, dass es am Ende ein Oldie Fake werden musste. Als mir dann noch ein Bajaj Rahmen angeboten wurde, habe ich zugegriffen und diesen gleich zur Endspende in meiner Werkstatt zersägt. Die Kaskake ist ein Reparatur Blech und den Rallylenker gab es auf dem Gebrauchtteilemarkt.

 

Da der Platz im Heck reichlich limitiert ist musste der Tank einen neuen Platz finden. Unter dem Bodenblech liegt die Federung, so blieb nur noch das Handschuhfach. Ein neues Gepäckfach wurde entsprechend modifiziert, angepasst und mit Tanksiegel von innen beschichtet. Der Vergaser wird über eine Hardi Benzinpumpe versorgt.
Es stellte sich heraus, dass ich beim Kauf des Motors wenig Glück hatte. Kolben, Zylinder, Pleuel Lager und Wasserpumpe hatten das schlimmste hinter sich so wurde der Motor einmal komplett überholt und der Zylinder erhielt bei Powerseal in Holland eine neue Beschichtung.  

 

 

 

 

Als das Heck und der Rahmen mit Tank soweit fertig waren habe ich alles einmal grob zusammengebaut Ein Kühler wurde auf einem Gepäckträger vorn mit Kabelbindern angestrapst, Benzin in den Tank gefüllt und der Motor zum ersten Mal erfolgreich gestartet. Danach ging es an den Bau des Auspuffs. Mangels eigener Kenntnisse musste diese Arbeit fremdvergeben werden. Mit Marko Rentzmann von Pipedesign in Bremen fand sich ein kompetenter Partner, der diesen Job in brillanter Art und Weise erledigte. Während der Roller also nun in Bremen stand, machte ich mich an den Umbau der Gabel. Cosagabeln mit tollen Dämpfern und großen Bremsen sind eine schöne Angelegenheit. Mir persönlich tragen sie zu dick auf und ich beschloss in jedem Fall bei einer Oldiegabel zu bleiben. Außerdem wollte ich gern eine Felge vorn haben, die optisch besser zu dem Felge-Nabe Konstrukt an der Hinterachse passt. Ich habe mich bei dem Bau des Rades an den Centerline Felgen, wie sie auch im Drag Racing gern genommen werden orientiert. Die Scheibenbremse selbst ist eine Weiterentwicklung der Bremse, die ich für meine Stray Bullet mit dem Speichenrad gebaut habe http://www.germanscooterforum.de/topic/268916-stray-bullet/

So konnte ich auf Bewährtes zurückgreifen und innerhalb von zwei Monaten war das Thema Gabel, Vorderrad und Bremse erledigt. 

 

 

 

 

Als ich den Roller von Pipedesign zurück bekam, habe ich noch die linke Haube an das Heck geschweißt, die Gabel montiert und den Kotflügel ausgerichtet. Schlussendlich wurde noch ein Halter für den Kühler angeschweißt und damit waren die Karosseriearbeiten abgeschlossen. Der Lenker wurde leicht gedropt und danach für den Einbau eines Motoscope Pro von Motogadget vorbereitet. Die Sitzbank musste ebenfalls im Eigenbau entstehen, da sie ja ebenfalls gute 10 cm länger ist, als alles was am Markt verfügbar ist. Da die Sitzbank der Form des Hecks schon deutlich folgern sollte, aber trotzdem über ein Scharnier verfügen sollte habe ich eines selbst konstruiert. Dieses hat einen virtuellen Drehpunkt und ist wenn die Bank geschlossen ist nicht sichtbar. Die Verriegelung der Sitzbank wird vom Schloss des Kofferraumdeckels eins VW Käfer übernommen. Die Entriegelung folgt per Seilzug, der Hebel befindet sich unter dem Deckel der Gepäckfachbacke.

Die komplette Elektrik und Instrumentierung stammt von Motogadget. M-Unit, Motoscope Pro, Blinker und Taster.  

Ich habe die Lackierung bewusst als O-Lack Fake gewählt weil einfach bei der Komplexität des Umbaus zu erwarten war, dass es später hier und da zu Schwierigkeiten kommt. Schnell hat man sich beim Abnehmen des Fliphecks den Lack versaut.

 

Die ersten Fahrversuche ergaben dann auch, dass es mit der Schaltung massive Probleme geben würde. Ich habe einfach den Seilquadranten aus der PX Schaltraste auf einen abgesägten Schalthebel geschweißt. In der Theorie erschien mir das eine gute Idee, in der Praxis stand ich vor dem Problem, dass ich entweder zu viel Kraft zum Schalten brauche, oder der Weg in der Drehung zu lang wird. Eine mechanische Lösung war da nicht in Sicht. Ich habe deshalb von Klicktronic einen elektro-mechanischen Schaltzylinder installiert. Diese werden z.B. im Rennsport bei Karts , oder aber bei Umbauten von Motorrädern für Fahrer mit Fußprothesen verwendet. Der Haken an diesem System ist, das der Shifter in der Spitze gute 35 A zieht und die Lichtmaschine der Husqvarna ähnlich leistungsfähig wie die einer Vespa ist. Als Lösung habe ich die Lima umgelötet und einen Vollwellenregler installiert. Die H4 Lampe ist gegen einen LED Brenner von Adjure ausgetauscht worden. Im Ergebnis habe ich jetzt mindestens 13,8 Volt Bordspannung bei laufendem Motor.

 

Mittlerweile sind weitere Testfahrten absolviert und viele Probleme gelöst. Ein wenig bleibt das Projekt aber noch Baustelle. So muss ich andere Silentgummis für die Schwinge fertigen um die Vibrationen des Motors in den Griff zu bekommen.  

 

Die Fahrleistungen sind aber eigentlich nur mit einem Wort zu beschreiben: Abartig! 55 PS und 45 Nm Drehmoment machen das Ding zur Rakete, auch wenn 145 kg Leergewicht dagegenstehen.

 

 

Dankeschön an Helge Wiese von Flying Classics und Alex Rothe für die Sattlerarbeiten. "

 

 

Text: Marek Nachlik

Bilder: Matthias Dahl

 

 

Alle Bilder von Marek´s Projekt in voller Pracht findet ihr hier auf flickr.

 


Eingetragen Sep 08 2015, 02:07 von Ralf

Comments

Nom de code « 10 inch terror » | Vespisto- La boutique pour les fans de Vespa Piaggo, accessoires Vespa, t-shirts vespa et Livres sur les Vespas wrote Nom de code « 10 inch terror » | Vespisto- La boutique pour les fans de Vespa Piaggo, accessoires Vespa, t-shirts vespa et Livres sur les Vespas
on Mi, Sep 23 2015 21:06

Ping Antwort von  Nom de code « 10 inch terror » | Vespisto-  La boutique pour les fans de Vespa  Piaggo, accessoires Vespa, t-shirts vespa et Livres sur les Vespas

Ten Inch Terror, vaya tela con la Vespa... wrote Ten Inch Terror, vaya tela con la Vespa...
on Do, Jun 23 2016 10:34

Pingback from  Ten Inch Terror, vaya tela con la Vespa...


 
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